Libellenfeuer

Juna Brock und Stefanie Herbst
Libellenfeuer

dead soft Verlag, Mettingen, 11/2011
PB, Gay Romance, Erotik, Drama
ISBN 978-3-934442-82-5
Titelgestaltung von Monika Hanke unter Verwendung der Motive:
Gay Couple © wtamas – fotolia.com
Libelle: © Dagmar Eisermann
Giraffe: © Stephi – fotolia.com

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Robin Waterman ist 23, doch er hat sein Leben bereits gründlich in den Sand gefahren, wie er selbst einsieht: keine ordentliche Schulbildung, jahrelang mit Straßengangs herum gegammelt, eineinhalb Jahre wegen Brandstiftung im Gefängnis gesessen. Er ist frisch entlassen, sein enthusiastischer Bewährungshelfer will ihn als Hilfskraft im ‚Dragonfly‘ unterbringen, einem der angesagtesten Luxusrestaurants in London. Dessen Besitzer ist ein unangenehmer Mensch, der Ex-Sträflinge nur aufnimmt, um als Wohltäter in der Presse gefeiert zu werden. Robin ahnt wenig Gutes, als Mr Kingston ihn behandelt wie einen schmutzigen Wischmob. Das soll eines von Robins wichtigsten Arbeitsgerätschaften werden; er ist als Putzkraft, Hausmeister und Mädchen für alle Schmutzarbeiten angestellt.

Schnell muss er feststellen, dass Mr Kingstons Sohn Oliver noch viel lästiger ist. In jeder Zigarettenpause wird er von dem Neunzehnjährigen regelrecht gestalkt und mit Fragen überschüttet. Oliver ist eine Quasselstrippe, der dem schweigsamen Robin entsetzlich auf die Nerven geht. Er ist überzeugt, dass dieser verwöhnte Bengel, der mit einem ganzen Set goldener Löffel im Mund geboren wurde, ihn bloß als Sensation betrachtet, als einen gruseligen Ex-Knacki. Erst nach und nach wird Robin klar, dass Oliver ein sensibles, einfühlsames Wesen besitzt und wie sehr der Junge unter dem despotischen Vater leidet. Oliver soll in die Fußstapfen seines alten Herrn treten, dabei will er viel lieber Kunst studieren. Er besitzt echtes Talent, und nicht bloß für Kunst …

Zu seinem eigenen Entsetzen spürt Robin, wie er von Oliver angezogen wird, obwohl er sich für strikt heterosexuell hält. Er wehrt sich dagegen, sogar mit Gewalt, doch auch das kann Oliver nicht schrecken. Langsam nähern sie sich an. Aber da gibt es ungelöste Probleme in der Vergangenheit beider junger Männer, die ihre zarte Liebe schon bald zu zerstören drohen …

Das Buch ist abwechselnd aus Robins und Olivers Sicht beschrieben. Vermutlich haben sich die beiden Autorinnen dabei tatsächlich abgewechselt, denn Sprache und Stil unterscheiden sich jeweils stark voneinander. Das ist ein großer Gewinn für den Roman, da jede einen guten Stil besitzt und man so das Gefühl hat, wirklich vollkommen verschiedene Menschen kennen zu lernen. Robin ist ein misstrauischer Mann, der viel Negatives erfahren musste. Es fällt ihm schwer, sich für Oliver zu öffnen, zumal er sich lange dagegen wehrt, einen anderen Mann zu lieben. Es ist fast schmerzlich mit zu verfolgen, wie er sich immer wieder zurückzieht und schließlich sogar mit Oliver bricht, obwohl er ihn so sehr liebt. Oliver wurde kaum weniger verletzt, versteckt sich allerdings hinter der Fassade des oberflächlichen, reichen Jungen. Eine interessante Nebenfigur ist der Bewährungshelfer Johnson, der Robin stets unterstützt, auf eine etwas ruppige Art, die es dem scheuen Mann leichter macht, diese Hilfe auch anzunehmen.

In der Mitte zieht sich die Geschichte ein wenig, die Handlung plätschert dahin. Das ist weniger spannend, allerdings wichtig, da sich hier einige entscheidende Entwicklungen vollziehen. Weniger überzeugend ist die alte Gang, der Robin die Treue hält. Ihre Mitglieder kommen recht weichgespült und liebenswert daher. Da sie kaum Anteil an der Geschichte nehmen, stören sie nicht weiter. Wirklich schön ist bei diesem Roman, dass keine heile Welten beschworen werden und Liebe nicht das Allheilmittel für alle Probleme bedeutet, sondern teilweise erst die Probleme verursacht. Auch Olivers Vater wird gut und überzeugend dargestellt.

Alles in allem eine berührende Gay-Liebesgeschichte, mit etwas rustikal beschriebenen Erotikszenen, die trotzdem niveauvoll herüberkommen.

Copyright © 2012 by Alexandra Balzer (alea)

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