Schattenlabyrinth

Eric Scott de Bie
Schattenlabyrinth

(sfbentry)

Feder & Schwert Taschenbuch (2011)
Originaltitel: Doenshadow
Übersetzung: Daniel Schumacher
447 Seiten, ISBN 978-3867620932

„Schattenlabyrinth“ ist der nun mehr dritte Band der Quadrologie „Ed Greenwood präsentiert Tiefwasser“. Greenwood hat nur nebenbei etwas mit der Geschichte zu schaffen, denn als Autor zeigt sich Eric Scott de Bie verantwortlich. Er hat die Aufgabe übernommen, ebenfalls etwas zur Reihe beizusteuern und die dem Roman zugrunde liegende Hintergrundwelt – die Vergessenen Reiche – zum Leben zu erwecken.

Der tragische Held des Romans ist der Paladin Schattenbann. Er sorgt im Unterberg für Ruhe und Ordnung, sichert des Nachts die dunklen Straßen von Tiefwasser und hat auch einige persönliche schwere Probleme. Immerhin ist er Magieversehrt, hat besondere Kräfte, mysteriöse, gutaussehende Frauen treten in sein Leben und außerdem darf ja niemand etwas von seiner wahren Identität erfahren.

Der gute Schattenbann heißt in Wirklichkeit nämlich Kalen und arbeitet bei der Stadtwache. Von seiner wahren Identität darf niemand etwas ahnen. Warum? Tja, gute Frage, weil halt niemand etwas davon erfahren darf. Ist auch vollkommen egal, denn der Roman von de Bie passt hervorragend zu seinen Vorgängern. Mal ehrlich, bisher wirken alle Romane dieser Quadrologie, als hätte der Verlag Wizards of the Coasts billig Leute eingekauft, denen erzählt sie wären gute Autoren und die dann einfach mal schreiben lassen. Und Feder & Schwert hat nun die Aufgabe diesen Schund zu übersetzen und zu publizieren. Anders ist der starke Kontrast zu den anderen Vergessene-Reiche-Reihen kaum zu erklären. Doch der Reihe nach.

Die Vergessenen Reiche gehören zum Rollenspiel „Dungeons & Dragons“. Das Spiel hat vor einigen Jahren einen großen Umbau erlebt und der neue Regelkern war somit auch die neue Basis für die dazugehörigen Hintergrundwelten. Dementsprechend wurden die Vergessenen Reiche ebenfalls großartig umgebaut. Wer das Rollenspiel kennt, der wird eventuell auch davon wissen. Wer nur die Romane kennt, der wird sicherlich ungläubig auf „Schattenlabyrinth“ starren und sich fragen, was das alles plötzlich soll. Dieser Umbau hat nämlich die bisherige Welt so stark verändert, dass sie kaum wiederzuerkennen ist. Die neuen Geschichten spielen auch alle um die einhundert Jahre später, nachdem eine Zauberplage für diese starken Veränderungen sorgte. Die Zauberplage dient jedenfalls als Werkzeug, um die Anpassung der Hintergrundwelt an das Rollenspiel, innerhalb der übergreifenden Handlung, zu erklären.

Die neue Hintergrundwelt wird nun mit neuen Geschichten bestückt. Neueinsteiger haben damit sicherlich kein Problem, Kenner der Romane werde sich an dem neuen Gesicht der Reiche sicherlich stören. Wo einst unbegrenzte Fantasie, mächtige Magie und unzählige Götter die Welt regierten, präsentiert sich dem Leser nun eine dystopische Welt. Vorher Licht, nun Schatten – was wiederum zum Roman passt. Wer die Paladine und Zwerge aus der alten Zeit kennt, der wird sich hier die Haare raufen. Dazu kommt die handwerkliche Schwäche von Eric Scott de Bie und die Ausrichtung seines Romans.

Die Hintergrundwelt außer acht gelassen – was schlussendlich Geschmackssache ist – wurde der Roman auf ein modernes, jugendliches Publikum zugeschnitten. War die Handlung des letzten Romans noch eher auf die Mädels ausgerichtet, kommen nun die Jungs zu ihrem Vergnügen. „Schattenlabyrinth“ ist nämlich ein Superheldenroman.

Der gute Kalen ist eine Collage aus Batman, Superman und Spider-Man. Und das ist kein Witz, sondern trauriger Ernst. Eric Scott de Bien ist zudem wohl auch ein Liebhaber der dazugehörigen Kinofilme, denn mehr als einmal ist ganz deutlich erkennbar, wo er Szenen aus den Filmen adaptiert.

Kalen hat Muskeln aus Stahl und empfindet keinen Schmerz, er trägt einen Helm um sich zu maskieren, eine enganliegende Lederrüstung, ein Cape, er klettert und springt und hangelt, dass es eine wahre Freude ist, Kalen ist im Kampf unbesiegbar, er spielt bei der Stadtwache den ungeschickten Trottel und so weiter und so fort. Natürlich alles auf Fantasy glattgebügelt, aber trotzdem eindeutig erkennbar. Und das ist, gelinde gesagt, langweilig.

Zudem hat de Bie große Probleme Personen, Szenen und Ereignisse bildlich umzusetzen. Wie auch, bedient er sich doch bei Vorlagen aus dem Kino und vergisst dabei, dass seine Leser diese Vorgaben nicht vor Augen habe. Das Kopfkino scheint beim Autoren zu funktionieren, aber es misslingt ihm, den Projektor so auszurichten, dass auch die Leser des Romans die Bilder sehen. Zudem sind fast alle Figuren und Szenen sowieso austauschbar, da blass, kraftlos und langweilig. Das liegt aber auch an dem Liebesgelabere auf dem Niveau einer Teenie-Soap. Was allerdings zu unbeabsichtigter Komik führt. So ist es ja klar, dass die gutaussehende Kommandantin der Stadtwache ihre knappe Lederrüstung auszieht, um den Gauner zu verfolgen. Und weil das dünne Leinenhemd so verschwitzt ist, zieht sie es auch noch aus. Mit nackten Brüsten scheint es sich halt schneller zu laufen. Glücklicherweise gibt es ja haufenweise schöne Frauen in dem Roman, so dass Eric Scott de Bie ganz oft die Gelegenheit hat, um schwülstige Szenen einzubauen und ab und zu mal ein wenig prüden Sex zu beschreiben: „Yeah, kommt ihr geilen US-Teenager und lest meinen coolen Action-Paladin-Superhelden-Roman, da gibt es nackte Brüste und Sachen die ich für pervers halte!“ Nach der Lektüre des Romans wäre de Bie solch ein Gedankengang zuzutrauen.

Die Übersetzung aus dem Hause Feder & Schwert ist jedenfalls gut und passend. An der Qualität des Romans und den Veränderungen der Hintergrundwelt tragen die Mannheimer ja keine Schuld. Ansonsten kann „Schattenlabyrinth“ nur den Leuten empfohlen werden, die mit eigenen Augen lesen möchten, wie eine bisher passable und lebendige Hintergrundwelt zugrunde gerichtet wird.

Copyright © 2011 by Günther Lietz

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