Anansi Boys

Neil Gaiman
Anansi Boys

Originaltitel: Anansi Boys (2005).
Übersetzung aus dem Englischen von Carsten Singelmann.
Deutsche Ausgabe (Paperback): Oktober 2018 (Eichborn/Bastei-Lübbe-Verlag)
415 Seiten
Cover: Markus Weber, Guter Punkt.
ISBN: 978-3-8479-0650-6

von Gunther Barnewald

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Neil Gaimans wunderbares Werk ist so etwas Ähnliches wie die Fortsetzung von American Gods, nur noch vergnüglicher und kurzweiliger und auch für Leser geeignet, die das Vorgängerbuch nicht kennen.

Berichtet wird von Charlie Nancy, den alle nur Fat Charlie nennen, obwohl er zwar etwas rundlich, aber nicht wirklich dick ist. Aber sein Vater, der Spinnengott Anansi, mit bürgerlichem Namen Mr. Nancy, hat ihm nun einmal diesen ‚Kosenamen‘ gegeben, und da Anansis Namen sich immer durchsetzen (und sogar aus einem preisgekrönten Kampfhund eine Nulpe machen, wie in einer herrlich schrägen Abschweifung berichtet wird, die fast von Hildegunst von Mythenmetz stammen könnte), hat der arme Charlie keine Chance und bleibt für immer Fat Charlie.

Er arbeitet für einen windigen Anlageberater und ist mit der sehr distanzierten Rosie verlobt, die ihn einfach nicht an sich heran lassen will, als sein Leben eine krasse Wendung nimmt. Auf der Beerdigung seines angeblich verstorbenen Vaters erfährt er, dass er scheinbar einen Bruder namens Spider hat, der alle göttlichen Fähigkeiten seines Vaters geerbt hat und an den Fat Charlie sich gar nicht erinnern kann. Spider wohnt noch immer in den USA, während Fat Charlie als Kind mit seiner Mutter nach England gezogen war.

Aus einer Alkohollaune heraus bittet Fat Charlie seinen Bruder zu sich, indem er weisungsgemäß einer Spinne zuflüstert, dass Spider sich bei ihm blicken lassen soll. Zu Fat Charlies Entsetzen funktioniert dies nicht nur im Handumdrehen – schon am nächsten Morgen steht Spider bei ihm mehr als nur auf der Matte -, sondern Spider wirbelt Fat Charlies langweiliges, bürgerliches Leben heftig durcheinander. Erst verführt er die jungfräuliche Verlobte seines Bruders, indem er sich als Fat Charlie ausgibt, dann macht er dessen zwielichtigem Chef wegen dessen illegaler finanzieller Transaktionen die Hölle heiß, was den gewissenlosen Korrupnick dazu veranlasst, seinen Abgang aus England zeitlich vorzuziehen und Fat Charlie alle Schuld in die Schuhe zu schieben. Dabei muss dann auch noch eine Anlegerin ihr Leben lassen, die den Chef dann als Geist verfolgt.

Währenddessen versucht Fat Charlie Spider mit Hilfe einer gefährlichen Vogelgöttin wieder loszuwerden, was das Desaster nur noch mehr eskalieren lässt.
Schlussendlich landen alle Beteiligten auf einer fernen Karibikinsel, wo die Handlung ihrem kruden Höhepunkt entgegendeliriert …

Anansi Boys ist eine wunderbar skurrile Geschichte voller toller Ideen und schräger Blickwinkel, herrlich zum Ablachen und sich Wundern geeignet. Egal ob Spider sich in Fat Charlies Wandschrank einrichtet und sich plötzlich hinter dessen Tür diverse luxuriöse Räumlichkeiten befinden, oder ob die alten Bekannten von Mr. Nancy eine bizarre Götterbeschwörung einleiten oder die göttlichen Tierwesen, die Fat Charlie um Hilfe ersucht, um seinen Bruder loszuwerden, groteske Verhaltensweisen an den Tag legen, immer gelingt es dem Autor erneut, den Leser mit seinen phantastischen Einfällen zu verblüffen und zu überraschen.

Köstlich schrullige und bescheuerte Charaktere vertiefen das Lesevergnügen genauso wie die Volten schlagende Handlung der Geschichte. Langeweile kommt nie auf, auch wenn der Leser das Gefühl haben mag, die Handlung stolpere mäandernd und eher ziellos vor sich hin. Gegen Ende der Erzählung wird deutlich, welch perfides Puzzle der Autor hier zusammengesetzt hat, und zwar nahtlos! Dafür gebührt Neil Gaiman wieder alle Bewunderung, die man als verblüffter Rezipient nur aufbringen kann.

Menschen ohne Humor und/oder Phantasie sollten sich nach wie vor weit weg von des Autors bunten und originellen Büchern aufhalten, denn auch dieses Mal gilt: Ohne diese beiden Eigenschaften im Gleichklang kann man mit Gaimans Werken einfach nicht glücklich werden, sie nicht einmal ansatzweise nachvollziehen!

Copyright © 2018 by Gunther Barnewald

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