Geliebter Feind

Cayla Kluver
Geliebter Feind
Alera 1

Legacy, USA, 2009
Piper Verlag, München, 08/2010
HC mit Schutzumschlag und Lesebändchen
Fantasy
ISBN 978-3-492-70216-4
Aus dem Amerikanischen von Henriette Zeltner
Titelgestaltung von Guter Punkt, München unter Verwendung eines Fotos von Melanie Delon/Repr. by Norma

www.piper-fantasy.de
www.caylakluver.com
www.guter-punkt.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

„Alera – Geliebter Feind“ ist der Auftaktband einer romantischen Fantasy-Trilogie der erst 17-jährigen US-Autorin Cayla Kluver, somit ihr Debütwerk und ein beachtliches und stimmungsvolles dazu. Schauplatz der Saga sind zwei Königreiche, die sich im Krieg befinden: Cokyri und Hytancia. In Hytancia verschwanden vor knapp zwei Jahrzehnten 49 Kinder (Jungen), doch man fand nur 48 Leichen – ein Junge blieb verschollen. Sein Schicksal ist seither ungewiss. Den Sagen nach hatte der erste König von Hytancia, um sein neues Reich zu schützen, seinen kleinen Sohn getötet und mit dessen Blut die Grenzen des Reiches umfriedet. Am Ende des Krieges zwischen den beiden Reichen kommt Alera, die Kronprinzessin Hytancias, zur Welt. Sie erzählt ihre Geschichte, die ihrer Welt und ihrer Liebe. Die Handlung beginnt, als sie 16 Jahre alt ist, auf der Schwelle zu ihrem 17. Lebensjahr.

Alera wächst gut behütet mit Miranna, ihrer Schwester (15 Jahre), auf. Umsorgt von ihrem Vater, König Adrik, und ihrer Mutter, Lady Elissia, der Dienerschaft des Hofes und London, ihrem persönlichen Leibwächter (silberne Locken, indigofarbene Augen). Einziger Wermutstropfen für Alera ist: Ihr Vater möchte sie mit dem eitlen, selbstgefälligen, jungen Lord Steldor verheiraten, den er sich neben seiner Tochter auf dem Thron wünscht. Denn es ist Tradition, dass die Thronerbin mit 18 Jahren heiratet und ihr Mann der nächste König wird. Doch Steldor (20 Jahre, charmant, klug, gutaussehend, aber ein aufgeblasener Wichtigtuer) ist Alera unsympathisch, seine Gegenwart und Arroganz verursachen ihr Übelkeit, seine Annäherungsversuche Ekel.

Am 10. Mai, Aleras 17. Geburtstag, verlässt sie während der Feierlichkeit den Festsaal und stößt im Garten des Anwesens auf einen Eindringling, dem ersten Cokyrier, dem sie in ihrem Leben gegenübersteht. Eine weitere Person aus dem Feindesland wird in Gewahrsam genommen: Nantilam, die Hohepriesterin und Schwester des Königs von Cokyri, dem Overlord, der als schrecklicher, bösartiger Kriegsherr gilt. Erstmals hört Alea, dass in Cokyri Frauen mehr gelten als Männer und das Reich führen. Nantilam (umwerfend schön, grünäugig, kinnlanges, dunkelrotes Haar, goldfarbener Teint, schwarz gekleidet) wird von Aleras Vater in den Kerker gebracht.

Alera bemerkt, dass London nachts nicht in seinem Bett liegt, und am nächsten Tag ist die gefangene Hohepriesterin aus dem Verlies verschwunden. Hat London ihr zur Flucht verholfen? Alera behält ihre Beobachtung und Zweifel für sich, trifft sich erneut mit Steldor, um diesen auszuhorchen (über den Ausbruch der Gefangenen), und auch er vertritt die naheliegende Meinung, dass es einen Verräter am Hof geben muss. Alera spricht danach mit ihrer Mutter und erfährt, dass London fast zehn Monate lang Gefangener der Cokyrier war und daher am meisten über sie weiß. Er ist auch der Einzige, der eine Gefangenschaft bei den Cokyriern überlebt hat, und er hat lange gebraucht, das dort Erlebte zu verwinden. Alera fasst sich ein Herz und weiht ihren Vater darüber ein, dass London in jener Nacht, als die Gefangene entkam, nicht in seinem Bett und auch nicht auf seinem Posten (über ihre Sicherheit zu wachen) war. London wird als möglicher Verräter vom Dienst suspendiert und vom Hofe verbannt. Er ist tief enttäuscht, dass Alera ihn verraten und nicht zuerst das Gespräch mit ihm gesucht hat und er überhaupt des Verrats verdächtigt wird. Alera plagt längst das schlechte Gewissen, und sie vermisst ihren langjährigen Leibwächter, zu dem sie ein enges, freundschaftliches Verhältnis pflegte.

Auf Mirannas 16. Geburtstags-Teeparty schwärmen alle Freundinnen der beiden Schwestern von Steldor, und Alera nimmt erstaunt wahr, dass die Freundinnen der Ansicht sind, Steldor mache ihr nicht nur Avancen, weil er nach dem Thron schielt, sondern weil er auch an ihr Gefallen gefunden habe. Dann wird ein weiterer Cokyrier gefangen genommen – mit Londons Hilfe: Narian, über den sich die Gerüchte schnell mehren, vor allem, dass er sehr attraktiv sei. Alera soll ihr erstes Fest selbst ausrichten; dabei will sie sich nach einem potentiellen Ehemann umsehen, um nicht Steldor heiraten zu müssen, und fortan begegnet ihr auch ständig Narian. Er lehrt Alera Selbstverteidigung, und die beiden kommen sich näher, eifersüchtig von Steldor beäugt. Und es geschieht, was der Titel vermuten ließ: Alera verliebt sich in Narian, der sich als der eine von den Cokyriern entführte Junge, dessen Leiche nie gefunden wurde, entpuppt.

So sehr sich Alera zu Narian hingezogen fühlt, so sehr stößt sie Steldors Verhalten und Gegenwart ab. Als ihr Vater auf eine Heirat mit Steldor drängt, gesteht ihm Alera, dass sie Narian liebt und ihn heiraten möchte – und stößt auf rigorose Ablehnung bei ihrem Vater. Auch London warnt sie vor Narian und dass er nicht der sei, der er zu sein vorgebe. Er erzählt ihr die Legende vom blutenden Mond, in der es heißt, dass Hytancia von einem seiner eigenen Söhne, der das Zeichen des blutenden Mondes trägt, besiegt werden kann. London vermutet, dass es sich um Narian handelt. Doch Alera hat ein solches Zeichen auch an Steldors Arm entdeckt. Sie spricht Narian darauf an, der ihr jedoch versichert, nur nach Hytancia gekommen zu sein, um mehr über seine wahre Herkunft und Familie zu erfahren. Dann bittet die Hohepriestern von Cokyri um eine Audienz bei der königlichen Familie und verlangt die Auslieferung von Narian. Doch dieser verschwindet bei einem Überfall, bei dem London schwer verletzt wird …

Viele Fragen stellen sich nun: Wird Alera Narian wiedersehen? Hat die Liebe von Alera und Narian dank ihrer verfeindeten Völker eine Chance? Was wird aus Steldor, der weiter um ihre Hand anhält und der die Wahl von Aleras Vater ist, welcher Narian als neuen König des Landes ablehnt? Auf welcher Seite steht Narian wirklich? Auf der seines Blutes, seiner Herkunft oder der der Cokyrier, die er zu schätzen gelernt hat und von denen er großgezogen und ausgebildet wurde? Wer ist in den Turbulenzen Freund, wer Feind? Wird London den Überfall überleben? Was hat es mit dem Silberring auf sich, den London trägt, und der einst dem Overlord gehört haben soll?

Die junge Autorin schildert feinfühlig und intensiv das Leben und die Personen am Königshof, mit sehr viel Liebe zum Detail, jedoch ohne adjektiv-lastig zu sein. Die Handlung ist packend geschrieben, voller Emotionen – aber niemals kitschig oder schmalzig. Der Band erinnert vom Duktus her an die „Tamír Triad“-Trilogie von Lynn Flewelling (in dt. Erstveröffentlichung bei Otherworld erschienen). Cayla Kluver lässt damit mehr als nur Potential erkennen, der großen Kollegin nachzueifern zu können. Eines verbindet die beiden Autorinnen jetzt schon: die zarte Melancholie, die zwischen den Zeilen schwingt und den Leser leicht umschwebt, ohne dabei den oft schnellen Rhythmus des Lebens von Alera sprachlich zu vernachlässigen. Amüsant sind z. B. zu Anfang des Buches die fast koketten Wortwechsel und Szenen zwischen Alera und London. Überhaupt ist das Buch so flüssig geschrieben, dass man die 553 Seiten in einer Rekordzeit liest, da man „Alera – Geliebter Feind“ nicht mehr aus der Hand legen möchte. Respekt an eine junge Autorin für einen solchen Debütroman! Auch die Aufmachung des Werkes weiß zu überzeugen: edle Hardcoverausgabe mit Aleras Antlitz auf dem Schutzumschlag. Papier und Satz sind erstklassig.

Für alle, die romantische Fantasy jenseits der Schmonzette lieben und für jene, die der Schlachtgemetzel-Fantasy überdrüssig sind, aber auch generell für alle Liebhaber des feinen Lesegenusses ist „Alera – Geliebter Feind“ absolut empfehlenswert: grandioser Debütroman einer Jungautorin, von der man sicher (und hoffentlich) noch viel lesen wird!

Copyright © 2011 by Alisha Bionda (AB)

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