Snakewoman und andere phantastische Geschichten

Alisha Bionda (Hrsg.)
Snakewoman und andere phantastische Geschichten
Ars Litterae 8 – Gedenkband zum ersten Todestag von Andrä Martyna

Fabylon Verlag, Markt Rettenbach, 10/2012
Taschenbuch im Überformat
Fantasy-Anthologie
ISBN 978-3-927071-605
Titelillustration und Zeichnungen im Innenteil von Andrä Martyna, überarbeitet von Crossvalley Smith

www.alisha-bionda.net
www.fabylon-verlag.de
www.andrae-martyna.de
www.crossvalley-design.de

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„In dem fahlen Lichtschein, der sie umgab wie das Phosphorleuchten von fauligem Holz, war es deutlich sichtbar. Es war etwa so groß, wie ein siebenjähriges Kind, aber es hatte den Körper einer erwachsenen Frau, so weit sein menschlicher Teil reichte. Kein Zweifel, Döhnke hatte – wie Lovecrafts abscheulicher Maler Pickman – die Kreatur nach dem Leben gemalt.“ (Barbara Büchner: „Die Schlangenfrau“)

Am 06.08.2011 starb der Künstler Andrä Martyna 53-jährig an den Folgen eines Herzanfalls. Mit seinen Bildern war er an vielen Projekten der Herausgeberin und Autorin Alisha Bionda beteiligt und steuerte auch immer wieder Grafiken für das Literaturportal Literra.info sowie für zahlreiche andere Print- und Onlineveröffentlichungen bei. Zu seinem ersten Todestag hat Alisha Bionda nun eine Reihe AutorInnen aufgerufen, Geschichten zu ausgesuchten Bildern des Grafikers zu schreiben.

Tanya Carpenter: „Dragemenn“.
Als vermeintliche Hexe, die Krankheit, Missernte und Tod über ihr Dorf gebracht haben soll, muss sich Noma der Hexenprobe unterziehen. An einen Baum gefesselt ist sie den Dragemenn, den Nachfahren eines Drachen, ausgeliefert, die ihre Seele bei ihrer Schuld in die Unterwelt schleudern. Ist Noma unschuldig, würde sie wohl von den Tieren des Waldes zerfleischt. Tatsächlich taucht in der Nacht einer der Dragemenn auf, doch diesem ist mehr an Gerechtigkeit gelegen, als am Morden.

Ascan van Bargen: „Morvan’s Dale“.
Lucien kehrt aus Frankreich zurück nach Louisiana, zur Villa Morvan’s Dale, wo er einst Jillian verloren hat. Doch etwas geht um in dem verfluchten Haus. Etwas, das nicht sterben kann.

Linda Budinger: „Stadt der schweigenden Türme“.
Als die 15-jährige Moonglow von der unheilbaren Seuche befallen wird, mauert man sie aus Angst vor Ansteckung in einen der Stadttürme ein. Doch Moonglow entstammt einer Familie von Wissenschaftlern, und sie beschließt, ihren Krankheitsverlauf in ihrem Gefängnis zu dokumentieren, nicht ohne die Hoffnung, möglicherweise ein Heilmittel zu finden. Sollte der Schlüssel zu ihrer Heilung tatsächlich ausgerechnet in ihrem Turmverlies zu finden sein?

Ruth M. Fuchs: „Ein Leben für ein Leben“.
Als Shianna gerade das Drachenweibchen getötet hat, das für den Tod ihres Verlobten verantwortlich ist, taucht der Gefährte der Drachin vor ihr auf. Doch er greift sie nicht an. Stattdessen zeigt er ihr, was ihr Verlobter getan hat, um den Zorn der Drachin auf sich zu ziehen.

Barbara Büchner: „Snakewoman“.
Stammen die expressionistischen Meisterwerke, die die Kunststudentin Eva bei Dühnke findet, tatsächlich aus der Feder des konservativen Landschaftsmalers, der kürzlich verstorben ist? Unter anderem entdeckt sie in seinem Nachlass das höchst lebensechte Gemälde einer Fantasiegestalt, halb Frau und halb Schlange.

Gundula Sell: „Das Sammeln“.
Im Auftrag der Fliedermutter macht sich Marie Nera auf die lange vorbereitete Reise. Zehn Männer muss sie in der fremden Welt um sich scharen, um ihren Auftrag zu erfüllen.

Florian Hilleberg: „Jagdfieber“
Nicht nur dass sich der Alltagstrott in Beatrix und Lucius Leben eingeschlichen hat, Lucius ist auch immer öfter abends weg, wenn Beatrix nach Hause kommt. Als ihre Freundin Lena vorbei kommt, um sie von ihrer schlechten Stimmung abzulenken, wird ihr das zum Verhängnis.

Gian Carlo Ronelli: „Rihanna“
Obwohl Maryen von den Benyin seit einem zufälligen Treffen im Wald Rihanna vom Stamm der Anyin liebt, entscheiden die Alten des Stammes, dass er Juliana heiraten soll. War es seine Verweigerung, die die Götter erzürnte und die grausamen Preyi schickte, Rihannas Stamm zu überfallen?

Tobias Bachmann: „Im Abbild des Mondes“
Ein Fotograf entdeckt auf einem seiner Bilder eine geflügelte Frau, die er beim Fotografieren nicht gesehen hat. Um dem seltsamen Phänomen und den Legenden, die sich um das Motiv ranken, auf den Grund zu gehen, besucht er die Ruine auf dem Pilgerberg ein zweites Mal bei Nacht.

Alisha Bionda: „Die Moorleichen“
Seit das junge Liebespaar von der Missgunst der Dorfbewohner ins Moor getrieben wurde und dort starb, sinnen die Moorleichen auf Rache. Den jungen Kolja fasziniert die Geschichte um das tragische Paar, und er versucht, mehr darüber zu erfahren.

„Keiner von ihnen (Schneiders Kunden) hätte Interesse an der Darstellung einer haarlosen Kreatur gezeigt, die sich, halb Frau, halb Schlange, einen düsteren Korridor entlang wand. In der ausgestreckten Rechten hielt sie lockend eine leuchtende Kugel. Ihr Gesicht war hinter einer eisernen Maske verborgen, und man fragte sich unwillkürlich, wie es wohl aussehen mochte.“ (Barbara Büchner: „Die Schlangenfrau“)

Der Auftrag der Herausgeberin – nämlich je eine Kurzgeschichte zu einer Grafik von Andrä Martyna zu verfassen – wurde von den Beteiligten durchweg sehr fantasievoll und abwechslungsreich umgesetzt. Doch auch wenn sich sogar das ein‘ oder andere überraschende „Aha-Erlebnis‘ einstellt (z. B. in „Stadt der schweigenden Türme“ oder „Rihanna“), erscheinen die meisten Geschichten aufgrund der Kürze recht blass. Überwiegend stellt sich das Gefühl ein, dass bei den einzelnen Geschichten noch etwas mehr drin gewesen wäre, hätten diese den Raum, sich ungehindert zu entfalten. Exemplarisch sei hier die Titelgeschichte genannt, die sich sehr überschlagsmäßig entwickelt – Kunststudentin Eva zuckt beispielsweise kaum mit den Wimpern, als plötzlich die Schlangenfrau in ihrem neuen Wohnzimmer steht – und damit regelrecht unbeholfen wirkt. Vor allem bleiben auch die Charakterzeichnungen nahezu durchgehend auf der Strecke, was die Anteilnahme des Lesers und damit ein unmittelbares Leseerlebnis erschwert.

Neben den Geschichten enthält der Band auch eine Kurzbiografie, sowie vor allem Erinnerungs- und Gedenkworte – inkl. persönlicher Fotos – an Andrä Martyna, verfasst von seiner Frau, seinen Töchtern, Freunden und der Herausgeberin. Außerdem kommt jede/r der beteiligten AutorInnen kurz zu Wort, um die ganz persönliche Bedeutung Martynas und seiner Bilder zu beschreiben. Gerade diese Zugaben – unter der starken Beteiligung von Martynas Familie – machen „Snakewoman“ zu einem sehr persönlichen und etwas anderen Gedenkband.
 
„Snakewoman“ ist als Band 8 von Alisha Biondas hochwertig ausgestatteter Phantastik-Reihe „Ars Litterae“ im Fabylon Verlag erschienen. Als Covergrafik dient die grafische Vorlage zur Titelgeschichte, die sich – farblich hervorragend abgestimmt – gefällig in das Reihenlayout von Atelier Bonzai einfügt. Selbstredend sind auch die anderen Grafiken, die hier Pate standen, vor der jeweiligen Geschichte abgedruckt. Auch Satz, Kopfzeilen und Szenentrenner sind – wie aus dieser Reihe gewohnt – ansprechend gestaltet; das Großformat sorgt dafür, dass diese mustergültige Ausstattung gut zur Geltung kommt.

Ein – wie gewohnt – schön gestalteter und sehr persönlicher Kurzgeschichtenband im Gedenken an den verstorbenen Andrä Martyna unter starker Einbeziehung der Familie des Künstlers.

Copyright © 2013 by Elmar Huber (EH)

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