Tam Lin – Im Bann der Elfen

Janet McNaughton
Tam Lin – Im Bann der Elfen

(sfbentry)
An Earthly Knight, USA, 2003
Carlsen Verlag, Hamburg, 12/2010, © dt. Ausgabe: Patmos Verlag, Mannheim, 2005
TB, Jugendbuch, History, Fantasy, Romance
ISBN 978-3-551-37588-9
Aus dem Amerikanischen von Petra Koob-Pawis
Titelgestaltung von formlabor unter Verwendung eines Motivs von iStockphoto.com/© Thomas Brill
Autorenfoto von N. N.

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Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Durch ihre Liaison mit dem Ritter Bleddri brachte Isabel Schande über ihre Familie und will sich in ein Kloster zurückziehen. In Folge wird nun ihre jüngere Schwester Jenny in die nutzbringenden Heiratspläne ihres Vaters einbezogen. Sie kommt einer Einladung an den Hof von Earl William, den Bruder des jungen Königs, nach, kann aber keinen großen Eindruck auf ihn machen. Viel mehr interessiert der Earl sich für die hübsche Magd, die Jenny beim Singen und Tanzen begleitet. Trotzdem darf sie – zusammen mit anderen jungen Mädchen, die vermählt werden sollen – nach Roxburg reisen. Der geheimnisvolle Ritter Tam Lin, der sich auf Carter Hall herumtreibt, dem Anwesen, das einst seiner Familie gehörte, nun aber Jennys Mitgift ist, schenkt ihr ein wunderbares Kleid (Covermotiv!), damit sie sich nicht neben ihren vermögenden Konkurrentinnen schämen muss.

Zu ihrer Überraschung zieht Jenny in diesem Gewand nicht nur die begehrlichen Blicke des Earls, sondern auch die des Königs und anderer Ritter auf sich. Einerseits fühlt sie sich geschmeichelt, andererseits aber auch beschämt, als ihr klar wird, dass ihr Kleid Blendwerk ist – Elfenzauber. Also stimmt es, was man munkelt: Tam Lin wurde als Kind von den Elfen geholt und ist kein richtiger Mensch mehr. Eigentlich will sie ihm nach ihrer Rückkehr Vorwürfe machen, aber längst hat sie sich in ihn verliebt und sieht der Vermählung mit dem egoistischen William, die ihren Vater in hohe Schulden stürzen wird, mit Grauen entgegen. Wenigstens einmal möchte Jenny in den Armen eines Mannes liegen, den sie selber erwählte und der ihre Gefühle teilt. Ohne an das bittere Schicksal ihrer Schwester zu denken, gibt sie sich Tam Lin hin und wird prompt schwanger.

Jenny muss sich entscheiden: Entweder heiratet sie den Earl, der jedoch keinerlei Eile hat und ihr Geheimnis zweifellos entdecken wird, oder sie findet einen Weg, Tam Lin von seinem Fluch zu erlösen, selbst wenn der Preis ihres und das Leben ihres ungeborenen Kindes sein sollte …

Die Kanadierin Janet McNaughton hat mit „Tam Lin“ ein spannendes Jugendbuch verfasst, welches auch das reifere Publikum anspricht, das Freude an dem Mix aus historischem Roman, märchenhafter Fantasy und Romantik hat. Es gelingt der Autorin vortrefflich, die Protagonisten als Kinder ihrer Zeit (Schottland um 1100) zu beschreiben: Jeder Mensch hat seinen bestimmten Platz in der strengen Hierarchie. Das Sagen haben die Männer, und Frauen sind lediglich Heiratsware, um Vätern und sonstigen Verwandten zu einer besseren Position zu verhelfen. Verliebt sich ein Mädchen, durchkreuzt es damit die Pläne ihres Vormunds und fällt in Ungnade. Hat sie sich gar mit dem Falschen eingelassen, bleibt ihr nur noch der Gang ins Kloster, wo sie den Rest ihres Lebens verbüßen muss. Isabel, die Hoffnungsträgerin ihrer Familie, erleidet ein typisches Schicksal, und auch Jenny, der Hauptfigur, ergeht es nicht viel anders.

Man leidet mit den Mädchen, die Opfer eines grausamen Gesellschaftssystems werden, das den Männern viele, den Frauen hingegen gar keine Freiheiten einräumt, in denen man den Lügen der Männer Glauben schenkt und eine entjungferte Frau zur Verführerin und Hure erniedrigt wird. Mädchen und Frauen werden von der eigenen Familie und der Kirche unterdrückt, und brechen sie aus, müssen sie die Konsequenzen erdulden.

In „Tam Lin“ wird jedoch nicht mit moralisch erhobenem Zeigefinger auf diese Ungerechtigkeiten gezeigt, sie liefern lediglich den Rahmen für zwei bzw. drei Romanzen, die ‚nicht schicklich„ sind. Trotzdem gibt es ein versöhnliches Ende, das die Leser zufriedenstellt nach all dem Leid und einer mutigen Tat, die nicht ganz unerwartet kommt, sofern man mit Sagen, die ähnliche Themen behandeln, vertraut ist. Überzeugend und in einem mitreißenden Stil erzählt die Autorin die Geschehnisse aus der Perspektive von Jenny, die sich vom launischen Wildfang zu einer jungen, liebenden Frau entwickelt, die ihre Eifersucht, die Aussicht auf Macht und andere persönliche Wünsche zurückstellen kann zum Wohle anderer. „Tam Lin“ ist ein spannender All Age-Roman, der vor allem die weiblichen Leser von romantischer Fantasy und History anspricht.

Copyright © 2011 by Irene Salzmann (IS)

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