Wanted

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OT: Wanted #1 – 6, Wanted: Dossier
Autor: Mark Millar
Zeichnungen: J. G. Jones
Farben: Bongotones Paul Mounts
Ü: Bernd Kronsbein
Lettering: Barbara Stavel
Ausstattung: SC mit Faltcover, 196 Seiten
ISBN: 978-3-86607-887-1
Verlag: Panini Comics, 2009

Wesley Gibson ist ein Loser vor dem Herrn: er hat einen Arbeitsplatz, den er nicht mag, Kollegen, die er fürchtet, eine Freundin, die ihn betrügt, und – als wäre all das nicht schon schlimm genug – ist er Mitglied bei den „Friends of the Earth“, Greenpeace-Aktivist und Vegetarier.

Sein Spießer-Leben endet abrupt, als ihn in seinem Stamm-Restaurant eine junge Frau in rattenscharfer Kleidung anspricht, ihn einlädt, sie zu einem Geschäftstermin zu begleiten, und dann, um ihrem Wunsch Nachdruck zu verleihen, sämtliche Gäste erschießt.

Kurz darauf erfährt Wesley von Fox – so der Name der Frau – und einem durchgeknallten Professor, was die Welt in ihrem Innern zusammenhält. Es sind die Superschurken! Sie haben die  Erde zu ihrem Spielplatz erkoren, ziehen im Hintergrund die Fäden, nachdem sie sich zur „Bruderschaft“ zusammenschlossen, sämtliche Superhelden ausgeschaltet und sich selbst aus der kollektiven Erinnerung der Menschheit gelöscht haben. Und Wesleys Vater war einer der gefürchtetsten Schurken; unter dem Kampfnamen „Killer“ zeichnete er nicht nur für zahllose Morde verantwortlich, sondern konnte auch ein beträchtliches Vermögen anhäufen, das nun, da Killer selbst gekillt wurde, dem Sohnemann gehört, sollte dieser sich würdig erweisen.

In der Tat scheint der Junge die Waffenfertigkeiten seines Alten geerbt zu haben, allerdings lassen sein Blutdurst und seine körperliche Härte zu wünschen übrig. An dieser Stelle kommt wieder Fox ins Spiel, die den faszinierten Jungen unter ihre Fittiche nimmt und ihn ein knallhartes Killer-Trainingsprogramm durchlaufen lässt, das nicht nur das Erschießen willkürlich gewählter Passanten beinhaltet, sondern auch ein körperliches Martyrium.

Wesley stellt schlussendlich sein Cojones unter Beweis und wird in die Bruderschaft aufgenommen, nur um festzustellen, dass hinter den Kulissen nicht alles eitel Sonnenschein ist. Zwei Fraktionen innerhalb der Organisatuion streiten um den zukünftigen Weg. Auf der einen Seiten stehen die eher moderaten Mörder um Professor Solomon Seltzer, die weiterhin im Hintergrund operieren möchten, auf der anderen die Anhänger Mister Rictus‘, deren oberstes Ziel es ist, die Menschen zum Zittern zu bringen. Das Schöne ist, dass über den Weg innerhalb eines „Konzils der Fünf“ demokratisch entschieden wird, das Unschöne ist, dass sich Rictus und seine Gefolgsleute nicht an das Votum halten und dass daher in den folgenden Tagen ein fröhliches gegenseitiges Niedermetzeln beginnt, in dessen Zentrum auch der neue Killer und Fox stehen.

Was auf den ersten Blick eine originelle Story verheißt – die Herrschaft von Superschurken -, erweist sich schnell als langweiliger Schuss in den Ofen, als stupide Gewaltphantasie für Leute, die auf dem Schulhof immer nur Prügel eingesteckt haben und denen angesichts der Metamorphose eines Loser in ein Arschloch die Tränchen aus den sensiblen Äuglein kullern.

Gerade dadurch, dass sich die Verbrecher in Millars in den Sand gesetzter Story im Zweifel lieber mit sich selbst beschäftigen, als tatsächlich mit normalen Menschen zu interagieren oder Politik und Gesellschaft zu gestalten, verkommt die Geschichte zu einer spannungs-, humor- und visionsfreien Riesenklopperei kostümierter, uncooler Egomanen.

Das Artwork selbst ist alles in allem „nett“: die dynamische Bild- und Seitengestaltung vermitteln einen cineastischen Eindruck, wobei der hohe Realismus, der Detailreichtum sowie die lebendig gezeichneten Figuren den Leser gleichsam an der visuellen Hand durch die Geschichte führen und ein Runterfahren des Hirns auf Notversorgung ermöglichen.

Das Positivste an diesem Tradepaperback ist das umfangreiche Zusatzmaterial. Steckbriefe von ausgewählten Protagonisten, eine umfangreiche Cover-Galerie, Konzeptzeichnungen sowie „gelöschte“ oder überarbeitete Szenen lassen zwar das Herz des Fans höher schlagen, reißen die öde Story aber letztlich nicht raus.

Eine auf den ersten Blick originelle Grundidee, die allerdings nicht konsequent genug durchdekliniert wird, um auch nur ansatzweise frisch und fesselnd zu wirken. Für anspruchslose Action- und Gewaltfetischisten dennoch empfehlenswert.

(Frank Drehmel)

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