Triebspiel

Heike Duken
Triebspiel
Anais 33

Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin, 04/2013
TB, Erotik, Drama
ISBN 978-3-86265-236-5
Titelmotiv von Shkvarko/Shutterstock

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„Da unten tobte der Wahnsinn. Schuld war natürlich, wie sollte es anders sein, eine Frau. Und genau in diesem Moment des Wiedererkennens stellte Natascha einen Fuß auf Mischas Schuh. Durch das Leder des Schuhs spürte er nicht viel, nur das Gewicht des Fußes und die Absicht die dahintersteckte, aber das reichte schon.“

Als Mischa in der Notaufnahme die acht Jahre ältere Natascha und deren Freund Paul kennenlernt, ist dies der Auftakt zu einer aufreibenden und auch etwas seltsamen ménage à trois. Ungeachtet der Tatsache, dass Natascha – wann immer sich die Gelegenheit bietet – unverhohlen ihr Interesse an Mischa zeigt, entwickelt sich zwischen dem jungen Möchtegern-Bohemien und dem Alphamännchen Paul, der auf Mischa ob seiner Selbstsicherheit stets etwas einschüchternd wirkt, eine kumpelhafte Freundschaft.

„Sie hatte sich sofort an ihn gelehnt und lag jetzt praktisch auf seinem Schoß. Das war weniger schön, als er es sich vorgestellt hatte. Einfach deswegen, weil ihn das noch mehr hochputschte, sein Herz klopfte wie wild. Mensch, das musste sie doch merken. Und Paul brauchte nur einen Blick in den Rückspiegel zu werfen, um seine Freundin auf ihm, dem Eindringling, dem Fremdling liegen zu sehen.“

Die studierte Psychologin Heike Duken überzeugt in ihrem Debütroman mit originellen Charakteren und einer Story, die die Erwartungen an einen erotischen Roman unverhofft, aber keinesfalls enttäuschend etwas umschifft. Zwar wird beim Sex nicht abgeblendet, doch wird dieser nicht inflationär eingesetzt und dient in erster Linie dazu, die Beziehungen der Personen zueinander zu reflektieren. In einem Moment bahnt sich ein erotischer Dreier an, dann ‚überlässt‘ Paul seine Freundin dem jugendlichen Mischa, um sie damit glücklich zu machen; im nächsten Moment fordert er seine ‚Besitzrechte‘ ein. So bleibt die Handlung ein durchgehend reizvoll irritierendes Spiel, sowohl für die Protagonisten als auch für den Leser.

Ein jeder der drei hätte die Möglichkeit, dieser Beziehung jederzeit ein Ende zu machen. Doch die Autorin hält ihre Geschichte in sicherer Balance und ihre Story so in Fahrt, dass einem diese Möglichkeit beim Lesen gar nicht in den Sinn kommt. Es ist verstandesmäßig nicht erklärbar, was diese Konstellation zusammenhält, und auch Heike Duken verzichtet dankbarerweise auf bremsende psychologische Erklärungsversuche. Damit ist die Geschichte von Mischa, Natascha und Paul so klischeefrei und schräg, dass sie schon fast wieder wahr sein könnte. Heike Dukens ungekünstelte Sprache tut ein Übriges, dem Roman ein ‚realistisches‘ Feeling zu geben.

Ein kleiner Trick – die Ereignisse werden abwechselnd aus Mischas und aus Nataschas Sicht geschildert – sorgt außerdem dafür, dass der Roman sein Tempo bis zum Ende durchhalten kann. Das letzte Kapitel ist sogar Paul vorbehalten, der damit noch für eine kleine Überraschung sorgt.

Reizvoll, kitschfrei, widersprüchlich und damit durchaus vorstellbar. Ein souveränes Romandebüt, das sich angenehm von den Erwartungen an einen erotischen Roman abhebt.

Copyright © 2014 by Elmar Huber (EH)

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