Letzte Rettung für Gan

Uwe Buß
Letzte Rettung für Gan
Gan-Trilogie 3

SCM Kläxbox im SCM Verlag, Witten, 08/2013
HC, Kinderbuch, Fantasy
ISBN 978-3-417-28604-5
Titelgestaltung von Marc Robitzky, ZKY-Design
Vignette im Innenteil von N. N.
Bibelverse aus „Elberfelder Bibel 2006“, SCM R. Brockhaus im SCM-Verlag, Witten, 2006

www.scm-kläxbox.de
www.zky-design.de

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Uwe Buß promovierte an der Philipps-Universität Marburg und ist seit 2005 als Pfarrer tätig. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Zweifellos zog er aus Beruf und Familienleben die Inspiration für die „Gan“-Trilogie, die in erster Linie an Leser in einem Alter von 8 bis 10 Jahre adressiert ist. „Letzte Rettung für Gan“ ist der dritte in sich abgeschlossene Band nach „Das Amulett von Gan“ und „Finsternis über Gan“. Auch ohne Vorkenntnisse kann man das Buch problemlos lesen, da es zwischen den Protagonisten keine komplizierten Beziehungsstrukturen gibt und bloß am Rande auf frühere Ereignisse Bezug genommen wird.

Auf der ganzen Welt ereignen sich Katastrophen, und niemand bleibt von den Krisen verschont. Wer kann, zieht sich in seine vier Wände zurück und hofft, dass sich die Situation entspannt, bevor die Ressourcen aufgebraucht sind, die Infrastruktur und das mediale Netzwerk gänzlich zusammenbrechen. In Deutschland sorgt sich Finn um seine Familie und seine Freunde: Pendo aus Südafrika, den Indianer Joe aus Nordamerika und Chika aus Japan. Er beschließt, in das geheimnisvolle Land Gan zu reisen, weil er glaubt, dass dort etwas Schlimmes geschehen ist, das für die aktuelle Lage auf der Erde verantwortlich ist. Zu seiner großen Freude schaffen auch seine Kameraden den Wechsel, obwohl sie diesmal nicht gerufen wurden, sondern sich selbst einen Weg suchen mussten.

Was sie vorfinden, ist ein wüstes, verlassenes Gan, und von ihren Freunden dort fehlt jegliche Spur. Stattdessen werden sie von Schwarzalben angegriffen, denen sie nur knapp entkommen können. Ein Bergmännchen, das dem Verdursten nahe ist und von ihnen gerettet wird, erzählt ihnen, was sich zugetragen hat. Allerdings führt er die vier Teenager in eine Falle, und jetzt erst wird ihnen klar, dass alles noch viel Schrecklicher ist, als sie gedacht haben – und ein Ungeheuer muss besiegt werden …

Die „Gan“-Trilogie entpuppt sich als kindgerecht aufbereitete Öko-Fantasy, kommt hinsichtlich der recht jungen Hauptzielgruppe aber dennoch ziemlich grausam daher. Auch Grundschüler sind nicht taub und blind für Nachrichtensendungen und können sich ängstigen angesichts der geschilderten Katastrophen, die von der Realität nicht weit entfernt sind. In Gan gibt es Todesopfer, weniger auf Seiten der Sympathieträger, umso mehr dafür in den Reihen der Schwarzalben. Chika, Finn, Joe und Pendo tragen Waffen, mit denen sie im Kampf so manchen Gegner niedermachen. Hier vermisst man, dass die Kinder angemessene Furcht empfinden, denn ohne großes Nachdenken stellen sie sich immer wieder Gegnern, die ihnen an Kampfgeschick, Erfahrung und Equipment überlegen sein sollten (auch wenn sie keine magischen Taschen besitzen, in denen sich immer das Notwendige befindet) und die relativ leicht zu besiegen sind. Selbst Mitleid zeigen die Protagonisten keines, denn dieser Feind wird als durch und durch böse und gnadenlos beschrieben im Kontrast zu den Guten, die alles geben, um die Bedrohung für Gan und damit auch für die Erde abzuwehren.

Geraten die Teenager in eine Falle, können sie sich entweder durch einen Trick befreien (wobei die Zaubertaschen hier etwas mehr hätten bieten dürfen) oder erhalten rechtzeitig Hilfe von Freunden, die sich versteckt hielten. Der Feind erweist ich nicht nur als böse, sondern auch als dumm, so mühelos, wie er sich immer wieder überrumpeln lässt. Letztendlich schaffen es die Besucher von der Erde und ihre einheimischen Verbündeten, bis zu dem Ungeheuer vorzudringen, das an allem Unheil schuld ist, wie schon in der jüdisch-christlichen Mythologie (Symbol für Chaos, Ferne zu Gott, Sündhaftigkeit). Nachdem viel diskutiert wurde über Gut und Böse und die Motive dieses Wesens und seiner Handlanger, kommt es zum finalen Kampf und einem ‚Tolkienschen Ende‘.

Klappt man die Lektüre zu – Ende gut, alles gut; keiner hat daran gezweifelt -, ist man doch ein wenig enttäuscht: die Schwarz-Weiß-Malerei, schablonenhafte (Haupt-) Figuren, die sich nicht weiterentwickeln, eine typische Queste ohne richtige Spannungsspitzen mit vorhersehbarem Ende. Auch die Messages, die man hätte einbauen können, die man tatsächlich erwartet hat (Freundschaft kennt keine Ländergrenzen, die Gemeinschaft macht stark, Pazifismus, gerechte Verteilung der Ressourcen, Umweltschutz etc.), fehlen oder gehen in der oberflächlichen Handlung unter.

Der Autor wird sich bei seiner Geschichte schon etwas gedacht haben, aber was er dem Leser vermitteln möchte, bleibt leider auf der Strecke. Infolgedessen ist „Letzte Rettung für Gan“ ein Kinderbuch, das sich bekannter Genre-Archetypen und Versatzstücke bedient und bemüht wirkt. Bezüglich der Charaktere hätte man sich mehr Individualität, mehr altersgerechtes Handeln und Denken gewünscht und im Rahmen der Queste einige frische Ideen. Für sehr junge Leser ist das Buch stellenweise zu grausam und langatmig, während sich das etwas ältere Publikum mehr Spannung und detaillierter gezeichnete Identifikationsfiguren erhofft hätte.

Copyright © 2013 by Irene Salzmann (IS)

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