Spider-Man & die X-Men

Elliott Kalan
Spider-Man & die X-Men
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Spider-Man & the X-Men 1 – 6, Marvel, USA, 2015
Panini Comics, Stuttgart, 12/2015
PB
Comic, Superhelden, SF, Action, Urban Fantasy, Mystery
ISBN 978-0-785-19700-3
Aus dem Amerikanischen von Michael Strittmatter
Titelillustration von Nick Bradshaw
Zeichnungen von Marco Failla, R. B. Silva, Diogo Saito, Rob Lean, Ian Herring
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www.paninicomics.de
www.flophousebroadcast.com
http://nickbradshaw.com
http://rbsilva.deviantart.com
http://diogosaito.deviantart.com

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Panini offeriert unter dem Titel „Spider-Man & die X-Men“ die gleichnamige komplette Mini-Serie, die der Comedian Elliott Kalan geschrieben hat und deren sechs Episoden von verschiedenen, aber stilistisch ähnlichen Zeichnern illustriert wurden.

Vor seinem Tod bat Wolverine Spider-Man um einen Gefallen: Er selber hatte nicht herausfinden können, wer der Maulwurf in einer Klasse besonders komplizierter Kinder am Jean Grey-Institut ist. Bevor dieser Unheil anrichten kann, soll Spider-Man in der Rolle eines Lehrers den Fall lösen. Sonderlich begeistert ist er nicht von dieser Aufgabe, denn sein eigenes Leben, das er erst kürzlich nach der Übernahme seines Körpers durch Dr. Octopus zurückerhalten hat, ist heikel genug. Aber auch die anderen X-Men, insbesondere Storm und Rachel Grey, stehen ihm skeptisch gegenüber, weil er zu viele Geheimnisse hütet und sie der Ansicht sind, dass man Vertrauen nur durch Vertrauen gewinnen kann. Allerdings erfüllen sie Wolverines Wunsch und übergeben Spider-Man die Verantwortung für die Schüler Hellion, Rockslide, Shark-Girl, Glob, No-Girl, Eye-Boy und Ernst. Jeder von ihnen hat eine mehr oder minder dunkle Vergangenheit und das Problem, sich bei den X-Men kaum integrieren zu können.

Tatsächlich meistert Spider-Man trotz einiger Malheure seinen Job besser, als jeder es erwartet hätte. Seine offene, lockere Art, die von den Jugendlichen zunächst als uncool empfunden wird, öffnet sie jedoch für ihn, denn dass er Fehler zugeben kann und ihnen zutraut, dass sie schwierige Missionen erfüllen können, beeindruckt sie und nimmt sie letztendlich für ihn ein. Auf diese Weise entwickeln sie auch Verständnis füreinander und infolgedessen den Teamgeist, den ihnen bisher kein anderer Lehrer hatte vermitteln können. Das ist auch dringend notwendig, denn Spider-Man und seine Schützlinge müssen sich sogleich gegen einige erbitterte Feinde zur Wehr setzen: Sauron und Stegron planen nämlich, die Menschen in Dinosaurier zu verwandeln und die Herrschaft über die Erde zu übernehmen. Außerdem sucht Mojo neue Stars für seine tödliche Show im Mojoverse. Überdies hat Mr. Sinister sich tatsächlich einen der jungen X-Men durch ein Versprechen gefügig gemacht, doch alles ist ganz anders, als vermutet.

Um es kurz zu machen: Die Geschichte ist klasse! Elliott Kalan versteht es, alle Charaktere individuell und realistisch darzustellen sowie den Ernst der Situation mit feinem Humor zu paaren. Der Band ist keinen Moment langweilig, denn Action, Alltagskonflikte, Drama und Romantik sind in der exakt richtigen Mischung vorhanden. Zwar treffen die X-Men unter Spider-Mans Führung auf recht skurrile Widersacher, aber man merkt, dass auch das gewollt ist.

So sind Sauron und Stegron von Menschen unverstandene Monster, die recht plump vorgehen und sich der Schurkensprache bedienen, während sie ihre Allmachtfantasien pflegen. Und doch haben sie neben ihrem Überlegenheitsdünkel einen weichen Kern, der sie empfänglich macht für etwas, das niemand erwartet hätte. Indem einer der Schüler diesen Umstand geschickt ausnutzt, kann das Blatt gewendet werden. Obendrein begreifen die Teenager, auch wenn sie selber anders sind und sich von ‚normalen‘ Menschen unterscheiden, es gibt immer jemanden, der noch schlimmer dran ist. Nicht das Aussehen, sondern die inneren Werte sind entscheidend. Ähnliches gilt auch für das Abenteuer im Mojoverse. Die Manipulationen werden ins Gegenteil gekehrt und Mojo mit seinen eigenen Waffen geschlagen. Obwohl sich die Gelegenheit ergibt, den egoistischen und skrupellosen Entführer zu töten, zeigt Spider-Man Gnade und vermittelt: Die Guten sind keine Mörder. Einen Gastauftritt haben die X-Babys.

Auch Mr. Sinister ist ein gerissener Manipulator. Er nutzt eine tiefe Freundschaft aus, die einen der Teenager – auf den als Verräter wohl kaum jemand getippt hätte – dazu bewogen hat, buchstäblich einen Pakt mit dem Teufel einzugehen. Niemandem sollte ein Leid geschehen, vielmehr war geplant, jemandem zu helfen, und die Betroffenen lernen daraus, dass es nicht immer funktioniert, aus Unrecht Recht zu machen, und ein selbstloses Opfer keineswegs die Lösung ist. Nachdem die Jugendlichen ihre Lektionen gelernt haben, sind noch die Erwachsenen dran. Rachel Grey will Spider-Mans Geheimnisse lüften und hat schon herausgefunden, dass sein Name Peter Parker ist. Auch Storm empfindet nur noch mehr Misstrauen ihm gegenüber, weil er mit den Schülern in gefährliche Situationen verstrickt wurde. Die Teenager wissen zu überraschen, denn sie halten zusammen und zu ihrem Lehrer – Ende gut, alles gut.

Diesen Entwicklungsprozess zu verfolgen, macht unheimlich viel Spaß. Insbesondere da die vielen abgehobenen Mega-Events die Bodenständigkeit vermissen lassen, kann man sich hier endlich mal wieder auf kleinere, nachvollziehbare Probleme und viel Zwischenmenschlichkeit – gerade das hat von jeher die „X-Men“ ausgezeichnet! – einlassen. Die Kinder zeigen sich lernfähig und wachsen einem mehr und mehr ans Herz, und in ihrer schrägen Art passen sie auch bestens zu Spider-Man, der sich seine Jungenhaftigkeit erhalten hat und mit ihnen auf Augenhöhe zu kommunizieren bereit ist, während die erwachsenen X-Men den Lehrer heraushängen lassen. Dieser Kontrast, die übertrieben steifen Erzieher auf der einen und die legere Autorität Spider-Mans auf der anderen Seite, ist einfach köstlich, zumal die ‚ehrwürdigen‘ Lehrer vor gar nicht langer Zeit selbst rebellisch waren und diese Phase offenbar vergessen haben. Das alles ist auch zeichnerisch sehr gefällig umgesetzt.

Nochmal: Eine klasse Storyline, von der man sehr, sehr gern noch viel, viel mehr lesen möchte! Auch für Leser, die den aktuellen Serien nicht konsequent folgen oder Oneshots/kompletten Story-Arcs den Vorzug geben, sehr empfehlenswert.

Copyright © 2015 by Irene Salzmann (IS)

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