Talivan

talivanAndrea Tillmanns
Talivan

UlrichBurger-Verlag, Homburg, 1/2009
Originalzusammenstellung: 6/2007
TB, Fantasy
ISBN 9783981284621
Titelillustration von Victoria Berger

www.ub-verlag.de.tl
www.andreatillmanns.de/

„Talivan“ enthält fünfzehn Fantasy-Kurzgeschichten, die die Autorin in den vergangenen zehn Jahren verfasst hat. In der Titelgeschichte will die Protagonistin einem älteren Mann ein Schwert namens „Talivan“ abnehmen. Talivan ist freilich kein ‚Schwert der Macht’ o. ä., wie erfahrene Leser es aus zahlreichen Epen kennen, sondern der Schlüssel zu der Vergangenheit der Protagonistin. Auch „Schwestern“ bewegt sich abseits der Muster bekannter Fantasy: Die Schwert- und Zauberschwestern Sirka und Belan wollen einen Zauberer töten; zu ihnen gesellt sich eine Frau, die über eine gewisse Technologie verfügt, aber nicht magisch begabt ist. Es spricht nichts dagegen, in einer Fantasy-Welt auch ‚herkömmliche’ Technik zu verwenden, allerdings sollte die Frau, die sie benutzt, nicht als ‚Wissenschaftlerin’ bezeichnet werden – ‚Kundige’ o. ä. wäre passender gewesen.

Vor „Entscheidungen“ sieht sich die ehemalige, nunmehr hochschwangere Schwertkämpferin Belsa gestellt, als ihre Zuflucht von dem Heer, dem sie früher angehörte, angegriffen wird. Immerhin wird ihr die Orientierung durch ein klares Gut/Böse-Schema erleichtert. „Der Unglücksbote“ ist eine Rabenkrähe, die eine geflohene Diebin erst in Gefahr bringt, ihr aber auch das Leben rettet. Auch in dieser Story wird die Rolle der Protagonistin relativiert, indem sie als Diebin aus Not dargestellt wird. Während „Talivan“, „Schwestern“, „Entscheidungen“ und „Der Unglücksbote“ wichtige Episoden aus dem Leben ihrer Protagonistinnen schildern, ist „Fionas Weg“, obwohl vom Umfang her kürzer, inhaltlich umfassender, nämlich über mehrere Jahre hinweg angelegt. Die Story beschreibt Fionas Lebensweg von einer viel versprechenden Lautenspielerin zu einer Heilerin oder Geschichtenerzählerin.

„In den Straßen Alkyrons“ ist eine schnörkellos erzählte Abenteuergeschichte, in der ein Leibwächter versagt. Erfolgreicher ist dagegen Malina in „Wenn die Eiswölfe singen“: Durch einen Trick rettet sie ihr Dorf vor dem Angriff feindlicher Soldaten. Kurz und prägnant erzählte Kurzgeschichten sind auch „Die Frucht des Muarte-Baums“, „Die Legende der Elfe vom See“, „Lung-Jiaos Geschichte“, „Zwischen den Welten“ und „Im See“. Auch diese Storys zeichnen sich durch eine ungewöhnliche Themenwahl aus. Welche verheerenden Auswirkungen der inkompetente Gebrauch von Zaubersprüchen haben kann, zeigt die Story „Neulich im Zauber-Schnupperkurs“ auf. In „Lininas Garten“ muss sich eine Drachengärtnerin (sic!) ungebetener Eindringlinge erwehren. Und in „Warum man Dichtern nicht alles glauben sollte“ betätigt sich ein Poet als, nun, Science Fiction-Autor und weckt damit gewisse Begehrlichkeiten.

Die Autorin stellt in ihren in „Talivan“ zusammengefassten Kurzgeschichten immer die Anliegen, die Motive, die Gefühle und die Sehnsüchte ihrer Protagonistinnen und (seltener) ihrer Protagonisten in den Vordergrund. Darüber hinaus bewegt sich sie sich thematisch abseits der ausgefahrenen Radspuren des Genres und zeigt, dass sie sowohl die kurzen als auch die etwas längeren Formen der Kurzgeschichte beherrscht.

Armin Möhle (armö)
 
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Talivan

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