Drache und Diamant

Kai Meyer
Drache und Diamant


Das Wolkenvolk 3 (von 3)
Loewe Verlag, Bindlach, 6/2007
HC mit Schutzumschlag, Jugendbuch, Fantasy, 978-3-7855-5743-3, 413/1690
Umschlaggestaltung von Andreas Henze
www.loewe-verlag.de
www.kaimeyer.com/

Im dritten Band der Saga vom „Wolkenvolk“ findet die Geschichte um Niccolo, Nuaga, Alessia, Wisperwind und Feiqing gegen die vernichtende Macht des Aethers ihren Abschluss. In der phantastischen Welt, die an das alte China der Sagen und Mythen erinnert, versucht der Aether, den Ur-Riesen Pangu wieder zu erwecken, der einst die Welt erschuf, sie aber nun zerstören soll. Um dieses zu verhindern, nähern sich alle Protagonisten einem einzigen Ziel: den Höhlen der Drachen, in denen tief unten das Herz des Riesen schlummert. Hier kommt es zur letzten großen Schlacht und zum Kampf um das Überleben einer ganzen Welt.

Kai Meyer beschreibt die Sagenwelt, in der Drachenkönige, Riesen, Luftschiff fahrende Händler und zauberische Krieger die Geschicke der Menschen bestimmen, mit einer sehr poetischen, bildreichen Sprache, die in stimmungsvollen Schilderungen die Landschaften und Geschehnisse lebendig werden lassen.

Seltsamerweise ist „Drache und Diamant“ jedoch trotz der inhaltlichen Dramatik, bei der es immerhin um nichts Geringeres als das Fortbestehen einer ganzen Welt geht, eine sich eher zäh entwickelnde, langsame Geschichte. Obschon sich hier beim Abschluss der Trilogie alle Helden auf einen letzten Showdown zu bewegen, fällt die Spannung trotz zahlreicher Action geladener Szenen und vieler Kämpfe immer wieder ab.

Das mag daran liegen, dass die reine Handlung für einen ganzen umfangreicher Band von 413 Seiten – trotz einer sehr großen Schrift – nicht wirklich ausreicht, sondern oft gestreckt erscheint, mit Wiederholungen, Hinweisen auf frühere Geschehnisse und einem gemächlichen Erzähltempo. Zugleich bleiben die Charaktere trotz der großen ‚Gedankennähe’, die der Leser durch die Erzählung zu ihnen einnehmen kann, über weite Strecken distanziert und gleichförmig, bis auf das Mädchen Nuaga, das tatsächlich in dem Band verschiedene Facetten zeigt und einen inneren Wandel erfährt.

So erweckt das Buch den Eindruck eines Mosaiks mit einzelnen, für sich genommen faszinierenden Steinen, die aber kein mitreißendes Gesamtbild erschaffen können – die Hauptfiguren bewegen sich durch die Welt wie durch Honig: schön, golden und seltsam langsam. Hier und dort fällt zudem auf, dass der Autor seine Charaktere in scheinbar ausweglose Situationen bringt, sie dann durch plötzliche Retter oder unerwartete Neubesinnung wieder herausholt, was zuweilen nicht ganz schlüssig wirkt.

Die Frage bleibt zudem, für welche Zielgruppe „Drache und Diamant“ gedacht ist. Von den Charakteren und der Tiefe der Geschichte her scheint sich das Buch an ein eher junges Publikum zu richten, dafür ist die Geschichte jedoch auf der anderen Seite vor allem in den ausführlichen Kampfbeschreibungen recht gewalttätig.

Insgesamt hinterlässt „Drache und Diamant“ einen gemischten Eindruck. Der schöne Erzählstil des Autors kann nicht immer für die mangelnde Substanz und Spannung der Geschichte entschädigen, der ein paar weniger Seiten und eine somit kompaktere Darstellung der Ereignisse möglicherweise gut getan hätten. Für Leser, die eine etwas andere Fantasy-Welt besuchen und zudem den Abschluss der Trilogie erfahren möchten, wird „Drache und Diamant“ jedoch sicher lesenswert sein. (BvdB)

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Drache und Diamant – Das Wolkenvolk 3

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