Süßes Gift 2: Auf deinen Lippen

Mieko Koide
Süßes Gift 2: Auf deinen Lippen

Kuchibiru ni amai doku, Japan, 2005
EMA, Köln, 12/2008
TB, Manga, Boys Love, 978-3-7704-6992-5, 220/650
Aus dem Japanischen von Monika Hammond

www.manganet.de
http://www02.so-net.ne.jp/~pretty-c/

Yu Waku und Jin Tatewaki bilden zusammen das erfolgreiche Pop-Duo Cross. Während Yu das Leben genießt und einen Lover nach dem anderen vernascht, gibt sich Jin ernsthaft und lässt niemanden hinter seine unterkühlte Fassade blicken. Zu gern würde Yu mehr als nur ein Freund und Kollege sein, doch Jin lässt ihn jedes Mal abblitzen mit der Begründung, dass er nur an einer ernsthaften Beziehung interessiert und seine Definition von ‚ernsthaft’ nicht mit der von Yu identisch ist.

In Wirklichkeit jedoch sehnt sich Jin nach seinem Partner und will kein One-Night-Stand sein. Außerdem macht es ihm Spaß, das Spiel mit den Schmetterlingen im Bauch noch ein wenig auszukosten. Allerdings scheinen die nächsten Ereignisse immer wieder Anlass für Zweifel zu geben, ob Yus Liebe tatsächlich so stark und aufrichtig ist, wie dieser behauptet.

Als Tsutsumi, der ursprünglich als Jins Gesangspartner vorgesehen war, in seiner Eifersucht Yu einredet, dass Jin damals andere Pläne gehabt und nur gezwungenermaßen den neuen Kollegen akzeptiert hätte, gerät Yu ins Grübeln.
Nicht viel anders läuft es, als der Magier J. Love und seine Puppe Jean zusammen mit Cross auftreten sollen und sich Jack als alter Bekannter von Jin zu erkennen gibt. Sogleich sind Jack und Yu Rivalen – aber wenn Jin Jacks Gefühle erwidert, ist es dann richtig, seinem Glück im Weg zu stehen?
Yu will beiseite treten, und Jin wundert sich, wie leicht Yu immer wieder über jeden Kummer hinweg kommt, statt für seine Liebe zu kämpfen…

„Auf deinen Lippen“ ist die Fortsetzung von „Liebesmedizin“ aus der (vorläufig?) zweiteiligen Serie „Süßes Gift“. Man muss den ersten Band jedoch nicht gelesen haben, um den Geschehnissen folgen zu können, denn beide Teile sind in sich abgeschlossen. „Liebesmedizin“ thematisiert die Beziehung eines Lehrers und eines Angestellten, von denen einer ein großer Cross-Fan ist, der dann aber davon absieht, aus der Schwärmerei mehr werden zu lassen, trotzdem Yu Interesse signalisiert. Das Pop-Duo nimmt eher eine Nebenrolle ein, und die Mangaka stellt die Weichen für „Auf deinen Lippen“, um sich hier der Geschichte von Yu und Jin zu widmen.

Obwohl das Show-Biz als Setting gewählt wurde, bekommt man wenig davon zu sehen, denn die Ereignisse spielen sich vor allem hinter den Kulissen ab. Das Paar hätte durchaus auch in einem anderen Umfeld agieren können, doch erleichtert dieser Hintergrund die Interaktion mit einflussreichen Personen, die die Beziehung der jungen Sänger heftig durcheinander wirbeln.

Die komplizierte Freundschaft von Jin und Yu wird ganz in den Mittelpunkt gestellt. Als Leser weiß man mehr als die Protagonisten, die zu wenig miteinander reden und sich ihre Probleme größtenteils selber schaffen. Es gelingt Mieko Koide, die beiden als sehr unterschiedliche Charaktere darzustellen und ihre Handlungsweisen glaubwürdig erscheinen zu lassen. Yu wirkt zunächst sehr oberflächlich, doch beweist er immer wieder, dass er die Situationen reflektiert, trotz seiner Naivität ein schneller Denker ist und für ihn Liebe auch bedeutet, dem anderen sein Glück zu gönnen, selbst wenn er dieses bei einem dritten gefunden hat. Der ernste Jin wiederum will es Yu nicht zu leicht machen und treibt das Spiel fast schon über die Grenzen hinaus. Möchte man wissen, ob dennoch ein Happy End möglich ist, muss man den Band schon selber lesen.

Der Stil der Illustrationen ist Geschmackssache. Die Figuren haben spitze Gesichter, die mit wenigen Strichen gezeichnet sind, sie sind groß und langgliedrig. Damit man Yu und Jin besser unterscheiden kann, wurde Yus vormals helles Haar dunkel gefärbt.

„Süßes Gift“ zählt zu den BL-Mangas, die vor allem das Hin und Her in einer Freundschaft beschreiben, die sich in der Umbruchphase zur Liebe befindet. Das Paar muss sich mit den üblichen Missverständnissen, Zweifeln, Rivalen und anderen Hindernissen plagen, die der Beziehung ein jähes Ende bereiten könnten. Für explizite Szenen ist kein Platz vorgesehen, und etwas anderes als Umarmungen und Küsse hätte in der romantischen Geschichte nur gestört.
Von daher darf man „Süßes Gift“ Leserinnen ab 14 Jahren empfehlen und all jenen, die mehr Wert auf Gefühle und Verwicklungen als auf Erotik legen. (IS)

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Süßes Gift 02 … auf deinen Lippen

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