Silver Surfer: Parabel

Silver Surfer: Parabel
(sfbentry)

OT: Silver Surfer: Parable
Autor: Stan Lee
Zeichnungen: Moebius (Jean Giraud)
Tusche: Moebius
Farben: Moebius; e.a.
Ü: Michael Strittmatter
Lettering: Walproject
Ausstattung: HC, 84 Seiten
ISBN: 978-3-86201-987-8
Verlag: Panini Comics, 2014

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Im Jahr 1987 nahm eine ungewöhnliche Zusammenarbeit zweier Comic-Koryphäen ihren Anfang, an deren Ende jene zweiteilige „Silver Surfer“-Story steht, die uns Panini nun in einem als Hardcover edierten und redaktionell erweiterten Sammelband präsentiert, welcher im Original 1988 bei Marvel unter dem epic-Imprint erschienen ist.

Bei diesen beiden Comic-Schaffenden handelt es sich um den legendären Stan „The Man“ Lee, der als (Mit-)Schöpfer ikonischer Superhelden wie den Fantastic Four, Spiderman, den Avengers und X-Men u.v.a.m. die Popkultur nachhaltig beeinflusst hat sowie dem wohl bedeutendsten europäischen Comic-Phantasten, Jean „Moebius“ Giraud, zu dessen Œuvre Meisterwerke wie Arzach oder Der Incal gehören.

Eines Tages taucht am irdischen Himmel ein riesiges Raumschiff auf, das sich schon bald als Gefährt der kosmischen Entität Galactus herausstellt, jenes Galactus‘, der einst gegenüber seinem ehemaligen Herold, dem Silver Surfer, den Schwur ablegte, die Erde nicht anzugreifen.

Und in der Tat ist sein Auftauchen in enger Auslegung des Schwurs nicht als Angriff zu sehen, obwohl er sich zum Gott aller Menschen und zum Schöpfer eines neuen Zeitalters ausruft, eines Zeitalters, in dem die Gesetze und bisherigen Regeln der Menschen keinerlei Bedeutung vor seinem Wort haben. Es dauert nicht lange, bis sich nicht nur ein abgehalfterter TV-Prediger namens Colton Candell zum Propheten des neuen Gottes ausruft, sondern bis sich die Menschen im Namen Galactus auch bis aufs Blut bekriegen und Terror mit Gegenterror beantworten.

Der Silver Surfer, der bis dahin gleichsam obdachlos und im Dunkeln unter den Menschen umher irrte, durchschaut schnell den perfiden Plan des kosmischen Wesens, die Menschheit auf den Pfad der Selbstzerstörung zu lotsen, und stellt sich seinem ehemaligen Herrn demonstrativ entgegen. Doch seine kosmischen Kräfte sind bei weitem zu klein, um Galactus aufzuhalten, und die Menschen sehen in ihm, der sie zu retten versucht, einen Häretiker, den es zu bekämpfen gilt.

Obgleich Stan Lee erzählerisch dem Titel des Zweiteilers, „Parabel“, gerecht zu werden und dem Leser etwas „Lehrreiches“ anzutun versucht, ist das Besondere in der Tat Girauds unverwechselbar klares Artwork, das von Zeichenstil und in der Bildkomposition seine europäischen Wurzel nicht verleugnen kann. In leichten, in den Details sehr zurückhaltend ausgearbeiteten Bildern verleiht er dem Surfer eine fast schwerelose Eleganz. Auffällig ist, dass nicht nur Moebius‘ Strich im Verlaufe der Geschichte variiert, sondern dass er auch mit den Proportionen und Größenverhältnissen der Figuren spielt und sie den narrativen Bedürfnisses der Story anpasst.

Die Story selbst hingegen wirkt vergleichsweise überladen; nicht nur mit der hinlänglich bekannten „Silver Surfer“-Tragik des verkannten, missachteten Beschützers, Retters und Erlösers, sondern auch mit plakativ in Szene gesetzten, philosophischen Kurz-Botschaften, in denen es buchstäblich um Gott und die Welt, um die Liebe zum Mitmenschen, um Tyrannei und Auflehnung geht, und die angesichts eines nervigen Pathos kaum Wirkung entfalten.

Hervorragend ist wiederum der umfangreiche redaktionelle Teil, der sowohl stringent formulierte Gedanken des europäischen Elternteils zu den unterschiedlichen Abläufen dieser Comic-Produktion – von der Annäherung an Story und Figuren, über das Zeichnen und Tuschen bis hin zur Koloration und das Lettering – präsentiert, als auch mit einer Poster-Galerie aufwartet, in der Moebius weiteren Marvel-Helden grafisch Leben einhaucht.

Das elegante, coole Artwork Moebius lässt nicht nur die verschwurbelt-pathetische Story in den Hintergrund treten, sondern nährt auch das Bedauern, dass zumindest dieser europäische Künstler nicht öfter seine Sicht von Marvel-Recken zu Papier gebracht hat.

Copyright (c) 2014 by Frank Drehmel

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