Süßes Verlangen

Jodi Ellen Malpas
Süßes Verlangen
Lost in you 2
.
(sfbentry)
Beneath This Man, GB, 2012
Wilhelm Goldmann Verlag, München, dt. Erstausgabe: 02/2015
TB 48173, Erotik
ISBN 978-3-442-48173-6
Aus dem Englischen von Andrea Fischer
Titelgestaltung von UNO Werbeagentur, München unter Verwendung
eines Motivs von Michael Haegele/Corbis; Finepic, München
.
www.goldmann-verlag.de
www.jodiellenmalpas.co.uk

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Nach „Verlockendes Geheimnis“ ist „Süßes Verlangen“ der zweite Band der „Lost in you“-Trilogie, die von „Gefährliches Bekenntnis“ beendet wird. Die Fortsetzung knüpft, obwohl jeder Teil in sich abgeschlossen ist, nahtlos an die Geschehnisse davor an, und um zu wissen, was eigentlich los ist, sollte man alle Bücher in der richtigen Reihenfolge lesen, denn die wesentlichen Details sind spärlich gesät und gehen unter in … Nun, schauen wir mal.

Ava O’Shea, 26, gefragte Londoner Innenarchitektin, hat ihren Lover Jesse Ward, 37, Besitzer eines renommierten Sex-Clubs, verlassen, nachdem sie in Erfahrung gebracht hatte, was ‚The Manor‘, der Herrensitz, den sie einrichten sollte, in Wirklichkeit ist. Ihr Vorwurf, dass er nicht ehrlich zu ihr war, und ihr Wunsch, ihn nie wieder zu sehen, sorgen dafür, dass er seinen Kummer und seine Wut in Alkohol ertränkt, ausfallend wird und damit jegliche Chance auf eine Versöhnung verwirkt. Allerdings halten seine Freunde weiterhin zu ihm und bewegen Ava, die Jesse trotz allem, was er ihr antat, schmerzlich vermisst, sie ins Penthaus des ‚Lusso‘, einem exklusiven Wohnhaus, das ebenfalls von ihr eingerichtet wurde und dessen Luxus-Apartment Jesse gekauft hatte, zu bringen, damit sie nach dem Rechten sehen können, denn Jesse hat sich seit Tagen nicht mehr gemeldet, und sie befürchten das Schlimmste.

Tatsächlich finden sie Jesse nackt und bewusstlos – im Suff – mit verletzter Hand auf dem Balkon. Sofort packt Ava das Mitleid mit dem schönen Mann, und entgegen ihrer Absicht bleibt sie bei ihm, um ihn zu umsorgen. Sie vorzufinden, bessert Jesses Zustand schnell. Er bereut die Fehler, die er begangen hat, und bittet sie, ihm eine zweite Chance zu geben, da Derartiges, so sein Versprechen, nie wieder vorkommen würde. Prompt lässt sich Ava erneut von ihm einwickeln, und sein anstrengendes Spiel des Beschützens, Verwöhnens, Dominierens und Kontrollierens geht in die zweite Runde. Am liebsten würde er sie keine Sekunde aus den Augen lassen aus Angst, sie zu verlieren. Nach wie vor will er nicht über Dinge reden, die Ava von keinem anderen erfahren möchte, wie beispielsweise seine Vergangenheit oder harmlose Lappalien wie sein wahres Alter. Außerdem sabotiert er sie beruflich aufgrund seiner extremen Eifersucht auf jeden vermeintlichen Rivalen. Sobald Ava aufmuckt, wird sie durch heißen Sex abgelenkt und gefügig gemacht.

Schließlich bittet Jesse Ava, seine Frau zu werden, schießt jedoch kurz darauf durch seinen Kontrollzwang und seine Geheimniskrämerei einmal mehr über das Ziel hinaus, sodass sich Ava, wieder konfrontiert mit hässlichen Wahrheiten über sein Sex-Leben – sogar nachdem sie eine Beziehung begonnen hatten -, zu drastischen Maßnahmen entschließt …

Kennt man den ersten Band, bemerkt man keinerlei Fortentwicklung in „Süßes Verlangen“. Die Geschichte geht einfach weiter, ohne Bruch, ohne neuen Twist, ohne frische Charaktere, die für Abwechslung sorgen könnten, und selbst jener Kunde von Ava, der sie als Mittel für seine Rache an Jesse missbrauchen könnte, hat keine nennenswerten Anteile am Geschehen. Ava und Jesse bleiben unangefochten die Hauptfiguren im Mittelpunkt aller Ereignisse, umringt von wenigen Statisten. Ihre auf extensiven Sex beruhende Beziehung – die einzige ‚Handlung‘ des Buchs – ist wie gehabt, d. h., Sex, wo man Sex machen kann, aber immer nach demselben Muster, diesmal variiert bloß durch Handschellen, Vibratoren und Kondome. In der restlichen Zeit flöten sie einander zu, wie schön und begehrenswert sie einander finden, oder sie zanken, wobei vor allem Jesse sehr fies werden kann. Dabei nimmt er sich heraus, übel zu fluchen und vulgäre Worte zu benutzen (kein dirty talking!), was er Ava verbietet und für das er sie meist ‚bestraft‘.

Hatte man gedacht, Ava hätte etwas aus der hässlichen Eskalation am Ende von „Verlockendes Geheimnis“ gelernt, so sieht man sich alsbald getäuscht, denn der Sex schaltet weiterhin ihren Verstand aus, macht sie zu einer Marionette in Jesses Händen, der ihr ständig mit Zuckerbrot und Peitsche kommt, sich ernsten Konflikten entzieht, sofern sie nicht von ihm geschürt wurden, Ava auf jegliche Weise manipuliert, bedroht, bestraft, belohnt, sie ihres freien Willens zu berauben und sogar zu schwängern versucht (indem er ihr jedes Mal die neue Packung der ‚Pille‘ stiehlt und versteckt). Durchaus ist sich Ava eines Teils seiner Machenschaften bewusst, aber ihre Bemühungen, standhaft zu bleiben (bei der Sex-Ablenkung) und Antworten zu verlangen, werden einfach fortgev…..fegt. Und wehe, sie funktioniert dann trotzdem mal nicht so, wie von Jesse gefordert, dann ist der Teufel los, er wird wütend, gemein, greift zur Flasche und – oh, oh – zu anderen Frauen.

Schlimmer noch, er macht ihr Vorwürfe, sie sei Schuld, wenn er sich nicht im Griff hat (entschuldigt er sich damit, dass er als 21-jähriger Besitzer eines Bordells gar nicht anders konnte, als jede Offerte anzunehmen, dann ist das kaum anders, wie wenn jemand sagen würde, dass er zum Mörder werden musste, weil seine Wohnung ein Fenster mit Blick auf den Knast gegenüber hat), und sie sucht auch tatsächlich die Schuld bei sich.
Eine gesunde, romantische Beziehung sieht anders aus.

Man muss sich als Leser wirklich fragen, wie blöd und masochistisch Ava ist, dass sie immer wieder in die Hölle ihres goldenen Käfigs mit dem superschönen, supererotischen und vor allem superlabilen ‚Sex-Gott‘ (der wie ein kleines Kind wirkt, das einen Vogel gefangen hat und ihn zum Streicheln festhält, ihn dadurch aus Unwissenheit furchtbar quält) zurückkehrt, statt dass sie die erste sich ihr bietende Gelegenheit ergreift, um vor diesem Typen, der überhaupt nicht nett und empathisch ist, zu fliehen, bevor ihr noch mehr physischer und psychischer Schaden zugefügt wird. In Jodi Ellen Malpas‘ Welt sollte es eh genug 24/7-Hengste geben, sodass Ava nichts vermissen würde, aber da der „siebte Jesse-Himmel“ ein Traum der Autorin ist, die offenbar ihre Sehnsüchte durch ihre Hauptfigur auslebt … – keine Chance.

Wer nur eine Aneinanderreihung von deftigen Sex-Szenen lesen will (gelegentlich unterbrochen von Tussi-Smalltalk und Shopping-Touren in Etablissements, die selbst Porsche-Fahrer grübeln lassen, ob man für den Preis von ein paar Klamotten nicht lieber den zweiten Porsche kauft), dabei auf eine echte Handlung verzichten kann und nichts hinterfragt, kommt voll auf seine Kosten. Ansonsten, falls man einen Roman mit Inhalt bevorzugt und gelegentliche erotische Momente bloß als Garnierung einer spannenden Geschichte sieht, wird man mit dieser Trilogie nicht glücklich. Bitte, einen Splatter-Roman, um den armen Rezensenten zu resetten, bevor er angesichts von so viel ……………….. (selber Wort einsetzen) genervt in das Buch beißt!

Copyright © 2016 by Irene Salzmann (IS)

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