Sommernachtsfrauen

Keith Donohue
Sommernachtsfrauen

Centuries of June, USA, 2011
C. Bertelsmann Verlag, München, 09/2013
HC mit Schutzumschlag
Mystery, Urban Fantasy, History, Drama
ISBN 978-3-570-01128-7
Aus dem Amerikanischen von Sabine Herting
Titelgestaltung von buxdesign, München unter Verwendung eines Motivs von Felicia Simion/Trevillion Images
Autorenfoto von Melanie Donohue

www.bertelsmann.de
www.keithdonohue.com

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Jack findet sich des Nachts im Bad liegend mit einer blutenden Kopfwunde wieder. Offenbar hat ihn jemand niedergeschlagen. Ein alter Mann, der ihn an seinen Vater erinnert, taucht in dem kleinen Raum auf, nimmt sich seiner an und verhindert sogar weitere Anschläge auf Jack. Diese gehen von den Frauen aus, die sich im Schlafzimmer niedergelassen haben. Sieben der acht erscheinen nacheinander im Bad und erzählen ihre Geschichte: Es sind Tragödien aus vergangenen Jahrhunderten. Jede der Frau verliebte sich einst in einen Mann, der sie auf die eine oder andere Weise enttäuschte, teilweise sogar für ihren Tod verantwortlich war. Jack lauscht ebenso fasziniert wie der Alte, den er der Einfachheit halber ‚Thomas Beckett‘ nennt, doch fragt er sich, was das alles zu bedeuten und mit ihm zu tun hat, denn er kennt keine dieser Frauen, kann sich aber auch sonst an nicht allzu viel erinnern.

Der erfahrene Leser ahnt früh, was hier passiert, doch möchte man an dieser Stelle nicht zu viel verraten, um die Überraschungsmomente zu erhalten. Die Bestätigung, ob die Vermutung korrekt ist, erhält man erst am Ende des Buchs, wo alle Fragen, auch die nach der Identität des alten Mannes und der achten Frau, beantwortet werden. Bis es soweit ist, schildert jede der sieben Frauen, die Jack nur zu gern umbringen würden, was ihr widerfahren ist.

Am schönsten ist gleich die erste Story der Indianerin Dolly, die sich in einen sehr attraktiven, aber leider stinkenden Mann verliebt. Nachdem er sich ihr offenbarte, bleibt sie trotzdem an seiner Seite und hat mit ihm zwei Kinder. Das Leben der Familie folgt seinen Gewohnheiten und wird Dolly immer mehr zur Qual. Darum begrüßt sie es fast, als ihre Brüder sie finden, ihren Mann töten und sie mit den Kindern zurück ins Heimatdorf bringen. Dort jedoch sind sie wenig gelitten und müssen bald fliehen. Zwar hatte ihr Mann Dolly versprochen, über sie zu wachen, aber …

Auch Long Jane Long wartet mit einer faszinierenden Erzählung auf. Als Schiffsjunge verkleidet, segelt sie nach Amerika, um der in England herrschenden Armut zu entkommen. Das Schiff läuft während eines Sturmes auf ein Riff auf, und sie gehört zu den Überlebenden, die sich auf eine Insel retten können. Mit selbstgezimmerten Booten verlassen die meisten Schiffbrüchigen das Eiland, um die Reise fortzusetzen. Jane bleibt mit drei Männern zurück und genießt eine kurze Zeit des Glücks, als sie ihre wahre Identität einem von ihnen enthüllt. Es wird kompliziert, als der zweite es zufällig entdeckt. Aber als sie Ambra finden und die Gier die Männer verblendet, kommt es zur Katastrophe. Weitere Episoden ranken sich um eine Hexe von Salem, eine Voodoo-Anhängerin, eine Goldgräberin und andere Frauen, für die es im weiteren Sinne eine historische Vorlage gegeben haben mag.

Der Autor greift native Mythen und geschichtliche Überlieferungen auf, vermischt sie mit menschlichen Tragödien und viel Fantasie. Allerdings lässt – das kann natürlich persönliches Empfinden sein – die Faszination nach, je näher die Geschichten der Gegenwart kommen. Sie büßen dabei zu viel fantastisches Flair ein. Auch die ständigen Einschübe der Rahmenhandlung behindern den Lesefluss, da sie Längen schaffen. Auf z. B. einen sprechenden Kater hätte der Autor gewiss verzichten können. Vielleicht merkte er es sogar selbst, denn die Storys werden kürzer, und am Ende folgt die knappe Aufarbeitung von all dem, das an sich keine Überraschung mehr ist und einen ‚moralinen‘ Nachgeschmack hinterlässt, gekoppelt an einen Funken Hoffnung.

Tolle Schlagwörter und lobende Zitate machen noch lange nicht aus einem Roman ein Meisterwerk. Keith Donohue, der mit „Sommernachtsfrauen“ sein drittes Buch lieferte, wird reichlich gepriesen. Sucht man nach kurzweiliger, moderner Unterhaltung innerhalb des fantastischen Bereichs, ist dieser Titel jedoch nur bedingt zu empfehlen, da sich die ‚Chronik‘ leider wie eine Antiklimax liest, zu viel Leerlauf und Vorhersehbares beinhaltet.

Copyright © 2014 by Irene Salzmann (IS)

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