Seide und Schwert 2: Mondkind

mondkindKai Meyer & Yann Krehl (Text-Adaption)
Seide und Schwert 2: Mondkind
Das Wolkenvolk 2

(sfbentry)
Nach dem gleichnamigen ersten Band „Seide und Schwert“
der Jugendbuch-Trilogie „Das Wolkenvolk“, Loewe Verlag, Bindlach, 2006
Splitter Verlag, Bielefeld, 1. Auflage: 4/2009
HC-Album, Comic, Fantasy, Geschichte
ISBN 9783939823957
Titelgestaltung von Dirk Schulz
Illustrationen von Ralf Schlüter, Horst Gotta (Tusche), Dirk Schulz (Farben)
Extra: 1 herausnehmbarer Druck

www.splitter-verlag.de
www.kaimeyer.com/
http://yannkrehl.de
http://ralfschlüter.com/
www.pencil-ink-color.de/ (closed?)
www.indigo-online.de

Die fliegende Heimat des Wolkenvolks ist bedroht, denn niemand versteht die alten Maschinen, die dafür sorgen, dass die Stadt hoch in den Lüften bleibt. Schon seit einer geraumen Weile sinkt sie immer tiefer, wie Alessia, die Tochter des Herzogs hilflos und voller Schrecken beobachten muss, seit sie vom Schattendeuter eingesperrt wurde, weil sie um Dinge weiß, die seine Pläne gefährden könnten. Unterdessen sucht Niccolo, obwohl er das Wolkenvolk nicht liebt, nach den verschwundenen Drachen, die den Aether ausatmen, der die Wolkeninsel retten soll. Auf seiner Reise begegnet er dem Mädchen Nugua, das von den Drachen aufgezogen worden war und ebenfalls hofft, ihre Freunde zu finden. Auch Feiquing, ein Mann, der seine Erinnerungen verloren hat und durch Magie mit dem Kostüm eines Rattendrachen verschmolzen wurde, schließt sich ihnen an. Die Gefährten greifen in den Kampf zwischen einer jungen Frau und einem Krieger ein. Das Bisschen von seinem Chi, das Niccolo Mondkind gibt, befähigt sie, den Xian in die Flucht zu schlagen. Der Preis, den beide dafür zahlen müssen, ist hoch: Niccolo und Mondkind sind nun durch Liebe verbunden, und diese Liebe ist so stark, dass die abtrünnige Halb-Unsterbliche ihn vor sich zu warnen versucht. Aber auch nachdem Niccolo erfahren hat, was Mondkind tat, ist er davon überzeugt, dass sie nichts dafür kann, weil sie manipuliert wird.

Niccolo, Nugua und Feiquing setzen ihre Suche nach den Drachen fort. Meister Li, ein Fangshi, erweist sich als ein starker und nützlicher Begleiter, aber schnell finden die Drei heraus, dass er nicht das ist, was er vorgibt zu sein. Er hat seine Gründe, nach Mondkind zu forschen, die wiederum Wisperwind jagt, an die sie ihre Schwerter verloren hat. Doch auch er kann nicht verhindern, dass sie von den Mandschu aufgespürt werden und Nugua eine tödliche Verletzung beigebracht wird. Ihre einzige Hoffnung sind die Drachen, die vielleicht wissen, wie man von der ‚purpurnen Hand’ geheilt werden kann. Niccolo übergibt Nugua der Obhut von Meister Li und will sogar die Beschaffung des Aethers den Freunden überlassen, um stattdessen Mondkind helfen…

Spannend geht die Geschichte um einige junge Menschen weiter, die alle einen persönlichen Grund haben, nach den verschollenen Drachen zu suchen und die durch die Anliegen ihrer Weggefährten in weitere Konflikte hinein gezogen werden. Man sollte den 1. Band, „Wisperwind“, gelesen haben, um zu wissen, wie es zu den jeweiligen Situationen kam, denn auch wenn man Wesentliches den Dialogen entnehmen kann, so beginnt der zweite Teil in einer laufenden Handlung, und man tut sich ohne Hintergrundwissen etwas schwer, die Motive der einzelnen Akteure zu verstehen. Als Setting wählte Kai Meyer ein fiktives, von den Mandschu beherrschtes China, in das er Anspielungen auf historische Persönlichkeiten wie Marco Polo oder Leonardo da Vinci einbaut, ungeachtet der Zeiten, in denen sie lebten. Bei den meisten Lesern wird dadurch ein Aha-Effekt ausgelöst, wenngleich das Abenteuer keine wirklichen historischen Bezüge knüpft, sondern der Autor nach Belieben mit Fantasy und Kung-Fu mischt und sich die Kulisse passend zurechtbiegt.

Die Umsetzung des Romans in Comic-Form ist Yann Krehl sehr gut gelungen. Man muss die Bücher nicht gelesen haben, um dem Comic folgen zu können. Auch zeichnerisch wissen Ralf Schlüter, Horst Gotta und Dirk Schulz zu überzeugen. Das Resultat ist ein farbenprächtiger Band, der über den gängigen Umfang von knapp 50 Seiten hinausgeht und außerdem durch interessantes Zusatzmaterial erfreut (Skizzen, getuschte Zeichnungen, einige Worte zu Feiquing, an dem sich wohl die Geister scheiden, da die einen diese Figur sicher niedlich und lustig, die anderen sie eher als nervig empfinden dürften). Als Extra ist ein herausnehmbarer Farbdruck beigefügt, der vor allem die Sammler begeistern wird. Auf den beiden Handlungsebenen werden die Geschehnisse vorangetrieben, etwas weniger auf der Wolkeninsel, umso mehr dafür in China. Niccolo stellt seine eigentliche Aufgabe hinten an, weil er durch Magie mit Mondkind verbunden ist und er ihr helfen will. Dass Nugua in ihn verliebt ist, übersieht er. Selbst als ein schwerer Schicksalsschlag das Mädchen trifft, folgt er lieber der mysteriösen jungen Frau, die nicht einmal ein richtiger Mensch ist. Auch über den Aether erfährt man etwas Erstaunliches, doch die Drachen bleiben vorerst verschwunden. Am Ende des Albums trennen sich die Wege der Gefährten, und statt zwei wird es künftig mindestens vier Handlungsebenen geben, bis die einzelnen Stränge wieder zusammengeführt werden.

Obwohl einige Geheimnisse enthüllt wurden, bleibt noch so manche Frage unbeantwortet. Durch neue Figuren und zusätzliche Probleme wird die Story komplexer und tritt das Hauptanliegen – die Suche nach den Drachen – für Niccolo in den Hintergrund. Man darf vermuten, selbst wenn andere an seiner Stelle den Aether beschaffen wollen, dass die Hilfe fürs Wolkenvolk erst spät, vielleicht zu spät kommen wird…, aber bis dahin werden noch viele Comicseiten umgeblättert, denn vier weitere Alben sind in Planung. Der zweite Band der „Wolkenvolk“-Serie unterhält Leser, die phantastisch-abenteuerliche Comic-Geschichten mögen und sich besonders gern von einem chinesisch anmutenden Ambiente bezaubern lassen, bestens. Die Charaktere sind sympathisch und interessant, ihre Probleme nachvollziehbar und nicht selten tragisch. Stimmungsvolle Zeichnungen runden die spannende Erzählung ab. Es sind außerdem genügend Cliffhanger gesetzt worden, dass man auch die weiteren Teile unbedingt lesen möchte.

Irene Salzmann (IS)
 
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Seide und Schwert 2: Mondkind

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