Infinite – Die Unsterblichen

D. Eric Maikranz
Infinite – Die Unsterblichen

Originaltitel: The Reincarnationist Papers (2021).
Deutsche Erstausgabe: September 2022 (Heyne Verlag)
Übersetzung: Stefanie Adam
Cover: Das Illustrat, München, unter Verwendung eines Motivs von kksr/Shutterstock
539 Seiten
ISBN 978-3-453-32223-3

von Gunther Barnewald


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Ein US-Amerikaner (der Autor D. Eric Maikranz) entdeckt während seines Aufenthalts in Rom in einem Antiquariat drei Notizbücher in bulgarischem Kyrillisch, die ihn sehr neugierig machen. Er erwirbt und übersetzt sie mit Hilfe einer Bekannten ins Englische.

Die Notizbücher erzählen vom Leben eines Mannes namens Michael Evans, der in Minnesota aufwächst. Er entdeckt, dass er sich an zwei frühere Leben erinnern kann. Als er seiner Familie davon erzählt, reagieren diese abwehrend, und es kommt zum Bruch mit den Eltern. Deshalb beschließt Michael nach Los Angeles zu ziehen, wo die Menschen vielleicht mehr Verständnis haben (oder alle durchgeknallt sind) und er zudem besser Geld verdienen kann.

Da Michael nun zu wissen glaubt, dass es weder einen Gott noch eine Hölle, Karma oder eine Bestrafung für Sünden im Diesseits gibt, betätigt er sich als „engagierter“ Brandstifter. Bei einem seiner ‚Aufträge‘ wird er beinahe erwischt und auf der Flucht angeschossen.

Die junge und sehr reiche Poppy rettet und flickt ihn wieder zusammen. Durch Zufall erfährt Michael, dass auch sie schon mehrere Leben hinter sich hat. Poppy weiht ihn in ein großes Geheimnis ein: Seit knapp 2000 Jahren werden „Seelen“ wiedergeboren, die sich (meistens um das 18. Lebensjahr herum) an vergangene Leben erinnern. Diese „Seelen“ haben sich seit einigen Jahrhunderten als „Infiniten“ organisiert, um erworbenes Wissen (und Vermögen) halten zu können. Neue Mitglieder werden nur aufgenommen, wenn sie nachweisen, dass sie keine Betrüger sind und tatsächlich schon einmal (oder mehrmals) gelebt haben. Dies kommt allerdings äußerst selten vor.

Auch Michael wird die Mitgliedschaft angeboten, doch dazu muss er viel von seinen vorherigen Leben preisgeben. Also erzählt Michael von seinem Leben als bulgarischer Bauer und Soldat und von seinem kurzen Leben als US-amerikanischer Junge, der im Flammentod endete – woher Michael seine Affinität für Feuer und Brandstiftung zu haben scheint.

Auch Poppy und andere „Infiniten“ erzählen von früheren Leben, was die Geschichte abwechslungsreich und bunt macht. Was zunächst nach einem abgedroschenen und ausgelutschten Thema aussieht, wird so vom Autor mit viel Verve und vor allem stilistischer Raffinesse erzählt.

Dies ist der große Pluspunkt dieser Geschichte: Rasch merkt der Leser, dass Maikranz ein geborener Erzähler ist, der wohl keine Wiedergeburt nötig hatte. Dank seines Geschicks vergisst der Rezipient, wie altbacken und esoterisch der Plot ist und fiebert mit dem Protagonisten (und den anderen, die aus ihren Vor-Leben erzählen) mit.

Hinzu kommt ein Spannungsbogen, der den Leser mühelos bis zum Ende in seinen Bann schlägt (und vielleicht sogar nach einer Fortsetzung rufen lässt). Kein Wunder also, dass diese Geschichte mit Mark Wahlberg in der Hauptrolle 2021 als „Infinite – Lebe unendlich“ unter der Regie von Antoine Fuqua verfilmt wurde.

Nur wie das Zitat der Bestsellerautorin Diana Gabaldon (ebenfalls auf dem Cover) gemeint ist – sie stellt fest, dass „Auf „Matrix“ wartet ein wunderbares Epos voller Überraschungen” warte, erschließt sich mir nicht. Wer Brüche in der Realität oder deren Wahrnehmung erwartet, wird maßlos enttäuscht sein!

Die vorliegende Erzählung ist hervorragend gelungen, stilistisch brillant (Dank auch an die tolle Übersetzerin), spannend, steckt voller wunderbar recherchierter historischer Details. Ein wahrlich ‚süffiges‘ Buch!

Copyright © 2022 by Gunther Barnewald

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