Der zerstreute Zeitreisende

Terry Pratchett
Der zerstreute Zeitreisende

Originaltitel: The Time-Travelling Caveman (2020)
Deutsche Erstausgabe: Juli 2022 (Piper Verlag)
Übersetzung: Andreas Brandhorst
Cover: Guter Punkt, München (nach einer Vorlage von Mark Beech)
332 Seiten
ISBN 978-3-492-70625-4

von Gunther Barnewald


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Der vorliegende Band sammelt 18 Kurzgeschichten aus Terry Pratchetts frühester Schaffensperiode, die wohl (lt. Klappentext) sämtlich erstmalig in deutscher Sprache erscheinen. Neben den wunderbar entspannt-humorvollen Geschichten glänzen vor allem die vielen Innenillustrationen von Mark Beech, der mit seinem knuffig-knuddeligen Zeichenstil den lässigen Story-Ton Pratchetts präzise unterstreicht.

So weiß man als Leser nicht, ob man sich mehr über die verrückten Erzählungen des Autors oder über die herrlich kruden Zeichnungen amüsieren soll, von denen das Buch nur so wimmelt. Insgesamt ist dies ein Gesamtkunstwerk, das auch Leser, die keine Pratchett-Fans sind, begeistern dürfte.

In den Geschichten geht es Pratchett-typisch unkonventionell zu. Keiner erledigt einen Job so, wie es das hehre Klischee verlangt, alle stümpern, dass es eine wahre Freude ist. Egal ob Kinder noch vor Neil Armstrong den Mond in einem alten Auto besuchen, ein Erfinder in einem langsamen Raumschiff gemütlich zum Mars tuckert oder ein Zauberer einem abgewrackten Fußballteam zum Sieg verhilft: Immer triumphieren die vermeintlich Schwächeren oder die Spinner. Genau dies macht die Geschichten des Briten so sympathisch!

Hier findet auch ein Uraltcomputer noch den Sinn des Lebens und seine Bestimmung, während ein Höhlenmensch durch lange Schlafperioden inzwischen in unserer Zeit angekommen ist und hier dann für (allerdings britisch-distinguierte) Aufmerksamkeit sorgt (da er überdies sehr höflich und gut erzogen ist).

Die Geschichte „Mr Trapcheese und seine Arche“ erinnert an eine Geschichte des US-amerikanischen SF-Autors Jack Vance, die dieser aber deutlich grimmiger und ernsthafter erzählt. „Alfred’s Ark“ entstand bereits 1965, als auch die hier vorliegenden Geschichten entstanden. Ob hier einer der Autoren abgeschrieben hat? Oder hatten nur beide zur gleichen Zeit fast die gleiche Idee?

Als Geschenk oder für den Eigenbedarf: „Der zerstreute Zeitreisende“ ist die Anschaffung einfach (oder auch mehrfach) wert! Vielleicht behält man ein Exemplar behalten, während man andere verschenkt, denn die charmanten Illustrationen von Mark Beech sind einfach eine Wucht. Wer die Bücher von Walter Moers mag, wird auch hier begeistert sein!

Copyright © 2022 by Gunther Barnewald

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