Meridian – Dunkle Umarmung

meridianAmber Kizer
Meridian – Dunkle Umarmung

Meridian, USA, 2009
PAN, München, 10/2009
SC mit Schutzumschlag und Lesebändchen, Fantasy
ISBN 978-3-426-28301-1
Aus dem Amerikanische von Karin Dufner
Titelgestaltung von ZERO Werbeagentur, München unter Verwendung eines Motivs von Gettyimages

www.pan-verlag.de/
www.amberkizer.com/

Titel erhältlich unter Buch24.de
Titel erhältlich unter Booklooker.de

Meridian verfügt über die Gabe, die Seele Sterbender in den Himmel führen bzw. ihnen auf ihrem Weg helfen zu können. Das handelt ihr wenig schmeichelhafte Bezeichnungen wie ‚Todesbotin’, ‚Totengräberin’ oder ‚Hexe’ ein. Am 21. Dezember – Meridians 16. Geburtstag -, erfährt sie, dass sie kein Mensch sondern ein Engel, ein Wesen, das man Fenestra nennt, ist. Von einen Tag auf den anderen ändert sich mit diesem Geburtstag das Leben des Mädchens. Sie wird zu ihrer Tante Merry nach Colorado geschickt und somit bewusst von ihrer Familie getrennt. Ein Brief, den ihr ihre Mutter mitgibt, bringt ersten Aufschluss für Meridian, warum sie gehen musste: Sie soll fortan das Leben einer Fenestra führen, weil sie etwas Besonderes ist – mit einzigartigen Gaben und Talenten gesegnet, aber dadurch auch mit einer großen Verantwortung versehen.

Das Haus der Tante entpuppt sich als gewaltig, mit Türmchen, Giebeln und riesigen Kaminen. Die Tante dagegen ist eher zierlich, mit platinblondem Haar und hellblauen Augen. In ihrem Haus lebt auch Tens – Tenskatawa Valdes –, ein hoch gewachsener, schwarzhaariger junger Mann, der sich Meridian gegenüber anfangs sehr ablehnend verhält. Im Gegensatz zu ihm zeigt sich Custos, der Wölfin der Tante, aufgeschlossen. Meridian erfährt endlich, was eine Fenestra ist (Tür zum Paradies/zum Jenseits) und dass auch Tens kein normaler Mensch ist; er sieht Dinge vorher, in seinen Träumen oder Gefühlen. Doch der Besuch bei ihrer Tante bleibt nicht lange unentdeckt, und schon bald hat es Meridian mit Gegnern zu tun, die nicht nur ihrer Tante schaden wollen, sondern auch ihr. Eine religiöse Sekte, Abgesandte des Teufels, die sich um den charismatischen, schönen, blonden Reverend Perimo geschart haben, gewinnen immer mehr Macht in der Kleinstadt, vertreiben alteingesessene Bürger und nehmen deren Platz ein.

Perimo sagt das Jüngste Gericht voraus für das bevorstehende Dreikönigsfest (6. Januar) und verunglimpft Meridians Tante wegen ihrer angeblich ‚heidnischen Praktiken’ und der ‚Hexerei’. Dann verschwindet Celia Smithson, ein kleines Mädchen, aus der Stadt. Tens und Meridian suchen nach Celia. Sie finden sie mit dem Fuß in einer Tierfalle und bemühen sich, sie zu befreien und zu retten, doch das Kind stirbt. Als der Reverend auftaucht, macht Meridian das erste Mal mit ihm Bekanntschaft. Er gibt sich nach außen hin freundlich, bedroht sie aber, indem er ihr zuflüstert, dass man sie beobachte, sprich, im Auge habe. Erstmals hört Meridian von ihrer Tante von den Aternocti, die den Fenestrae schaden und sie töten wollen. Und Meridian stellt sich die Frage ob der Reverend und seine Anhänger Aternocti sind.

Meridian erhält von ihrer Tante deren Tagebuch bzw. das der Fenestrae, der Frauen ihrer Familie, das diese immer weitergeführt haben. Dann hört sie von Tens, dass ihre Tante (106 Jahre alt, Fenestrae werden nicht älter) nicht mehr lange zu leben hat und Meridian ihr beim ‚Übergang’ helfen soll. Meridian beginnt die Tagebucheintragungen zu lesen und erfährt mehr über die Fenestrae – z. B., dass sie am 21.12., Punkt Mitternacht, ihren ersten Schrei ausgestoßen haben müssen. Doch Meridian findet auch mehr über Tens heraus und dass sein Schicksal mit ihrem verknüpft sein soll, dass er einer der vom Schöpfer geschaffenen Kriegerengel ist, die immer eine Fenestra bewachen – somit ist Tens Meridians ‚Wächter’, in den sie sich längst verliebt hat. Der Reverend breitet sich immer mehr in der Kleinstadt aus und lässt eine luxuriöse Kathedrale bauen. Tens Nachforschungen bringen zu Tage, dass der Reverend förmlich aus dem Nichts gekommen ist. Der ‚Geistliche’ ruft seine Gemeinde in einer Predigt auf, das Böse zu bekämpfen – Meridian, Tens und Meridians Tante –, und er gibt Meridian die Schuld am Tod der kleinen Celia. Meridian, ihre Tante und Tens geraten immer mehr in Bedrängnis und Gefahr …

Die Autorin hat einen angenehm minimalistischen Stil, erreicht dadurch einen optimalen Lesefluss und gerade aus dem Grund eine spielerische Lebendigkeit und dennoch Tiefe, da sie auf Charaktere setzt: im Falle dieses Werkes auf drei starke Persönlichkeiten (Meridian, ihre Tante und Tens), die den Leser in ihren Bann ziehen. Amber Kizer zeigt deutlich, dass weniger mehr ist und überzeugt auf ganzer Linie. Dabei greift sie auf leichte, respektvolle Weise ein Tabuthema auf: den Tod – und nimmt ihm durch ihren Plot und ihre Ansichtsweise das Düstere. Von daher ist „Meridian – Dunkle Umarmung“ nicht ein weiterer der herkömmlichen Fantasy-Ttitel, sondern ein Buch, das nachdenklich stimmt, auch was die anderen in dem Roman behandelten Themen, wie z. B. Diffamierung, angeht. Wer denkt, gute Unterhaltung wäre anspruchslos oder Denkanstöße müssten zwangsläufig mit erhobenem Zeigefinger daherkommen, wird hier eines Besseren belehrt.

Die Aufmachung des Titels erfreut ebenso wie der Inhalt: Vor den Kapiteln findet sich ein immer wiederkehrendes Motiv. Das Format des Buches ist wundervoll handlich. Auch das Cover ist eine Augenweide und der Buchumschlag von guter Qualität. Ein rundum empfehlenswerter Fantasy-Roman, der erstklassig geschrieben ist, von der ersten bis zur letzten Seite unterhält – und ein wichtiges Thema aufgreift!

Copyright 2010 © by Alisha Bionda (AB)

Titel erhältlich unter Buch24.de
Titel erhältlich unter Booklooker.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.