The Goon – Krudes Zeug

Krudes Zeug
The Goon

OT: The Goon: Rough Stuff
Text & Zeichnungen: Eric Powell
Farben: Dave Stewart
Ü: Frank Neubauer
Lettering: Dirk Lenz / Amigo Grafik
Ausstattung: 100 Seiten, HC, A5-Format
ISBN: 978-3-936480-94-8
Verlag: Cross Cult, 2008

Die Mafia hat Konkurrenz bekommen. Der Zombie-Priester und seine untoten, monströsen Gefolgsleute versuchen, mehr als nur einen Fuß in die Tür des organisierten Verbrechens zu bekommen.

Würde nicht „The Goon“ – offiziell im Dienste des Paten Labrazio – Zombie & Co immer wieder zeigen, was Fäuste und Kettensäge verwesendem Fleisch antun können, hätten die Untoten schon mehr Straßenzüge unter ihre Kontrolle gebracht. Folgerichtig steht Goon ganz oben auf der Abschussliste der modernden Geschöpfe.

Doch egal, was der Priester auch versucht – ein hohes Kopfgeld, das nicht nur Werwölfe gierig die Zähne fletschen lässt, die Bestechung von Polizisten, eine Zusammenarbeit mit dem FBI, dem Rekrutieren skurriler Personen wie „Joey, der Kugel“ oder „Fishy Pete“ –, der Goon und sein bohnenköpfiger Kumpel Franky sind nicht nur nicht tot zu kriegen, sie werden auch echt sauer, wenn man ihnen ans Bein pissen will.

Wie schreibt Eric Powell in seinem Vorwort zu „Rough Stuff“: „Wenn Ihr nach der feingeschliffenen, kultivierten Arbeit eines Künstlers auf dem Höhepunkt seines Könnens sucht, oder der ruhigen, fesselnden Erzählkunst eines arrivierten Autoren, seid ihr an der falschen Adresse.“

Recht hat er! „Krudes Zeug“ (ent)hält genau das, was der Titel verspricht: krudes Zeug! .. und davon eine ganze Menge. Eine humanistische oder pazifistische Botschaft sucht man vergebens; stattdessen gibt es ordentlich eins auf die politisch korrekte Fresse, wobei die Gewalt durch die slapstickhafte Inszenierung, sarkastische, ironische – und manchmal auch zynische – Kommentare   und grandios komische Typen auf eine irreale, toonhafte Ebene gehoben wird. Pädagogen und zur Gewaltforschung Berufene werden monieren, dass eine Verknüpfung von Komik und Brutalität, wie sie im Zeichentrickfilm seit Jahrzehnten gang und gäbe ist, die Gefahr der Verharmlosung der Gewalt durch den Rezipienten birgt. Scheiß drauf! … zumal Goons Antagonisten auf Grund ihrer zombiehaften Natur weniger blutarm denn schleimvoll zerlegt werden.

Der  der Toon-Charakter der Serie manifestiert sich ebenfalls auf der zeichnerischen Ebene – besonders deutlich in Franky, Goons Sidekick.

Während sich Powell in der Regel um eine realitätsnahe Darstellung der Bildelemente bemüht, erscheint Frankys Gesicht grafisch sehr reduziert: ein bohnenförmiger, ovaler, visuell flächiger Schädel thront auf einem schmächtigen Körper; ein überbreiter Mund und  Augen, die nichts anderes als zwei weiße Ovale sind, verleihen Franky ein Erscheinungsbild, mit dem er in vielen typischen Funny-Comics seinen Platz fände.

Dementsprechend ist Goons Kumpel das grafische Element, das den gewaltaffinen, vor Vorfreude auf  abgehackte Extremitäten und zerplatzende Körper sabbernden, jedoch unvorbereiteten Leser schon auf der ersten Seite so tief verstört, dass er bis zum Ende des Tradepaperbacks kaum den Weg zurück in die Sphäre „realer“  (bzw. realistisch dargestellter) Gewalt finden wird.

Der redaktionelle Teil des hervorragend edierten Sammelbandes enthält neben einem zweiseitigen Interview des Künstlers einen informativen – weil kommentierten – Einblick in das Sketchbook Powells, in welchem die grafische Entwicklung des Goon vom ogerhaften Mr. Hyde-Monster zum Mafiosi mit Schlägermütze nachvollzogen wird.

Ein grotesker, makaberer, gewalttätiger, slapstickhafter, respektloser Brachial-Humor, der zwar nicht immer zündet, der aber „The Goon“ dennoch zu einem unverdorbenen, aufrichtigen Lese-Spaß für Mama und Papa macht. (Frank Drehmel)

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The Goon, Bd.1 : Grobes Zeug

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