Nachtreiter

Daniela Knor
Nachtreiter

Piper, München, 10/2008
PB mit Klappbroschur, Fantasy, 978-3-492-70161-7, 475/1695
Titelbildgestaltung von HildenDesign

www.piper.de
www.daniela-knor.de
www.hildendesign.de

Die ersten Werke der 1972 geborenen Autorin Daniela Knor, die inzwischen mit ihrem Mann in Würzburg lebt, waren auf Aventurien angesiedelt, der Welt des Rollenspiels „Das Schwarze Auge“. Durch ihre beiden Romane für die Reihe „Rhiana die Amazone“ bekam sie nun die Chance, einen Roman zu veröffentlichten, der nicht an einen lizenzierten Hintergrund gebunden ist. „Nachtreiter“ ist ein in sich geschlossenes Werk, kann aber durchaus auch zum Auftakt eines ganzen Romanzyklus’ werden, da das Ende offen genug bleibt.

Hilflos stehen die Phykadonier den finsteren Wolken gegenüber, die das Land immer mehr verdunkeln. Viele der Nomaden und Viehzüchter haben Angst und wissen nicht, was sie tun sollen. Nur die Steppenreiter Braninn und Grachann beschließen zu handeln und reiten in das Lager des Heerführers Ertann. Doch als dieser sich nicht an den Vorkommnissen stört und die Krieger stattdessen zu einem Angriff auf das Nachbarland Sarmyn aufstachelt, ahnen sie, dass der Anführer ihres Volkes vielleicht mehr mit der Dunkelheit zu tun hat, als alle anderen auch nur ahnen.

Nachdem sie ihre Bedenken ausgesprochen haben, sind die jungen Männer ihres Lebens nicht mehr sicher und fliehen. In ihnen macht sich eine bittere Erkenntnis breit. Vielleicht ist Ertann nur dann zu stürzen und ihr Volk zu retten, wenn sie die Nachbarn vor dem drohenden Verhängnis warnen.

Doch auch in Samyn herrscht bloß äußerlich Frieden. Machtgier, Intrigen und Verrat wuchern hinter den Kulissen und bedrohen das Königtum, ohne dass jemand etwas davon merkt. Das trifft auch auf die Ritter Arion und Regin zu, die ihre eigenen Rivalitäten pflegen. Erst eine seltsame Reisende rüttelt sie auf. Ähnlich sieht es mit der jungen Sava aus, die glaubt, keine wahre Priesterin sein zu können, weil sie die Rituale und Gebete nicht so verinnerlichen kann wie andere. Deshalb bricht sie zu einer für sie wichtigen Pilgerreise auf.

Zusammen mit den beiden Steppenkriegern und der geheimnisvollen Reisenden sind die zwei Samyner die einzigen, die einen Sieg der Dämonen jetzt noch aufhalten können.

Auch in „Nachtreiter“ tritt wieder das Talent der Autorin zu Tage, mit nur wenigen Worten und Beschreibungen Figuren und Völker zum Leben zu erwecken. Daniela Knor hat keine Probleme damit, in ihre Welt einzuführen und die Charaktere vorzustellen. Da sie konsequent aus der Sicht der Personen erzählt, bekommt man etwas mehr von deren Innenleben – Gedanken und Gefühle – mit. Selbst die Gegenspieler schließt sie nicht aus, so dass man eine Ahnung von den Motiven und Beweggründen erhält, die diese antreiben. Das bedeutet allerdings nicht, dass sie dabei sonderlich in die Tiefe geht. Man erfährt von den Figuren nur so viel wie für die Handlung nötig ist.

Diese ist zwar eigentlich recht geradlinig, wirkt aber komplizierter, weil sie durch die konsequent durchgezogene Erzählweise aus der Sicht der Figuren immer wieder von der einen zur anderen springt und man schon sehr genau nach verfolgen muss, wer nun mit wem und wie agiert. Insgesamt folgt die Autorin dabei den klassischen Handlungsmustern des Rollenspiels: Eine kleine Schar unterschiedlicher Charaktere, die teilweise sogar Feinde sein müssten, rauft sich für eine Weile zusammen, um das Unheil aufzuhalten. Doch kann ihnen das wirklich gelingen, wenn sie im Herzen weiter uneins sind?

Wem die „Das Schwarze Auge“-Romane von Daniela Knor schon gefallen haben, der wird sich auch mit „Nachtreiter“ keinen Fehlgriff leisten. Diejenigen, denen die Autorin noch unvertraut ist, können sehr lebendig geschriebene und personenbezogene Abenteuerkost erwarten, die eher an das Rollenspiel erinnert als an klassische High-Fantasy à la Tolkien. (CS)

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