Tharador

Stephan R. Bellem
Tharador

Die Chroniken des Paladins 1
Otherworld Verlag, Graz (A), dt. Erstveröffentlichung: 6/2007
TB, Fantasy, 978-3-9502185-6-5, 356/995
Titelillustration von Jan Balaz
Karte von Pesch
Autorenfoto von N. N.

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Der Kontinent Kanduras konnte einst von einer Schar Helden vor dem bösen Magier Karandras gerettet werden. Allerdings gelang es nicht, das Buch ‚Karand’, die Quelle allen Übels, zu vernichten. Stattdessen wurde es an einem geheimen Ort verborgen, mit einem Schutzbann versehen und sollte für alle Zeiten von den Zwergen gehütet werden.

Jahre später begibt sich der machtgierige Magier Tarvon Xandor auf die Suche nach dem verschollenen Buch. Er will sich die ganze Welt untertan machen und scheut vor keiner Untat zurück, um sein Ziel zu erreichen. So hetzt er die Orks zu einem Krieg gegen die Menschen auf und macht einen bislang unbescholtenen Soldaten zu seiner Kreatur. Daraufhin wendet sich Dergeron gegen seine alten Kameraden, insbesondere gegen Tharador.

Dieser wird seit einer geraumen Weile von merkwürdigen Träumen geplagt. Um dem Rätsel auf den Grund zu gehen, desertiert er zusammen mit seinem Freund Queldan.

Unterwegs schließt sich ihnen der Berserker-Zwerg Khalldeg an – und es kommt zu einer ersten Begegnung mit Dergeron und Xandor. Der finsteren Magie haben die tapferen Kämpfer wenig entgegenzusetzen.

Während für Queldan jegliche Hilfe zu spät kommt, rettet im letzten Moment ein Unbekannter Tharador und Khaldegg das Leben.

Tharador erfährt nun endlich von seiner Abstammung und seiner Aufgabe: Er ist der neue Paladin, der auserwählt wurde, Kanduras vor Xandor und der Macht des Buches ‚Karand’ zu schützen. Weitere Gefährten stoßen hinzu, darunter der Elf Faeron und die Diebin Calissa. In den Händen dieser zusammen gewürfelten Gruppe liegt nun das Schicksal der Welt…

Gerade die Fantasy ist sehr ausgeschöpft, und es fällt den Autoren immer schwerer, etwas Neues zu erfinden. Stephan R. Bellem ist es in „Tharador“ leider nicht gelungen, mit einigen überraschenden Einfällen aufzuwarten und eine spannende, abwechslungsreiche Handlung aufzubauen. Die Story entpuppt sich als eine Sammlung bekannter Versatzstücke, die Protagonisten entsprechen gängigen Archetypen, der Stil ist so pathetisch, dass sich das Buch fast schon wie eine Parodie liest.

Zum Paladin ernannt entwickelt sich Tharador schnell zum überlegenen Superhelden. Queldan als Heldenbegleiter wird früh durch andere Gefährten ersetzt, denn ein tragisches Opfer muss verdeutlichen, wie skrupellos die Widersacher sind. Mit Faeron, Khalldeg und Calissa kommen Standard-Völker und –Figuren wie Elfen, Zwerge und Diebinnen/Ex-Prostituierte ins Spiel. Der Magier Gordan muss im Hintergrund bleiben, sonst hätte es Tharador zu einfach. Die Bösen sind natürlich böse, allen voran der finstere Magier Xandor, sein Handlanger Dergeron, die Orks und die Goblins.

Der Autor hat damit praktisch jedes Volk abgehakt, das seit dem „Herrn der Ringe“ scheinbar in keinem heroischen Fantasy-Roman fehlen darf. Aber was bei Wolfgang Hohlbein, Markus Heitz, Alfred Bekker und einigen anderen funktionieren mag, klappt nicht in jedem Fall. Freilich kann man auch nicht den umgekehrten Pfad beschreiten und alles weglassen, was bereits in unzähligen Büchern durchgenudelt wurde, doch ein Mittelweg und mehr eigene Ideen wären sicherlich machbar gewesen.

Positiv fällt auf, dass der Orkkönig Ul’goth nachvollziehbare Motive hat, die ihn aus dem Einerlei an Bösewichtern herausheben. Nach der Eroberung der Stadt Suran möchte er sich dort mit seinem Volk niederlassen und es aus der Barbarei holen.

Schade, dass Stephan R. Bellem nicht öfter versucht hat, sich durch solche Details von den Genre-Klischees zu lösen.

Auch die übliche Reise, die die Helden durch die Lande führt und sie das eine oder andere Abenteuer erleben lässt, bevor es zum Showdown kommt, fehlt nicht. Das Buch endet, wie erwartet, und die Weichen werden sogleich für die Fortsetzung gestellt.

„Tharador“ möchte High Fantasy sein, ist aber eher Sword & Sorcery und weit von dem entfernt, was man beispielsweise durch Robert E. Howards „Conan“, Fritz Leibers „Fafhrd & Grey Mouser“ oder Michael Moorcocks „Elric von Melniboné“ mit dem Genre verbindet. Gerade dem lese-erfahrenen Publikum bietet der Auftakt-Band der „Paladin“-Trilogie nichts Neues.

Nur jüngere Leser, für die ein Fantasy-Roman eine Quest, den Kampf von eindimensional Guten gegen die ebenso eindimensional Bösen, Tolkiens Völker und Genre-Archetypen beinhalten muss, werden sich von der Lektüre gut unterhalten fühlen. (IS)

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Tharador. Die Chroniken des Paladins 01.

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