Die verlorene Stadt

Philip Reeve:
Mortal Engines – Die verlorene Stadt

Originaltitel: A Darkling Plain (2006)
Dt. Erstausgabe: Juni 2019 (Fischer Verlag/Fischer TOR 70215)
Übersetzung: Nadine Püschel u. Gesine Schröder
Umschlaggestaltung: Guter Punkt, München unter Verwendung eines Motivs von Ian McQue
575 Seiten
ISBN 978-3-596-70215-2

von Gunther Barnewald

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Ungeachtet aller Befürchtungen hat es Fischer Tor tatsächlich geschafft, die vier Kernbände der wunderbaren „Mortal-Engines“-Serie zu veröffentlichen, ohne sie (wie zuvor bereits zweimal geschehen) zwischendurch abzubrechen. Leider ist nach wie vor nicht absehbar, ob die drei Prequel-Bände und/oder der Storyband ebenfalls in Deutschland erscheinen. (Obwohl der Verkauf bisher wohl recht zufriedenstellend lief, erscheint beides eher unwahrscheinlich, wird aber nicht ausgeschlossen, verlautet es aus der Pressestelle des Verlags).

Zum Abschluss fährt Reeve noch einmal alles auf, was die Serie zu bieten hatte. Kein Wunder, dass Buch 4 mit beinahe 600 Seiten deutlich voluminöser geraten ist als die Vorgängerbände. Aber Reeve hat auch viel zu erzählen. Er führt alle Handlungsfäden und Figuren in dieser Erzählung zusammen. Vor allem gelingt ihm ein fulminantes, durchgängig spannendes Finale, welches die Serie insgesamt aufwertet. Mit Ausnahme des zweiten Bandes, der leicht abfiel, schuf der Autor eine der herausragenden SF-Serien (auch wenn Fischer Tor sie als „Fantasy“ bewirbt) der letzten beiden Jahrzehnte.

Zur Handlung: Während es dem jungen Fishcake gelang, den Stalker – der aus Anna Fang ‚entwickelt‘ wurde – zu retten und wieder zusammenzusetzten, rettet Theo Ngoni der Frau von General Naga, dem Führer des grünen Sturms, das Leben. Sie hatte ihren Mann überzeugt, Frieden mit den Feinden aus den Traktionsstädten zu schließen und dem gegenseitigen Töten ein Ende zu setzen. Mit dem Ziel, die Erde wieder grün zu machen und die Menschen zur Festansiedlung zu bewegen, befindet der grüne Sturm sich auf einem nachhaltigen und nachvollziehbaren Weg.

Währenddessen besucht Wren mit ihrem Vater Tom Natsworthy die Trümmer des zerstörten London. Sie entdecken, dass die dortigen Ingenieure einen Neuansatz für die Lösung aktueller Probleme entwickelt haben, indem sie eine schwebende Stadt konstruierten.

Als General Nagas Gattin entführt und der sie begleitende Theo Ngoni schwer verletzt wird, tauchen zufällig/ausgerechnet Hester Natsworthy und der sie begleitende Shrike auf. Theo kann befreit und gerettet werden, doch der Krieg bricht erneut aus, und alle fallen übereinander her.

Zur gleichen Zeit wird im Erdorbit ein altes Relikt aktiviert. Es könnte das Schicksal der Menschheit für immer besiegeln. Nach und nach setzt sich die Erkenntnis durch, dass es eigentlich nur zwei zerstrittene Parteien gibt. Alle, die die Menschheit retten wollen, stehen auf derselben Seite. Wer plant also die Auslöschung der Menschheit? Bis zum Schluss bleibt offen, welche Seite sich durchsetzt. Bis es soweit ist, kann man als Leser sogar die defätistische, menschenhassende Seite durchaus verstehen. Doch wäre es wirklich gut, das Kind mit dem Bade auszuschütten?

Trotz des Umfangs dieses vierten Bandes gelingt Autor Reeve ein atemberaubendes und packendes Abenteuer, welches einen kaum vor der letzten Seite aus den Fängen lässt. Liebevolle Anspielungen wie z. B. die Hommage an die berühmte Finalszene aus John Boormans Film-Meisterwerk „Zardoz“ sorgen dafür, dass der Abschluss der Geschichte nicht zu sentimental ausfällt. (Etwas rührselig wird es trotzdem.)

Die „Mortal-Engines“-Serie endet leider (viel zu) früh bzw. solange es am schönsten ist. Dies beherzigt der Autor vor allem im Handlungsstrang um die Familie Natsworthy und ihre Freunde, Bekannte, Verbündete und Halbfeinde: Das ist auch gut so!

Trotzdem würde man gern weitere Abenteuer aus dieser verrückten Zukunftswelt lesen, in der raupenkettenbetriebene Städte im Kampf mit anderen Städten über eine verheerte Erde ziehen, auf der das Überleben ein ständiger Kampf ist. Und da es weitere Bände gibt … Wie heißt der Spruch: Die Hoffnung stirbt zuletzt! (Für Pessimisten: Aber sie stirbt!).

Copyright © 2019 by Gunther Barnewald

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Mortal Engines – Krieg der Städte

Mortal Engines – Jagd durchs Eis

Mortal Engines – Der grüne Sturm

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