Die Unterirdischen

die-unterirdischenTimo Bader & Jörg Olbrich (Hrsg.)
Die Unterirdischen

Wurdack Verlag, Nittendorf, 10/2008
PB, Fantasy
ISBN 9783938065433
Titelgestaltung von Ernst Wurdack

www.wurdackverlag.de
www.timo-bader.de
www.joerg-olbrich.de

Dort, wo das Vorwort endet, setzen die Geschichten der Anthologie „Die Unterirdischen“ an, die alle ein roter Faden verbindet und die zusammen ein Bild ergeben. Christoph Hardebusch bestreitet mit „Das Dorf“ den Auftakt und führt den Leser an Axion, den Dunkelelfen-Bauer heran, dessen Dorf in einer Kaverne gebaut worden ist. Nach einem Beben der Tunnel werden diese teilweise zum Einstürzen gebracht. Axion wird zu einem der neuen Anführer gewählt, die die Belange der Dorfgemeinschaft regeln sollen. So schlägt Axion vor, dass alle gleichgestellt sein sollen, doch schon bald ist er mit den Methoden des neuen Rates nicht mehr einverstanden und wünscht sich, dass ein erneutes Beben die Felsdecke herabstürzen lässt, um dem schändlichen Tun Einhalt zu gebieten…

In Philipp Bobrowskis „Rette sich, wer kann” geht es um den Kobold Grant und seine Familie. Grant und Blad, einer seiner Söhne, irren auf der Suche nach dem Ausgang an die Oberfläche durch die weit verzweigten unterirdischen Gänge des Koboldreiches, begegnen einem ‚Greifer’ (Ungeheuer) und landen in einer riesigen Felshalle. Dort treffen sie auf Grants Vater Ernt – und während sich die beiden Koboldmänner streiten, werden sie angegriffen…

Um Echsenmenschen geht es in Mandy Schmidts Story „Die Wartenden”. Skah, der den Platz seines verstorbenen Vaters unter den zwölf Hütern einnimmt und Schüler als Späher ausbildet, und sein Freund Nor träumen davon, an der Seite des Nekromanten zu stehen, der in einem Ritual ihren Vätern neues Leben gibt. Doch danach ist alles völlig anders, als erhofft…

Michael Buttler erzählt in „Das Neue Land” eine Gobelin-Geschichte, in der Eroc die Gobelinfrau Agi begehrt, die aber einen anderen Mann gewählt hat. Auf der Suche nach dem Neuen Land geraten sie in einen Kampf mit Zwerginnen und treffen einen Troll, der ihnen hilft – doch werden sie das Neue Land erreichen? Gregor, der Waffenschmied der Zwerge, und Theodor, König der Zwerge, beschließen in Jörg Olbrichs „Elbart”, eben jenen in das Land der Dunkelelfen zu schicken, um Trigonium für Waffen zu besorgen. Elbart bricht mit den beiden Kriegerinnen Firilara (Heerführerin, als hart und gnadenlos verschrien) und Argonia auf – von ambivalenten Gefühlen befallen. Elbart zeigt den beiden Kriegerinnen sehr bald, dass mehr in ihm steckt, als sie denken, aber auch er bemerkt an ihnen Seiten – besonders an Firilara -, die er nicht an ihnen vermutet hätte…

In Timo Baders Geschichte „Die Bewährungsprobe” geht es um Erdwichte gegen Kobolde (die Blauhäutigen) und um Diebe, die oft in der Oberwelt sind, bis die Schächte nach oben durch ein Beben versperrt werden und sich die Vorräte zu Ende neigen. Die Kobolde Flink und Stark führen Hell in das Geheimversteck der Diebe, zu dem allwissenden Meisterdieb, der sich Schwarz nennt. Alle vereint ihr Hass auf die Menschen. Schwarz bestimmt, dass Hell einen Gütertransport im Reich der Menschen abfangen und mit zehn tapferen Widerständlern und Schwarz’ Tochter Weiß losziehen soll – doch dann gerät Hell in Versuchung, zum Spion für die Menschen zu werden…

Christine R. Förster behandelt in ihrer Story „Der Elfen Fluch” einen eben jenen (angeblichen), der von den Dunkelelfen verhängt wurde, nachdem die Frauen keine Jungen mehr gebären. Teklan muss, nachdem sein Vater und ältester Bruder gefallen sind, für die Familie sorgen. Er bricht in das Reich der Dunkelelfen auf, damit diese den ‚Fluch’ von seinem Volk nehmen und begegnet einer alten Elfe, die behauptet, dass es einen solchen Fluch gar nicht gäbe…

Kinja und Zara begleiten in Harald Nebels „Das zweite Leben” den Nekromanten Lurr Daris und seine untoten Krieger. Sie brechen mit einer Armee von Skeletten (ein Heer toter Orks, Zwerge, Menschen, Trolle und Erdwichte vereint) aus dem untoten Land aus und töten als erstes Echsenmenschen, auf die sie treffen. Deren Anführer Ka’ad soll ihnen den Weg in die Außenwelt weisen. In der ‚Blutigen Höhle’ merken alle, dass ihre Kraft immer minder wird. Kuja erinnert sich mehr und mehr an sein erstes Leben. Dann wohnt er einem Ritual des Nekromanten bei und stellt Erstaunliches in sich fest…

Roghad, der Ork, wird in Claudia Hornungs „Schwarze Wasser” nach dem Tod seiner Onkels zum Anführer der Orks. Doch der Krieger Gamth macht keinen Hehl daraus, dass er Roghad nicht für den Richtigen hält. Er entführt eine Dunkelelfe (Tamyela), von der Roghad spürt, dass sie keine gewöhnliche Elfe ist. Von ihr erfährt er auch etwas über einen See – das Schwarze Wasser -, der besondere Kräfte haben soll, denn er soll dem, der in ihn hineintaucht, ewiges Leben schenken…

In Sabrina Eberls „Mutiges Herz” will der Erdwicht Grell Gemmenschleifer die Widerstandsbewegung gegen die Menschen stärken. Die Zeit der Knechtschaft soll endlich ein Ende haben. An seiner Seite ist Schön, seine Gefährtin. Grell will sich mit den Dieben zusammentun, die jedoch als Menchenfreunde gelten. Grell gerät in Zwirns (einem Skourm) Reich, wird von Zwirn vor dem Angriff durch einen Mensch gerettet und flieht mit ihm in unterirdische Tunnel. Dort haben sie einige Abenteuer zu durchleben – aber Grell steht noch eine unliebsame Entdeckung bevor…

Die Trolle Kru und Turg wollen in Andrea Bottlingers „Neues Leben” gegen die Schwarzorks ziehen, stehen aber auch gegen die Zwerge im Krieg. Rle, der große Troll, schickt Kru und Turg trotzdem in das Land der feindlichen Zwerge, damit sie ihm einen Zwerg bringen, der ihnen zeigen kann, wie man die Metallwaffen der Zwerge herstellen kann – und so ziehen Kru und Turg los…

Dorothee Kaisers „Verlorene Rückkehr” bildet den Abschluss der Anthologie, in der auch Tamyela wieder eine Rolle spielt. Ihre Geschichte wird weitergeführt, nachdem sie nach ihrer Entführung durch die Orks in die Obhut ihrer Schwester Melena zurückkehrte. Sie erzählt ihr, dass sie die Orks als freundliches Volk empfunden und ihnen auch ihr Wort gegeben habe, dass es keine Angriffe mehr gäbe – doch die Dunkelelfen planen bereits einen neuen Angriff auf die Orks. Kann Tamyela das verhindern?

Die Anthologie endet so geschickt mit offenen Plots der einzelnen Völker, dass die Leser sicher nach einer weiteren Anthologie und somit Fortsetzungen verlangen werden; zumindest die Liebhaber klasssicher Fantasy, die an der Kurzgeschichtensammlung ihre Freude haben werden. „Die Unterirdischen“ beinhaltet Geschichten, die alle auf einem Level sind, mal mit Abweichung nach oben oder unten, so wie es in vielen vergleichbaren Projekten zu finden ist. Aber dankenswerterweise sind keine krassen Aussetzer zu verzeichnen und dem Fantasy-Leser einige vergnügliche Lesestunden gewiss. Im Anschluss an die Texte findet der geneigte Leser noch die Vitae aller Autoren. Die Aufmachung des Bandes ist erstklassig: Das Papier, der Satz, das Lektorat und die augenfreundliche Schriftgröße sind ohne Fehl und Tadel. Fazit: Stimmige Anthologie für Liebhaber der klassischen Fantasy in tadelloser Aufmachung!

Copyright © 2010 Alisha Bionda (AB)
 
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