Nebelufer

Nebelufer
Jaleigh Johnson
Ed Greenwood präsentiert Tiefwasser Band 2

(sfbentry)

Feder und Schwert Taschenbuch (2011)
Übersetzung: Daniel Schumacher
392 Seiten, ISBN 978-3-86762-079-6

Mit „Nebelufer“ ist der zweite Teil der Reihe „Ed Greenwood präsentiert Tiefwasser“ auf Deutsch beim Mannheimer Verlag Feder und Schwert erschienen. Wie sein Vorgänger spielt er ebenfalls in der Stadt Tiefwasser. Das war es aber auch schon an Gemeinsamkeiten. „Nebelufer“ steht für sich alleine und Kenntnisse aus dem Roman „Schwarzstabs Turm“ sind unnötig.

Mit dem zweiten Teil der Quadrologie ist absehbar, dass es sich bei der Reihe um eine Mogelpackung mit minderwertigem Inhalt handelt. Zum Einen ist der Titel bereits Augenwischerei, denn vor allem sind die Begriffe „Tiefwasser“ und „Ed Greenwood“ prominent als Reihentitel zu lesen, das „präsentiert“ verschwindend klein. Allerdings passt es zur dürftigen Coverillustration, die von Andrew Jones stammt. Die Illustration ist zu dunkel und auf einem Taschenbuch eindeutig zu klein. Die Details gehen allesamt unter. Das ist, angesichts des Motivs, vielleicht ein Segen.

Der Roman selbst handelt von der jungen Frau Icelin, die magisch begabt ist, deren Vergangenheit im Dunkeln liegt und die niemals etwas vergisst. Sie hat das perfekte Gedächtnis. Eines Tages trifft sie zufällig mit einem Elfen namens Cerest zusammen. Beide verbindet eine gemeinsame Vergangenheit, doch davon hat Icelin keine Ahnung. Trotz perfektem Gedächtnis hat sie sämtliche Erinnerungen an Cerest in einen Teil ihres Verstandes eingeschlossen, den sie nicht so einfach betreten kann, betreten will. Warum das so ist, das erfährt der Leser im Verlauf des Romans auf den letzten Seiten des Buchs. Allerdings sind die Gründe ziemlich bescheuert und Icelin hat nicht nur das auslösende Ereignis verdrängt, sondern auch die ganze Zeit danach. Ein ziemlicher Murks der Autorin Jaleigh Johnson.

Diese scheint im Universum der „Dungeons & Dragons“- und „Vergessene Reiche“-Romane ein neuer Stern zu sein. Leider, denn Johnsons Schreibe haftet der Geruch des Fandom an. Aus den Reihen der Fans mag sicherlich das ein oder andere Talent herausragen, aber die breite Masse ist einfach schlecht. Und jener schlechter Stil aus mangelnder Lebenserfahrung, angedachtem Weltschmerz und glitzernder Romantik findet sich im Roman wieder.

Jaleigh Johnson hat zudem weder ein Charakterkonzept, noch eine Ahnung wohin ihre Handlung läuft. Stattdessen mutet die Geschichte wie ein Roadmovie an, allerdings ohne tiefgehende Weisheiten, echte Dramatik oder gar tolle Bilder. Und die ganze Geschichte spielt sich in einem einzigen Viertel Tiefwassers ab. Zudem hat Icelin ihr ganzes Leben scheinbar auch nur in einer einzigen Straße gelebt. Und das in solch einem Drecksloch wie Tiefwasser, dem beim Umbau des bisherigen Welthintergrunds sämtliche Schutzmagie abhanden gekommen scheint. Alles ist nun unbändig, wild und kaum zu kontrollieren. Selbst in Tiefwasser. Dieser unsägliche Schnitt in die „Vergessenen Reiche“ ist schon grauenhaft. In Kombination mit einem solchen Roman wird die Sache beinahe unerträglich.

Johnson nimmt in „Nebelufer“ das gleichnamige Stadtviertel unter die Lupe und führt ihre Leser dabei durch allerlei Winkel der Wracks, Decks und Inseln aus denen Nebelufer besteht. Dabei geht sie zwar detailliert vor, aber da im Buch keine Karte vorhanden ist und die Beschreibungen oberflächlich bleiben, gibt es keinerlei echte Orientierung. Überhaupt fallen Beschreibungen Johnson schwer. Sie sind weder bildhaft, noch nachvollziehbar. Zudem hat die Autorin, wie ein spielendes Kind, die Angewohnheit einfach mal überraschend Änderungen einzubauen. Da fallen Romanfiguren tot um und springen kurzerhand wieder auf, weil sie sich in einer gefährlichen Situation nur totgestellt haben. Zudem wechseln die Figuren zwischen besonders klug und strohdumm, ist die Magie der Reiche einmal mächtig und dann wieder auf dem Niveau eines Kindergeburtstags.

„Nebelufer“ zu lesen macht einfach keinen Spaß. Es hakt an allen Seiten und das Buch ist nicht einmal ein Rohdiamant der auf seinen Schliff wartet, das hier ist nur ein schäbiger Kiesel vom Straßenrand. Auch der verwendete Sprachschatz ist ein graus, mag es nun am Original oder an der Übersetzung durch Daniel Schumacher liegen. Letzteres ist eigentlich auszuschließen, da Schumacher bisher stets hervorragende Übersetzungen aus dem Bereich „Dungeons & Dragons“ ablieferte. Aber moderne Worte sind in einem Fantasyroman einfach störend. So werden die Zuschauer eines Arenakampfes ganz profan als „Fans“ tituliert. Hier hätte das Lektorat eigentlich einschreiten müssen, aber das hätte schlussendlich wohl bedeutet den Roman neu zu schreiben.

Mit „Nebelufer“ liefert Jaleigh Johnson schlechte Massenware ab. Dem Roman mangelt es an Spannung, Dramatik, Humor, Logik und – vor allem – Nachvollziehbarkeit. Die Geschichte wirkt wie ein Abklatsch von Computerspielen und Kinofilmen. Das dürfte dann auch mit dem Background der Autorin zusammenpassen, über den einiges im Buch und den Accounts der Autorin bei Facebook, Twitter und Livejournal zu lesen ist.

Copyright © 2011 by Günther Lietz

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