Ultimate Universe

Bei Amazon.deJeph Loeb, Aron E. Coleite, Joe Pokaski
Ultimate Universe
(sfbentry)

Der Prolog zu Ultimatum
Paperback, Panini 2009, 140 Seiten
Autoren: Jeph Loeb, Aron E. Coleite, Joe Pokaski
Titelillustration: Brandon Peterson
Zeichnungen: Dan Panosian & Mark Brooks, Brandon Peterson & Eric Nguyen, Marko Djurdjevic, Rafael Sandoval, Ed McGuinness, Danny Miki u.a.
Aus dem Amerikanischen: Reinhard Schweizer
Enthält Ultimate X-Men/Ultimate Fantastic Four Annual 1 Ultimate Fantastic Four/ Ultimate X-MenAnnual 1 Ultimate Captain America Annual 1 Ultimate Hulk Annual 1

Bei Superheldencomics ist es heutzutage an der Norm, dass sich ganze Reihen und Universen neu erfinden, um neue Fans zu rekrutieren, neue Gedankengänge zu verfolgen und neue Ideen auszuprobieren. Das gilt nun auch für Marvels Ultimate Universe, dass mit dem Band „Ultimatum“ umgekrempelt werden soll. „Ultimate Universe“ ist dabei der Prolog zu eben jenem „Ultimatum“ und kann als dicker Appetitanreger angesehen werden – es gibt Ausblicke, aber keine echten Einblicke. Dazu wurden die entsprechenden US-Ausgaben in diesem Paperback zusammengefasst und zirka die Hälfte des Comicbandes behandeln eben jenen Prolog.

Im Kern dreht es sich darum, dass in der Zukunft etwas vollkommen schief ging und die X-Men in die Vergangenheit reisen, um die Ursache aus dem Weg zu räumen: Reed von den Fantastic Four. Das wollen die Superhelden der Gegenwart verhindern und schlussendlich landen alle wieder in der Zukunft, wo es in einem kosmischen Superheldengefängnis zum finalen Gefecht kommt …

Die Idee einer Vorgeschichte an sich ist gut, aber bei der Ausführung hapert es ein wenig. So mangelt es in „Ultimate Universe“ vor allem an innerer Logik. Die Superhelden der Gegenwart hinterfragen kaum das Geschehene, ignorieren die Anspielungen auf das Ereignis „Ultimatum“ und schnetzeln sich fleißig durch das Marvel-Universum. Nun gut, die Leserschaft soll ja auch neugierig auf die Dinge gemacht werden, die da kommen. Da können superintelligente Helden auch mal superdoof sein. Das sei dahingestellt und der Dramatik geschuldet. Ärgerlich ist aber auch die scheinbare Dummheit der Autoren und Zeichner. Man sollte meinen, ein Künstler kennt sein Werk oder ein Comickünstler würde wenigstens versuchen, dass seine Geschichte nachvollziehbar bleibt. Aber nein, hier verlieren Autoren und Zeichner den Überblick.

So zeigen Panels fast leere Räume, dann birst das Zimmer beinahe durch den Andrang, der aus unbekannten Ecken hervorstürmt. Viele Helden im Comic scheinen einfach omnipräsent. Ärgerlich.Das gilt auch für den Stil der Zeichner, denn der ist von Abschnitt zu Abschnitt unterschiedlich – und zwar sehr unterschiedlich. Das gilt auch für die Farben. So präsentieren sich dem Leser mehr klassische Comiczeichnungen und gedeckte Farben, da wechselt die Geschichte zu runden Linien, weichen Kanten und helle Farben, um im nächsten Abschnitt mit scharfen Umrissen, ernsthaften Skizzen und düsteren Kolorierungen aufzuwarten. Lägen zwischen den einzelnen Abschnitten der Geschichte einige Tage, würde das weniger auffallen. Aber im Paperback werden die einzelnen Comics zusammengefasst und da fällt so etwas – leider – auf. Für den in sich abgeschlossenen Prolog wäre das Comic mit einem einheitlichen Stil besser bedient.

Obwohl dieser Prolog namensgebend für das Paperback ist, umfasst er nur knapp die Hälfte der Ausgabe. Den Rest des Comics teilen sich zwei weitere Geschichten. Da wäre die etwas größere Erzählung, in der es sich um die Herkunft des Black Panthers dreht. Zuerst gibt es eine Einstiegsgeschichte, die mit starken, beinahe fotorealistischen Zeichnungen daherkommt und mit düsteren, schattigen Panels auftrumpft. Stark. Die Beziehung zu Black Panther wird durch eine zweite Geschichte vertieft, in der auch Captain America mitspielt. Obwohl ein anderer Zeichenstil – trotzdem ernsthaft und gedeckt – ist die Story ebenfalls ein Knaller und macht Laune.

Den Abschluss bildet eine Geschichte über den ultimativen Hulk. Na ja, der Hulk eben. Die Sache ist ganz witzig und wartet schlussendlich mit einem Gag auf. Aber das war es auch schon. Bilder in denen was zerhauen wird, nur um der Zerstörung wegen, werden irgendwann langweilig. Zerstörung wird in Marvelcomics eh inflationär eingesetzt.

Unter dem Strich bleibt ein halbgares Comic. „Ultimate Universe“ weiß zu unterhalten, bietet aber keine echten Höhepunkte. Dafür sind die enthaltenen Bände zu schlecht strukturiert und weisen kein echtes Konzept auf. Für Fans sicherlich eine nette Sache, alle anderen sollten lieber sofort zu „Ultimatum“ greifen. Der Prolog ist keinesfalls zwingend notwendig.

Copyright © 2009 by Günther Lietz

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