Rubinrot – Liebe geht durch alle Zeiten 1 (von 3)

rubinrotKerstin Gier
Rubinrot – Liebe geht durch alle Zeiten 1 (von 3)

Arena Verlag, Würzburg, 1/2009
HC, Jugendbuch, Fantasy 06334, 978-3-492-06334-8, 352/1495
Titelillustration von Eva Schöffmann-Davidov
www.arena-verlag.de
www.rubinrotlesen.de

Die 1966 geborene Kerstin Gier hat zwar Diplompädagogik studiert, aber als länger keine Stelle in Aussicht war, hat sie sich auf das Schreiben von Büchern verlegt. Gleich ihr Erstling „Männer und andere Katastrophen“ wurde mit Heike Makatsch in der Hauptrolle verfilmt.

Nun wendet sie sich der Jugendliteratur zu und erzählt eine Geschichte, die zwar im Hier und Jetzt beginnt, aber schon bald eine irrwitzige Reise durch die Zeit wird. „Rubinrot“ ist auch der Auftakt zu einer ganzen Trilogie um eine zeitreisende Familie.

Eigentlich hat sich Gwendolyn immer für einen ganz normalen Teenager gehalten, auch wenn die anderen Mitglieder ihrer Familie ganz offensichtlich seltsame Käuze sind und eine Menge Geheimnisse vor ihr haben. Sie hat sich damit abgefunden, dass man ihr nur die Hälfte von dem erzählt, was man von ihr wissen will, und Charlotte ihre Cousine viel mehr hofiert wird.

Das gibt ihr aber auch die Freiheit zu tun und zu lassen, was sie will, und so steht das Mädchen mit beiden Beinen fest auf der Erde – wenn man einmal außer Acht lässt, dass sie Geister sehen kann, die nicht einmal ihre beste Freundin Leslie wahrnimmt. Das Wissen für die Schule, speziell in Geschichte, erarbeitet sie sich nicht unbedingt aus Büchern; sie googelt viel lieber nach den entsprechenden Informationen oder schaut sich Spielfilme zu historischen Themen an, da ihr das sture Auswendiglernen von Daten und Fakten zu dumm ist.

Dann findet sie sich bei einem Besuch bei ihrer Tante Maddy plötzlich ein Jahrhundert in der Vergangenheit wieder und sieht ein in ihren Augen archaisches London. Zwar dauert dieser Ausflug nur ein paar Minuten, aber sie weiß, dass sie nicht nur halluziniert hat.

Nun horcht auch die Familie auf, und muss mit Entsetzen feststellen, dass sie ganz offensichtlich die Falsche hofiert und ausgebildet haben. Denn nicht Charlotte ist mit dem Zeitreise-Gen – dem großen Geheimnis der Blutlinie – geboren worden sondern Gwendolyn. Nun ist guter Rat teuer, denn das Mädchen muss innerhalb kürzester Zeit lernen, ihre Gabe zu verstehen, damit sie besser mit ihr umgehen kann. Und so wird sie quasi aus ihrer Welt gerissen, um in die der Zeitreisenden eingeführt zu werden. Helfen soll ihr dabei der nur um ein paar Jahre ältere Gideon.

Ähnlich wie Charlotte wirkt dieser ein wenig eingebildet auf Gwendolyn, aber schon bald erkennt sie, dass hinter dem arroganten und herablassenden Gehabe eigentlich doch ein ganz netter junger Mann steckt, mit dem sie durch dick und dünn gehen könnte – vor allem als sie erfährt, dass das Zeitreisen strengen Regeln unterliegt und auch Teil eines viel größeren Plans ist, der vom geheimnisvollen Grafen von St. Germain ins Leben gerufen wurde. Zudem gilt es auch noch, Zeitreisende zu finden, die gut dreißig Jahre vor ihnen geboren wurden und einen schrecklichen Verrat begangen haben, der alle an dem großen Werk Beteiligten in Gefahr bringen kann.

Humorvoll und flott erzählt Kerstin Gier ihre Geschichte um ein Mädchen, das eigentlich ganz froh darüber ist, halbwegs normal zu sein, aber dann erkennen muss, dass sie die Auserwählte ist und nicht die lange darauf vorbereitete Cousine. Doch das gibt ihr die Möglichkeit, sich die Fähigkeit ganz unbelastet anzusehen und auch die praktischen Seiten daran zu entdecken.

Dementsprechend eckt sie hin und wieder bei denen an, die in der Fähigkeit, durch die Zeit zu reisen, eher eine Gabe sehen, die ernst und verantwortungsvoll behandelt werden muss. Es dauert eine Weile, bis sie auch für sich einen Kompromiss findet. Bis es so weit ist, kann man über die Fettnäpfchen schmunzeln, in die sie tritt, und findet schnell Zugang zu der Geschichte.

Schon bald kann man feststellen, dass sich die Autorin wirklich Gedanken über den Hintergrund gemacht hat, denn die mystisch-esoterische Seite hat Hand und Fuß, da sie auf tatsächlich existierenden astrologischen Berechnungen und Zuordnungen beruhen.

Sie spielt bewusst mit der daraus entstehenden Symbolik und verbindet diese mit der spannenden Hintergrundgeschichte. Denn ganz offensichtlich werden Gideon und Gwendolyn zu Gegenspielern von Paul und Lucy, die nur ein paar Jahre vor ihnen einen schweren Verrat begangen haben.

Die einzige Schwäche des Buches, das sich schnell und flüssig lesen lässt, ist, dass es ziemlich offen endet und auf die Fortsetzung hinweist. Aber es erfüllt seinen Zweck sehr gut, die Figuren und der Hintergrund werden so interessant eingeführt, dass man sehr gerne wissen will, wie es weiter geht.

Und das macht „Rubinrot“ zu einem Mystery- und Fantasy-Roman, der allein schon durch sein etwas anderes Thema und die eher humorvolle Geschichte angenehm aus den dramatischen Vampir-Romanen heraus ragt, auch wenn die Romantik hier ebenfalls nicht zu kurz kommt. (CS)

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