Versuchung des Zwielichts

versuchung-des-zwielichtsLynn Viehl
Versuchung des Zwielichts
Darkyn 1

(sfbentry)
If Angels Burn – A Novel of the Darkyn, USA, 2005
Egmont LYX, Köln, dt. Erstausgabe: 04/2010
TB mit Klappbroschur
Romantic Mystery, Horror, Erotik
ISBN 978-3-8025-8269-1
Aus dem Amerikanischen von Katharina Kramp
Titelgestaltung von HildenDesign/Ramona Popa, München
unter Verwendung von mehreren Motiven von Shutterstock

www.egmont-lyx.de
http://pbackwriter.blogspot.com/
www.hildendesign.de
www.shutterstock.com

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Sheila Kelly ist eine amerikanische Autorin, die in verschiedenen, überwiegend romantischen Genres schreibt und für jedes ein anderes Pseudonym verwendet. Unter dem Namen Lynn Viehl verfasst sie phantastische Romane, darunter die „Darkyn“-Serie, von der in den USA derzeit sieben Bände (2005 – 2009) vorliegen. „Versuchung des Zwielichts“ ist das erste Buch dieser Reihe, und das Grundthema sind die derzeit überaus beliebten Vampire (Dark Kyn = dunkle Verwandte).

Alexandra Keller ist eine begnadete Chirurgin, die nicht nach Ruhm und Reichtum strebt, sondern Menschen helfen möchte, die durch einen Unfall oder eine Gewalttat entstellt wurden. Nachdem ein Magazin sie zur ‚schnellsten‟ Ärztin kürte, interessiert sich plötzlich ein gewisser Michael Cyprien für sie und bittet sie, zu ihm nach New Orleans zu fliegen und ihn zu operieren. Als Alexandra die wiederholten Anfragen und sogar ein Honorar von vier Millionen Dollar ausschlägt, weil ihr die Schicksale der wahren Bedürftigen wichtiger sind als die Spinnereien eines reichen Schnösels, lässt Michael sie entführen. Zunächst ist Alexandra wütend und will das Anwesen augenblicklich verlassen, doch dann beginnt Michaels Fall sie zu interessieren: Ein durch Gewalt zerstörtes Gesicht wie seines und diese Form der raschen Selbstheilung hat sie noch nie gesehen.

Die Operation gelingt, aber was danach passiert, zerstört Alexandras bisheriges Leben für immer. Während sie ihre Belange regelt und die Veränderungen an sich erforscht, hat Michael ein waches Auge auf sie. Es gibt vieles, was er ihr über die „Darkyn“ erzählen muss, Gefahren, vor denen es sie zu warnen gilt – und unmittelbare Bedrohungen, von denen er selbst nichts ahnt. Am liebsten würde er Alexandra bei sich behalten, und das nicht nur weil sie seine Sygkenis und für seinesgleichen nützlich ist. Doch obwohl auch sie sich zu ihm hingezogen fühlt, weist sie ihn ab. Erneut lässt Michael sie entführen und muss schon bald darauf erfahren, dass sein Haus nicht so sicher ist, wie er dachte …

Über Vampire wurde gerade in jüngerer Zeit viel geschrieben, und auch Lynn Viehl versucht, dem Mythos eine neue Facette hinzuzufügen. Sie nennt ihre Blutsauger Vrykolakas oder Darkyn und lässt sie lange Zeit glauben, ein Fluch habe sie einst getroffen. Zwar sind sie nahezu unsterblich und verfügen über erstaunliche Gaben, aber sie können sich nicht reproduzieren oder beliebig normale Menschen wandeln, so dass ihre Zahl immer weniger wird. Teilweise gibt es Feindschaften innerhalb ihrer Schar, doch die gefährlichsten Gegner sind die Mitglieder eines Ordens, der ohne Wissen der Kirche agiert und die Vampire seit Generationen jagt.

Durch Alexandra Keller eröffnen sich plötzlich völlig neue Perspektiven für die Darkyn. Sie deckt Fakten auf, die ihnen trotz ihrer Reichtümer und Möglichkeiten unbekannt waren, und offeriert durch ihre ‚Andersartigkeit‟ dem Anführer völlig neue Perspektiven, die weder ihr noch Michael Cyprien, der sie als ‚seine Schöpfung‟ für sich beansprucht, gefallen. In Folge muss die Chirurgin nicht nur den mysteriösen Orden, dem sich ihr Bruder angeschlossen hat, fürchten, sondern auch den Mann, der für Michael wie ein Vater war, dessen gefährlichsten Handlanger, der seinen eigenen Jardin (franz. Garten = Gruppe) anführen möchte, und eine Person, mit der überhaupt niemand gerechnet hat.

Die mit den Vampiren in Zusammenhang stehenden Ideen der Autorin sind interessant und erlauben ein reizvolles Setting mit amerikanisch-französisch-kirchlichem Background. Die kleinen Schwachpunkte (z. B. sind die Menschen des Mittelalters sehr viel kleiner als der moderne Durchschnittsbürger, die Darkyn haben sich in den Jahrhunderten zwar erfolgreich, doch sehr einseitig angepasst und die Medizin, was unglaubwürdig wirkt, völlig vernachlässigt, Alexandras chirurgische Fähigkeiten werden sehr simpel und in Superlativen geschildert) sind vernachlässigbar, denn das Hauptanliegen ist trotz vieler spannender Entwicklungen die Romanze zwischen Alexandra und Michael.

Vom ersten Moment an ist ihre Beziehung angespannt, und obgleich sie voneinander fasziniert sind, bleibt Alexandra distanziert – nachdem sie entführt wurde, man ihr altes Leben zerstörte und auch noch erwartet, dass sie eine brave Sygkenis ist, sein williges Geschöpf, das sich ihm in allem unterwirft. Michael ist das Selbstbewusstsein einer modernen Frau nicht gewohnt, und so gibt es ständig Reibereien, die hin und wieder in erotischen Szenen gipfeln. Diese sind grafisch beschrieben, die Wortwahl ist nicht selten derb. Dies fügt sich jedoch problemlos in den Erzählstil und die Dialoge ein, da sich die Autorin eines flüssigen, flotten Stils bedient und ihre Protagonisten reden lässt, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist.

Vage erinnert Alexandra an „Buffy“, kommt als Frau von Ende zwanzig/Anfang dreißig Jahren aber dankenswerterweise nicht so schnoddrig daher wie ein Teenie. Die Charaktere erfüllen ihre Rollen, denn sie sind sympathisch, geheimnisvoll, dubios, fehlgeleitet oder durch und durch böse, und können überzeugen. Es gibt mehrere Handlungsebenen, in denen eine Menge passiert – und nicht bloß Gezicke, Gezanke und Gef…., so dass unterm Strich eine kurzweilige Lektüre herauskommt. „Darkyn“ ist nur bedingt geeignet für eingefleischte Genre-Fans, denn letztlich handelt es sich doch um Romantic Mystery. Der Titel wendet sich in erster Linie an romantische Leserinnen ab 15 Jahre, die es spannend und erotisch zugleich mögen und auf dem Vampir-Hype mitfahren. Schätzt man Titel wie Lori Handelands „Wolfskuss“ oder Lara Adrians „Geliebte der Nacht“, wird man auch von „Darkyn“ nicht enttäuscht.

Copyright © 2010 by Irene Salzmann (IS)

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