Kunchomer Pfeffer: Schattenflüstern

schattenflusternEevie Demirel & Marco Findeisen
Kunchomer Pfeffer: Schattenflüstern

Das schwarze Auge 104
Fantasy Productions, Erkrath, 12/2008
TB, Fantasy, 978-3-89064-237-6, 336/900
Titelillustration von Alan Lathwell
Karte von Ralf Hlawatsch

www.fanpro.com
http://alanlathwell.deviantart.com/
http://alanlathwell.cgsociety.org/gallery/

Eine Fantasy-Welt bekommt durch die kleinen Geschichten oft mehr Profil, als wenn immer nur die großenSchlachten oder ganze Länder verändernde Geschehnisse bzw. der Kampf zwischen guten und bösen Magiern oder Göttern beschrieben werden. Genau das hat die Buchreihe zum Pen-und-Paper-Rollenspiel „Das schwarze Auge“ gegenüber anderen Romanen zu Spielwelten immer ausgezeichnet.

Ein überwiegender Teil der Geschichten bewegt sich nämlich nicht unter den mächtigen Meisterfiguren, sondern zeigt, wie ganz normale Menschen in Abenteuer schliddern, mit denen sie eigentlich gar nichts zu tun haben wollen. Das ist auch bei „Schattenflüstern“, der ersten Geschichte um den „Kunchomer Pfeffer“, der Fall.

Eevie Demirel und Marco Findeisen begeben sich in ihrem Debüt in ‚das Land der ersten Sonne’. Kunchom ist von den Ereignissen, die den Norden Aventuriens im Jahr 1027 BF erschüttert haben weitestgehend unberührt geblieben. Alles geht seinen gewohnten Gang: Man handelt, feiert und lebt. Auch die Stadtgarde wird nicht arbeitslos, selbst wenn einige ihrer Angehörigen wie Kasim ben Gaftar, ein gläubiger Novadi, eine ruhige Kugel schieben wollen. Er hält gegen Schmiergeld schon einmal die Klappe und lässt Raub oder sogar Mord unter den Tisch fallen – denn was machen die schon außer unnötiger Arbeit und Stress?

Sein Kamerad Deniz ibn Seyshaban ist leider von einem ganz anderen Kaliber, was Kasim zu spüren bekommt, als eine Leiche in der Taverne seines Onkels auftaucht.

Der Tulamide Deniz mag zwar dem Wein all zu gerne zusprechen und immer wieder auch betrunken seinen Dienst ableisten, ist aber leider auf der anderen Seite unbestechlich und will um jeden Preis die Gerechtigkeit siegen lassen. Auch gutes Zureden hält ihn nicht davon ab, nach dem Mörder zu suchen.

In Verdacht gerät dabei der almadanische Streuner und Tagedieb Federigo Manaldo Sforigan, der zur falschen Zeit am falschen Ort ist. Obwohl er eigentlich nur nach Kunchom gekommen ist, um hier ein wenig Geld zu machen und sich zur Ruhe zu setzen, wird ihm dies schon bald missgönnt, denn ungünstige Umstände und ein Gegenstand, der in seinen Besitz gelangt, machen nun auch den Mörder zusätzlich zu der Garde auf ihn aufmerksam.

Das kompliziert das Verwirrspiel. Und so tut sich schon bald für alle Beteiligten eine Schlangengrube von Verrat, Intrigen und düsterer Zauberei auf, aus der es kein Entkommen zu geben scheint.

Der Schwerpunkt des Romans liegt zum einen auf der verzwickten Kriminalgeschichte, die so gut wie ganz auf übernatürliche Elemente verzichtet, und nicht zuletzt auf der stimmungsvollen Beschreibung der Stadt und ihrer Bewohner. Die Autoren nehmen sich sehr viel Zeit, die Figuren auszuarbeiten und ihnen Leben zu geben, dabei das Szenario im Stil von „Tausendundeiner Nacht“ möglichst stilgerecht darzustellen.

Nebenbei kommt auch der Humor nicht zu kurz, denn die Figuren tappen in ihrer Menschlichkeit auch schon einmal körperlich oder mit ihren Worten in arge Fettnäpfchen.

Auf der anderen Seite führt das allerdings dazu, dass die Geschichte nur sehr gemächlich ihren Lauf nimmt und gerade zum Ende hin mehrfach ins Stocken gerät, weil Marco Findeisen und Eevie Demirel den roten Faden aus den Augen verlieren. So erscheint die Auflösung etwas zu einfach, ist aber wenigstens weitestgehend logisch.

Alles in allem ist „Kunchomer Pfeffer: Schattenflüstern“ einer der besseren Romane der Reihe. Er kann mit lebendigen Schilderungen und einer ungewöhnlichen und spannenden Geschichte jenseits vieler Klischees aufwarten; allein das letzte Drittel verliert etwas, da die Autoren ihre Fäden nicht ganz so weiter verfolgen, wie sie sollten. (CS)

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