Drei Zeichen sind die Wahrheit – Sage um die jüdische Familie Lasker

drei-zeichen-sind-die-wahrheit-sage-um-die-judische-familie-laskerWaldtraut Lewin
Drei Zeichen sind die Wahrheit – Sage um die jüdische Familie Lasker

cbj-Verlag, München, 3/2008
HC mit Schutzumschlag, Jugendbuch, Drama, Geschichte, Fantasy
ISBN 9783570130797
Titelbild von N. N.

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Die 17-jährige Leonie Lasker ist zurück aus Berlin, gebrochen in der Seele und von einem tiefen Schmerz entzweigerissen. Doch sie hat ihren Auftrag erfüllt – der erste der drei hebräischen Buchstaben ist in ihrem Besitz. Wie abgesprochen, gibt sie diesen weiter an ihre Tante, die Kabbalistin Isabelle. Doch noch müssen zwei weitere Buchstaben gefunden werden, um das ‚Große Werk’ überhaupt in Angriff nehmen zu können, das die jüdische Bevölkerung Europas vor dem Brand schützen soll, den sowohl Isabelle wie auch Leonie voraussehen. Und ist die junge Frau nicht gerade in Berlin einem ersten kurzen Brand entkommen, der die dortige, jüdische Bevölkerung traf? Ist nicht ihr Geliebter während eines Pogroms erschossen worden – vor Leonies Augen? Der zweite Buchstabe, so vermutet Isabelle, befindet sich in Österreich, besser gesagt: in Wien. Dort muss Leonie nun hinreisen und ihrer Vorgängerin das Mem abnehmen. Doch diese Aufgabe erweist sich als schwieriger, als zunächst angenommen…

Es gibt Bücher, bei denen ein Rezensent sich schwer tut, sie zu bewerten. Das kann vollkommen unterschiedliche Gründe haben. Zum einen mag ihm das Thema nicht liegen, oder aber er findet kaum etwas zu beanstanden, allerdings auch kaum etwas zu loben. Im letzten Fall kann man sich aufgrund seiner Staatsangehörigkeit schwer tun – gerade wenn man als Deutsche einen historischen Jugendroman mit Phantastik-Einschlag über ein jüdisches Thema besprechen soll – der noch dazu von einer Jüdin geschrieben wurde und zu einer Zeit spielt, in der sich das Dritte Reich seinen Weg ebnet. Lassen wir jetzt diesen politischen Aspekt aus der Sache heraus und versuchen uns auf das Buch zu konzentrieren, in der berechtigten Hoffnung, dass die Autorin oder deren Leser nicht gleich alles als Antisemitismus verdammen, was diesen Roman nicht lobt.

Und da wäre zu allererst das phantastische Element an sich, das wirklich in diesem Roman stört. Es könnte ein historischer Roman sein, gäbe es da nicht diesen Einschlag, der eigentlich eher wie ein Störfaktor wirkt. Leonie wird ausgesandt, um drei magische Buchstaben zu finden, damit Isabelle einen Golem bauen kann. Die Autorin stützt sich dabei auf die Sage um den Golem, die wohl jeder zumindest einmal gehört hat: Rabbi Löw baut in Prag einen Menschen aus Lehm und haucht ihm mithilfe dreier magischer Buchstaben Leben ein. Nun, diese drei Buchstaben sind es, die Leonie suchen soll, denn ihre Familie, die Lasker, sind zu Hütern dieser Buchstaben geworden.

Allerdings stützt die Autorin sich ein wenig zu sehr auf die Geschichte um den Golem, ohne dass es ein wirklich zwingendes Element ist für die Geschichte. Denn Leonie könnte auch ohne die magische Suche nach Wien reisen. Immerhin will sie Schauspielerin werden, und ihre Verwandte dort ist Schauspielerin am Burgtheater, eine gefeierte Diva – einst gefeiert. Auch die Andeutungen und Visionen, die Leonie überkommen, wirken größtenteils wie aufgesetzt und nicht wirklich empfunden und erlebt. Die Autorin beschreibt etwas, was sie sich wohl nicht selbst vorstellen kann, jedenfalls klingt es immer wieder durch. Die Phantastik bleibt eher ein Störfaktor in diesem Roman. Statt also glaubhafter Beschreibungen unglaublicher Vorgänge wird sich lieber darauf gestützt, dass dieser Roman die Weltflucht der Phantastik unterbindet. Nun ja, das allerdings stimmt.

Was durchaus irritiert, ist zudem der Erzählstil der Autorin. Sie springt in den Erzählformen, mal in der Präsenz, mal in der Vergangenheit, mal in der ersten, dann wieder in der dritten Person. Solange diese Sprünge einzelne Kapitel umfassen, ist es zwar irritierend, da man sich als Leser nicht darauf einstellen kann – was wohl auch gewollt ist von der Autorin -, wirklich verwirrend wird es, wenn innerhalb der Kapitel gesprungen wird, teils nicht einmal wirklich sichtbar abgetrennt, und der Leser plötzlich ganze Abschnitte zwei- oder dreimal lesen muss, um diese Erzählwechsel nachvollziehen zu können. In manchen Kreisen dürfte das wohl ein erfrischender, unvorhersehbarer Schwung sein, den die Autorin da als Kunstgriff ansetzt. Für den einfachen – jungen – Leser wirkt das dagegen nur störend und ist teils wirklich ärgerlich.

Alles in allem bleibt leider ein eher enttäuschender Roman zurück, den man gerade jungen Heranwachsenden nicht wirklich empfehlen kann. Wer dieses Buch mit über dreißig nicht wirklich versteht, der kann es keinem Teenager empfehlen. Zuviel Kunstgedanke – leider! Dabei hätte gerade dieses Thema (der beginnende Antisemitismus im Europa des frühen 20. Jahrhunderts) einen zweiten Blick verdient, zudem die Autorin hervorragend recherchiert hat. Trotzdem eine deutliche Absage. (RSch)

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