Verlockendes Geheimnis

Jodi Ellen Malpas
Verlockendes Geheimnis
Lost in you 1

(sfbentry)
This Man, GB, 2012
Wilhelm Goldmann Verlag, München, dt. Erstausgabe: 12/2014
TB 48172, Erotik
ISBN 978-3-442-48172-9
Aus dem Englischen von Andrea Fischer
Titelgestaltung von UNO Werbeagentur, München unter Verwendung
eines Motivs von Michael Haegele/Corbis; Finepic, München

www.goldmann-verlag.de
www.jodiellenmalpas.co.uk

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Ava O’Shea ist 26, Single und eine erfolgreiche Londoner Innenarchitektin. Ihr neuester Auftrag lautet, das Anwesen eines Lords auszustatten. Nur widerwillig fährt sie raus zu ‚The Manor‘, in Erwartung, einen uralten, Zigarre paffenden Lord mit abstrusen Wünschen vorzufinden. Tatsächlich entpuppt sich Jesse Ward als Mittdreißiger, überaus attraktiv – und vor allem sehr erotisch. Seiner Wirkung auf Ava ist er sich natürlich bewusst und genießt es, mit ihr zu spielen. Buchstäblich flieht sie vor ihm, doch Jesse lässt nicht locker und besteht auch bei Avas Chef darauf, dass sie die zehn Räume des Anbaus einrichtet.

Von nun an kreuzen sich die Pfade der beiden ständig. Anlässlich der Einweihungsfeier vom ‚Lusso‘, einem exklusiven Wohnhaus, das ebenfalls von Ava ausgestattet wurde und dessen teures Penthouse Jesse gekauft hat, verdrängt sie alle Ängste, gibt ihrer Begierde nach und wird die seine. Doch Jesse will mehr als einen One-Night-Stand oder eine ‚normale‘ Beziehung; er will Ava rund um die Uhr bei sich haben, sie beschützen, verwöhnen, dominieren und kontrollieren. Selbst in der Öffentlichkeit hat er keinerlei Hemmungen, sie eifersüchtig zu überwachen und zu bedrängen. Obschon es Ava missfällt, dass er keine Grenzen akzeptiert und ernsthaften Gesprächen ausweicht, indem er Sex einsetzt, um sie gefügig zu machen, kommt sie einfach nicht los von ihm. Längst hat sie sich unsterblich in ihn verliebt, doch als sie hinter sein Geheimnis kommt, scheint es für eine Aussprache zu spät zu sein.

„Verlockendes Geheimnis“ ist der erste Band der „Lost in you“-Trilogie, die auf der Welle von erotischen Romanen wie „Feuchtgebiete“, „Fifty Shades of Grey“ etc. mit schwimmt. Dementsprechend wendet sich der Titel an eine reifere  – weibliche – Leserschaft, die allein an der Aneinanderreihung von grafischen Szenen, die mit deftigen Worten geschildert werden, interessiert ist und eine ‚richtige‘ Handlung sowie eine realistische Charakterisierung der Protagonisten als vernachlässigbar erachtet. Auf rund 530 Seiten passiert nicht viel. Hauptfigur Ava O’Shea, aus deren Sicht die Ereignisse im Präsens erzählt werden, lernt im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit den ‚Sex-Gott‘ Jesse Ward kennen und lieben, obwohl sie ahnt, dass er nicht gut für sie ist. Schon im 7. Kapitel (ab S. 111) kommen die beiden nach reichlichem Geplänkel richtig zur Sache, und von da an betrachtet er sie als sein Eigentum, über das er nach Belieben verfügen will. Die Probleme und Peinlichkeiten, die seine Aufdringlichkeit verursacht, halten sich in Grenzen, denn niemand will lesen, dass Ava wegen der Beziehung zu einem Kunden gefeuert wird oder jemand die Polizei ruft wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses.

Die Geschehnisse konzentrieren sich auf die Freizeit der beiden, und vor allem Jesse scheint eine ganze Menge davon zu haben. Nur der erfahrene Leser ahnt anhand der Andeutungen früh, wie der ‚Nabob‘ sein Geld verdient und warum er ernste Gespräche rigoros abblockt – obwohl, bei einem erotischen Roman braucht man keine Leseerfahrung, da diese Geheimnisse quasi auf der Hand liegen. Keiner fragt den anderen nach seinem Leben oder interessiert sich für dessen Sorgen, Wünsche und Freuden – Ava resigniert mehr oder weniger, weil sie stets zum Schweigen gebracht wird. Was das Paar immer wieder zusammenbringt, ist allein der Sex, und der überproportionierte Jesse kann praktisch 24/7. Sein ganzes Verhalten macht ihn unsympathisch: Er agiert wie ein verzogener Bengel, der nie hatte arbeiten müssen und immer bekam, was er wollte. Damit bedient er das Klischee des reichen Schnösels, der überzeugt davon ist, dass sein Name und sein Geld alle juristischen und moralischen Prinzipien für ihn außer Kraft setzen. Infolgedessen nimmt er Ava jeglichen Freiraum und macht sie mit Zuckerbrot und Peitsche gefügig, er rast wie ein Halbstarker mit seinem Auto/Motorrad durch London, pöbelt Polizisten an, schlägt vermeintliche Rivalen und Leute, die ihn verärgern, zusammen usw. usf.

Und mehr noch: Avas Fragen und nachvollziehbaren Wünschen weicht er grundsätzlich aus oder lehnt sie gar ab. Immer wieder verletzt er sie durch sein extremes, nicht den Umständen angepasstes Benehmen. Er ist so sensibel wie ein Stahlklotz. Was er Ava an vermeintlich Gutem tut, beruht auf reinem Egoismus, denn er will seine Bedürfnisse ausleben, sich mit ihrer Hilfe ‚erden‘ und die alleinige Kontrolle ausüben. Den Gipfel setzt er all dem drauf, als er Ava die Schuld an seinem Fehlverhalten gibt, das schließlich zu dem vorhersehbaren Desaster führt. Kurz: Jesse ist ein echt mieses Charakterschwein. Sex-Gott hin, Adonis her – keine Frau mit Verstand würde sich auf so einen kranken Typen einlassen. Man kann ihn sich nicht einmal visuell vorstellen, obgleich die Autorin ständig herunterbetet, dass er schöne grüne Augen, verstrubbelte dunkelblonde Haare, ein gutgeschnittenes Gesicht und einen Superkörper hat …, als wäre sie selbst in ihn verknallt. Obendrein spult der ‚tolle Hecht‘ doch immer nur dasselbe Bett-Programm ab. Nein, da springt kein Funke über.

Aber auch das Mitleid mit Ava hält sich zunehmend in Grenzen, da sie die Gefahr zwar ahnt, aber es nicht schafft, die richtigen Fragen zu stellen und auf Antworten zu beharren. Lieber verwandelt sie sich unter seinem Blick (!) in Wackelpeter und lässt alles begierig mit sich geschehen, statt Grenzen zu setzen und eine Aussprache zu verlangen. Ihre Hörigkeit, die jeglichen Verstand abschaltet, ist schwer nachzuvollziehen, und mit BDSM hat das Ganze auch nicht viel zu tun. Im Vergleich wirken die Nabenfiguren viel menschlicher, auch wenn sie nur die Funktion haben, die notwendigen Stichworte zu liefern. Die Bedeutung von einigen wird ausgebremst, aber man darf davon ausgehen, dass sie in den Folgebänden erneut auftreten und für weitere Konflikte sorgen. Zweifellos hat Jesse bereits einen Rivalen, der als Tröster neue Spannungen erzeugen könnte. Obwohl der Band in sich abgeschlossen ist, lassen die losen Fäden ihn unvollständig wirken.

Möchte man einen erotischen Roman lesen, kann man dabei auf eine nachvollziehbare Handlung und interessante Charaktere verzichten, wird man mit „Verlockendes Geheimnis“ ganz auf seine Kosten kommen. Stellt man höhere Ansprüche an den Plot und die Protagonisten, geht einem dieses Buch sehr schnell auf die Nerven, weil Handlung und Figuren allein dem Sex- … äh … Selbstzweck dienen, sich die Szenarien wiederholen, das Ende vorhersehbar ist und somit die Langeweile gewinnt.

Copyright © 2014 by Irene Salzmann (IS)

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