Welt des Schreckens

Edgar Allan Poe
Welt des Schreckens

Edgar Allan Poe’s Haunt of Horror, Marvel, USA, 2006
Panini Comics, Stuttgart, 1/2009
HC, Graphic Novel im Comicformat auf Kunstdruckpapier in Schwarz/Weiß/Rot, Horror, 978-3-86607-806-2, 112/1995
Aus dem Amerikanischen von Michael Strittmatter (Comic, ergänzende Übersetzung)
Übersetzung der Originaltexte von Hans Wollschläger & Arno Schmidt für Insel Verlag, Frankfurt und Leipzig
Titelillustration von Richard Corben
Zeichnungen im Innenteil von Richard Corben & Rich Margopoulos

www.paninicomics.de
http://www.eapoe.org/index.htm
www.corbenstudios.com

Der Amerikaner Edgar Allan Poe (1809-1849) hat wie kein anderer gleich drei Genres der Unterhaltungsliteratur geprägt und richtungsweisende Werke geschrieben, obwohl er gerade einmal vierzig Jahre alt wurde, bis er unter geheimnisvollen Umständen starb.

Werke wie „Der Doppelmord in der Rue Morgue“ und „Der Untergang des Hauses Usher“ oder „Die Abenteuer Gordon Pyms“ sollten in den kommenden Jahren und Jahrzehnten andere bedeutende Autoren wie Arthur Conan Doyle, Jules Verne und H. G. Welles beeinflussen.

Selbst geprägt wurde Poe von den Werken der frühen Schauerromantik, wie sie aus der Feder Lord Byrons oder E. T. A. Hoffmanns stammten. Er ging allerdings noch einen Schritt weiter und fügte der Melancholie des Schreckens eine Dimension hinzu – den Wahnsinn und die stark veränderte Wahrnehmung eines davon betroffenen Menschen. Mehr als einmal spielt er mit Symbolen und Beschreibungen, die vermuten lassen, dass ihm manches davon selbst nicht fremd war.

Zum zweihundertsten Todestag, der im Jahr 2009 begangen wird, gibt Panini nun einen Sammelband mit zwei Geschichten und einigen Gedichten heraus, die von zwei selbst zur Legende gewordenen Größen der amerikanischen Comic-Szene umgesetzt wurden: „Edgar Allen Poes Welt des Schreckens“.

Seit den 1970er Jahren ist Richard Corben nicht nur als Künstler von Fantasy- und Horror-Comics sondern auch als einer der großen Künstler der Underground-Szene bekannt, der auf derbe, etwas vulgäre Weise den amerikanischen Alltag ohne jede Beschönigung unter die Lupe und damit manch einen Auswuchs der gesellschaftlichen Doppelmoral gekonnt auf die Schippe nahm.

Rick Margopoulos hat als Autor für die bekannten Horror-Comic-Magazine gearbeitet und später auch für Superhelden, ist aber der düsteren Szene immer treu geblieben. Er hat die Gedichte und Geschichten in eine ansprechende moderne Form gebracht.

Umgesetzt wurden unter anderem so bekannte Werke wie „Der Rabe“ und „Das verräterische Herz“, aber auch weniger bekannte wie „Der Sieger Wurm, „Eulalie“ oder gar „Der See“. Dabei spielen nicht einmal alle Geschichten im 19. Jahrhundert; teilweise sind sie auch kurzerhand in die Moderne versetzt wurden, wie etwa „Israfel“, in dem ein afroamerikanischer Drogenboss und Medienstar in die Rolle des gefallenen Engels schlüpft. „Die Geister der Toten“ sind gefallene Yankee-Soldaten des amerikanischen Bürgerkriegs und erwachen aus ihrem Schlaf, als Mitglieder des Klu-Klux-Klans einen Schwarzen lynchen wollen, um das Unrecht zu verhindern.

Richard Corben setzt die düsteren und morbiden, teilweise vom Wahnsinn dominierten Geschichten des Autors in die entsprechenden Zeichnungen um. Sein derber Stil, der keine schönen Menschen zeigt, fängt das Grauen sehr gut ein, auch der Irrsinn ihrer Handlungen spiegelt sich in den Gesichtern, Augen und Gesten der Protagonisten wieder.

Dabei nimmt er kein Blatt vor dem Mund, wird brutal und stellenweise auch eklig, vor allen in Berenice, in der ein Zahnarzt Meisterwerke vollbringt – auf Kosten seiner Patientin. Die Erzählungen sind allesamt nicht sonderlich bequem und sehr horrorlastig, auch wenn die Urtexte selbst eher der romantischen Schauerliteratur zuzuordnen sind.

Damit man – wenn man möchte – die Wirkung der Comics mit denen der Originaltexte vergleichen kann, sind diese den gezeichneten Geschichten übrigens nachgestellt.

„Edgar Allan Poes Welt des Schreckens“ ist keine angenehme Comic-Anthologie, sondern wühlt durch die schonungslose und offene Darstellung des Grauens auf, die nicht immer vor dem guten Geschmack halt macht.

Da sich die Stimmung der Texte manchmal stark durch die bildliche Darstellung verändern, ist das Buch sicherlich nicht für alle Poe-Fans interessant, vor allem nicht für die, die sich Grausamkeit anders vorstellen.

Das Buch ist auf der anderen Seite aber auch für die Horror-Fans interessant, die gerne einmal über den Tellerrand schauen und auch eine andere und vor allem viel moderne Interpretation der klassischen Poe-Texte kennen lernen wollen. (CS)

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Edgar Allan Poe. Welt des Schreckens

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