Engel küssen ist gefährlich

Thomas Brezina
Engel küssen ist gefährlich

Wilde Wahnsinns-Engel 1
Egmont Franz Schneider Verlag, München/Köln, 10/2008
PB mit Klappbroschur, Kinder-/Jugendbuch, Fantasy, Romance, Krimi, 978-3-505-12535-5, 204/995
Titelgestaltung von HildenDesign, München
Innenillustrationen von N. N.

www.schneiderbuch.de
www.thomasbrezina.com
www.hildendesign.de

Vicky, Gloria und Nessa sind beste Freundinnen und hecken gern so manches gemeinsam aus. Ihre neueste Idee ist die Liebesdetektei „Wilde Wahnsinns-Engel“, mit der sie verliebten Schülern ihre Dienste anbieten wollen, indem sie herausfinden, ob der Klient bei seinem oder ihrem Favoriten eine Chance hat – natürlich für eine kleine Gegenleistung. Eine Homepage ist schnell gestaltet, doch fehlt noch etwas Wichtiges: ein ansprechendes Motiv als Blickfang.

Auf einem ehemaligen Friedhof befindet sich die Skulptur eines wunderschönen schwarzen Engels, der es Vicky schon seit frühester Kindheit angetan hat. Als sie ihn für ein Foto küsst, gerät die Figur ins Wanken, fällt mit Vicky um und zerbricht. Die Mädchen sind entsetzt und ergreifen die Flucht, um keinen Ärger zu bekommen.

Danach ist Vicky lange Zeit ziemlich deprimiert und verwirrt. Alles wird noch schlimmer, als sie feststellen muss, dass sie plötzlich für andere unsichtbar ist und durch Gegenstände hindurchgehen kann. Unerwartete Hilfe bekommt sie von Azrael, dem wahrlich gefallenen Engel, doch er verrät ihr nicht alles, was sie wissen möchte. Vor allem wenn sie nach dem hübschen Jungen fragt, der stets auftaucht, wo gehasst wird, und der immer wieder mit Vicky tanzen möchte, hüllt sich Azrael in Schweigen… Wer von den beiden ist wirklich Vickys Freund bzw. Feind?

Seit mehreren Jahren schreibt der Wiener Thomas Brezina Kinder- und Jugendbücher, die vielen Leseratten bekannt sind: „Katie Cat“, „Der Grusel-Club“, „Engel & Co“ – um nur einige Beispiele zu nennen.

Zu seinem Erfolgsrezept gehören klassische Genre-Archetypen, die nicht zu detailliert charakterisiert werden, so dass sich Mädchen und Jungen leicht mit ihnen identifizieren und ihr Umfeld in ihnen wieder finden können, ein bekanntes Milieu, das gern mit phantastisch-abenteuerlichen Elementen aufgepeppt wird, eine Mischung aus nachvollziehbaren Problemen und spannenden Ereignissen, eine zeitgenössische, flotte und zugleich altersgerechte Sprache.

Das alles trifft auch auf den Auftaktband „Engel küssen ist gefährlich“ aus seiner neuen Serie „Wilde Wahnsinns-Engel“ zu, die sich an Leserinnen ab 12 Jahren wendet.

Hauptfigur Vicky ist 13 Jahre alt, geht zur Schule, sie hat zwei zuverlässige Freundinnen und versteht sich prima mit ihrer quirligen Mutter Pru und der kleinen Schwester Sally. Seit der Scheidung lebt der Vater bei seiner zweiten Frau Isabella und deren Sohn Gilbert.
Die nervige Isabella lässt nichts unversucht, um Pru als schlechte Mutter darzustellen und ihr die Kinder wegzunehmen. War früher ein intaktes Familienleben als Hintergrund selbstverständlich, so handelt es sich bei den jugendlichen Helden von heute meist um Scheidungskinder, denn das Ideal ist längst nicht mehr die Norm. Die Namen der Protagonisten und locations verraten, dass Anglizismen wieder ‚in’ sind.

Was Vicky und die anderen beschäftigt, ihre Sorgen und Freuden kennt man: Probleme mit der Familie, Angst vor schlechten Noten, Mädchenfreundschaften, die erste große Liebe. Darin eingebettet ist die eigentliche Handlung, der Fantasy-Elemente immer wieder überraschende Wendungen verleihen. Durch den Kuss erhält Vicky die Kräfte eines Engels und muss nun Azraels Aufgabe, den Menschen zu helfen, übernehmen. Nur wenn sie ihre Pflicht erfüllt, kann sie auch wieder sichtbar werden. Durch ein längeres Verschwinden versetzt sie ihre Familie in große Aufregung, doch zum Glück hat sie in Gloria und Nessa zwei treue Freundinnen, die ihr helfen, das erstaunliche Geheimnis zu bewahren.

Es keimen Romanzen, aber sie sind nicht das Wichtigste an der Geschichte, sondern bringen wohl dosiert zusätzliche Würze. Vicky steht zwischen Azrael und dem unbekannten Jungen, dessen Geheimnis sie am Schluss entdeckt. Ein Happy End – mit wem auch immer – scheint ausgeschlossen, doch wer weiß…

Der Autor stellt auch gleich die Weichen für die nächsten Bände: Wird die Liebesdetektei weitere Pärchen zusammenbringen? Finden Nessa und Vicky ebenfalls nette Freunde? Wie lange wird Vicky die Kräfte eines Engels behalten? Wann lüften andere ihr Geheimnis? Wird sie den hübschen Jungen bei der nächsten Aufgabe wieder sehen? Welche Gefahren erwarten sie?

Das Konzept geht auf. Die Zielgruppe wird bestens unterhalten, da die Geschichte alles bietet, was man sich wünscht: sympathische und mysteriöse Charaktere, die ihre Rollen erfüllen, ein vertrautes Setting mit einer guten Prise Fantasy, die für Spannung sorgt, und romantische Verwicklungen mit Traumtypen.

Die „Wilden Wahnsinns-Engel“ dürften vor allem Leserinnen Spaß machen, die Titel wie „Indras Traum“ von Rebekka Hohlbein, „Allerliebste Vampirschwester“ von Sienna Mercer oder „Bis(s) zum Morgengrauen“ von Stephenie Meyer mögen. (IS)

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Wilde Wahnsinnsengel 01. Engel küssen ist gefährlich

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