Wo sich die Winde kreuzen

Bei Buch24.deWo sich die Winde kreuzen
(sfbentry)

Serie: Kind des Blitzes, Band 2
OT: L’enfant de l’orage: La croisée des vents
Text: Manuel Bichebois
Artwork: Didier Poli
Ü: Resel Rebiersch
Lettering: Delia Wüllner-Schulz
Ausstattung: HC, Albumformat, 48 Seiten
ISBN: 978-3-940864-26-0
Verlag: Splitter Verlag, 2008

Die Verfolger unter Führung Minister Älgards, dessen Aufmerksamkeit Laith durch eine unbeabsichtigte Demonstration seiner besonderen Fähigkeiten erweckte, haben das Dorf des Jungen erreicht. Bevor sie seiner habhaft werden können, flieht Laith jedoch in die Nacht und kehrt erst zurück, als er keinen Jäger mehr auf seiner Spur weiß. Als er seinen Stamm erreicht, muss er voller Entsetzen feststellen, dass seine Zieheltern ermordet und die Kinder des Dorfes verschleppt worden sind. Während der verstörte Junge zusammen mit seinem kleinen Haustier den Gefangenen folgt, um sie zu retten, ist man andernorts nicht untätig.

Zunächst trifft der ruchlose Magister, dem Laith und sein Vater zuvor in der Hauptstadt  begegneten und der ebenfalls die Kräfte des Jungen für sich nutzen will, sowie dessen Assistent den Ort des Massakers an den Dörflern ein und schicken daraufhin dem Flüchtigen ein bizarres, künstliches Wesen hinterher. Etwas später erfährt der Herrscher Medillums, König Bronthe, durch eben dieses Wesen von den Verbrechen Älgards und bricht seinerseits auf, um den Mörder zur Rechenschaft zu ziehen. Als der König und seine Gefolgtschaft den Tross des Verbrechers und seiner Gefangenen mit ihrem Luftschiff abfangen, ist Laith zur Stelle, befreit seine Freunde und flieht mit ihnen in dem königlichen Gefährt.

Dadurch allerdings kommen die Kinder vom Regen in die Traufe, denn erstens sind sie in der Navigation unerfahren und zweitens geraten sie in eine Gewitterfront, in welcher Laith als Kind des Blitzes seine vernichtenden Kräfte nicht länger zurückhalten kann.

Band 2 der Alben-Trilogie knüpft zwar unmittelbar an die Handlung des ersten Teils, „Blutsteine“, an, verliert aber schon nach kurzer Zeit seine Richtung.

Das weitgehende Ignorieren plausibler zeitlicher und räumlicher Verknüpfungen bzw. einer inneren Logik in Gestalt unerklärliche Handlungssprünge lässt den Leser immer wieder ratlos vor und zurückblättern. Anstatt Laiths Geschichte stringent fortzuschreiben und sich der Lösung zentraler Fragen behutsam zu nähern, zerfällt die Story so sehr in unterschiedliche Handlungsstränge, dass es fraglich ist, ob Bichebois im abschließenden Band befriedigende und – vor allem – spannende  Antworten präsentieren kann.

Die größte Schwäche des Albums ist jedoch nicht der erzählerische Flickenteppich, es ist der Mangel an originellen Handlungsideen, das storyseitige Fehlen eines Senses of Wonder sowie die unterm Strich schwachen, blutleeren, in ihren Emotionen vollkommen unglaubwürdigen  Figuren, die  „Wo sich die Winde kreuzen“ bieder, brav und langweilig wirkt lassen.

Originalität erwächst wie schon im ersten Album alleine aus dem Artwork Didier Polis, dem es gelingt, einer scheintoten Handlung durch dynamisch inszenierte Bilder, leicht karikaturhaft überbetonte, freundliche Figuren sowie zahlreiche kleine Details zumindest visuell Leben einzuhauchen. Die Dominanz des Artworks wird auch durch das Verhältnis von Text zu Zeichnung unterstrichen: ganze Seiten kommen fast ohne oder mit nur sehr übersichtlich angeordneten Sprechblasen bzw. Narrative Boxes aus.

Etwas mutlos kommt in Band 2 die gedeckte, erdige Koloration daher. Nicht, dass sie nicht atmosphärisch stimmig wäre, aber es fehlen insgesamt farbliche Höhepunkte, Kontraste und Eye-Catcher.

Das dekorative, lebendige Artwork vermag bedauerlicherweise nicht, die unoriginelle, langweilige und wenig stringente Geschichte zu retten.

(Frank Drehmel)

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