Gesandter des Teufels

Sara Douglass
Gesandter des Teufels

Das dunkle Jahrhundert 4
The Wounded Hawk – The Crucible Book 2 (Part 2), USA, 2001
Piper Verlag, München, 3/2008
HC, Fantasy, 978-3-492-70165-5, 404/1790
Aus dem Australischen von Sara Riffel
Titelgestaltung von HildenDesign, München

www.piper.de
www.saradouglass.com
www.hildendesign.de

Die Saga um „Das dunkle Jahrhundert“ ist in einer Welt angesiedelt, die an das irdische 14. Jahrhundert erinnert. Die deutlichsten Unterschiede bestehen darin, dass Jeanne d’Arc zu einer Zeitgenossin des ‚Schwarzen Prinzen’ gemacht wurde, obwohl fast ein Dreivierteljahrhundert zwischen diesen beiden historischen Figuren liegt. Ganz zur reinen Fantasy wird der Roman durch die Miteinbeziehung von Engeln und Dämonen, die mit den Menschen ihr eigenes Spiel zu treiben scheinen. Auch Magie beeinflusst das Schicksal von Männern und Frauen, obwohl sie eher verhalten eingesetzt wird.

Thomas Neville ist immer noch auf der Suche nach einem Vermächtnis, dessen Hüter er auf Geheiß von Wynkyn de Worde werden soll, einem schon vor dreißig Jahren verstorbenen Mönch. Er hat dem ehemaligen Dominikanermönch ein Buch hinterlassen, mit dem dieser allein die Dämonen eindämmen kann, die sich seit mehr als einer Generationen frei auf der Erde bewegen und die Menschen zu Krieg und Grausamkeiten verführen.

Doch das Werk scheint irgendwo in England verschollen zu sein, und Nevilles Suche wird immer wieder durch Intrigen und Machtspiele der englischen Fürsten behindert und eingeschränkt. Da er auch noch wegen einer Frau seine Gelübde gebrochen hat und wieder in sein früheres Leben als Adliger zurückgekehrt ist, wollen die Obersten seines Ordens ihn zudem bestrafen. Als sie ihn verhaften und einsperren, scheint alles verloren zu sein.

Allerdings hat Thomas Neville mächtige Freunde. Heinrich aus dem Hause Lancaster, auch Hal Bolingbroke genannt, sorgt dafür, dass der junge Ritter wieder frei kommt und zu seiner Frau Margaret zurückkehrt, deren zweite Niederkunft sich langsam aber sicher nähert. So bekommt Neville mit, dass sich in den Monaten seit der Machtergreifung von Richard II Plantagenet viel getan hat. Die Bauern sind im Aufstand und marschieren auf London zu, um den Potentaten zu stürzen, der sie ausbluten lässt. Auch im Adel regt sich Widerstand gegen den unfähigen Herrscher, der einzig an seine Vorteile denkt. Ihr favorisierter Kandidat für die Krone ist Bolingbroke.

Thomas Neville, der bisher Richard II für den von Engelsstimmen und Visionen prophezeiten ‚Dämonenkönig’ gehalten hat, welcher die Menschheit ins Unglück stürzen wird, kommt ins Grübeln, denn nun, wo er sich im Schatten seines alten Freundes aufhält, fallen ihm seltsame Verhaltensweisen auf. Und was hat Margaret, seine Frau, mit Bolingbroke zu schaffen, gegenüber dem sie sich viel zu vertrauensvoll verhält?

Derweil gelingt es Jeanne d’Arc in Frankreich, den König zum Sturm gegen die Engländer zu bewegen und Orleans zu befreien. Sie folgt dabei einer Weisung der Engel, nicht ahnend, dass sie damit ihren Feinden die erste Chance in die Hände gibt, sie zu vernichten.

Nach dem Hundertjährigen Krieg nimmt sich Sara Douglass nun auch noch der Rosenkriege in all ihren Facetten an und verlegt die dramatischen Entwicklungen einfach ein gutes Jahrhundert nach vorne. Passend dazu bleibt sie ihrer Linie treu, vor allem die gewohnte Mischung aus politischen Intrigen am englischen Hof, die derben und recht klischeehaften Schilderungen spätmittelalterlichen Lebens und nicht zuletzt der Irrungen und Wirrungen einer seltsamen Liebe weiter beizubehalten.

Interessanterweise bleiben dabei ihre Charaktere noch weiter auf der Strecke, denn keiner von ihnen ist wirklich sympathisch.

Thomas Neville, der Held, erweist sich wieder einmal als engstirnig und kleingeistig, sein Verhalten bleibt weiterhin das eines störrischen Jungen, der Leidenschaften über den Verstand stellt, und man fragt sich inzwischen, wie er eigentlich seine Feinde besiegen will.

Hal Bolingbroke und auch Margaret wirken zwar weitaus freundlicher, aber man merkt selbst ihnen an, dass ihr Liebreiz eher aufgesetzt ist und sie im Grunde nur ihre eigenen Interessen verfolgen und nichts weiter. Nun endlich erfährt man, was sie sind und ahnt, dass auch die Engel und himmlischen Stimmen nicht die Heilsbringer sind, die man bisher noch in ihnen gesehen hat. Aber auch das kann nicht mehr wirklich faszinieren, da die Figuren, die die Handlung tragen sollten, an Substanz verlieren und den Leser immer mehr abstoßen, statt an die Geschichte zu binden.

Das ganze spickt die Autorin noch mit Ausbrüchen von Dramatik, Brutalität und Kitsch, die sie zwar William Shakespeare abgeschaut haben mag, an dessen Wortgewalt sie aber bei weitem nicht heran kommt.

Letztendlich ahnt man die Überraschungen schon weit voraus und kann sich nun auch denken, was in den letzten Bänden passieren mag, da die Andeutungen handfest und schon gar nicht mehr kryptisch sind.

Der phantastische Aspekt der Saga bleibt weiterhin sehr verhalten und scheint eher Mittel zum Zweck als tragendes Handlungselement zu sein.

„Gesandter des Teufels“ ist der bisher schwächste Band der Serie. Es mag zwar einige Enthüllungen geben, die die Intrigenspiele an den Königshöfen und die derben menschlichen Leidenschaften zwischen Mann und Frau um einiges plausibler machen – aber nicht wirklich fesselnd beschrieben werden.

Die Autorin hat in ihrer Lust an verzwickten und bösartigen Beziehungsgefügen vor allem eines vergessen: ihren Figuren einen zumindest in Grundzügen sympathischen und interessanten Charakter zu geben, der die Handlung wirklich zu tragen vermag.

Stattdessen genießt sie es immer mehr, in Superlativen abzugleiten, so wie sie es auch schon in ihren vorherigen Zyklen getan hat, nur das diesmal nicht Götter sondern die Engel und Menschen die entsprechenden Rollen einnehmen. (CS)

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Das dunkle Jahrhundert 04. Gesandter des Teufels

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