Thessaly – Die Hexe lässt das Morden nicht

thessaly-die-hexe-lasst-das-morden-nichtBill Willingham
Sandman präsentiert 1:
Thessaly – Die Hexe lässt das Morden nicht

The Sandman presents: The Tessaliad, 1 – 4, DC, USA, 2002
„Sandman” wurde erdacht von Neil Gaiman, Sam Keith & Mike Dringenberg;
„Thessaly“ wurde erdacht von Neil Gaiman & Shawn McManus
Panini Comics, Stuttgart, 08/2009
PB mit Klappbroschur, vollfarbige Graphic Novel im Comicformat auf Kunstdruckpapier
Fantasy, Mystery
ISBN 978-3-86607-785-0
Aus dem Amerikanischen von Gerlinde Althoff
Titelillustration von Dave McKean
Zeichnungen von Shawn McManus & Pepoy, Farbe von Allen Jamison & Danny Vozzo

www.paninicomics.de
www.billwillingham.com
www.neilgaiman.com
www.mousecircus.com
www.gaimanmckeanbooks.co.uk/
www.samkeith.com/
http://www.lambiek.net/artists/d/dringenberg_mike.htm
www.mckean-art.co.uk/
www.shawnmcmanus.net/
http://pepoy.com/

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Thessaly ist die letzte thessalische Hexe – die am meisten verschlagene und gefährlichste von ihnen, die selbst von den Göttern gefürchtet wird. In der Moderne, in der sie als Studentin ein beschauliches, ruhiges Leben führt, sieht man ihr gar nicht an, wer oder was sie tatsächlich ist. Das ändert sich auf einen Schlag, als plötzlich die Töchter Garms – Höllenhunde – über sie herfallen. Der schüchterne Kommilitone, den sie auf eine Tasse Tee eingeladen hatte, lässt sein Leben und gibt ihr dadurch die Zeit, sich der Angreifer auf blutige Weise zu entledigen. Sie kamen jedoch nicht allein. Der Geist Fetch wurde ebenfalls auf Thessaly angesetzt, doch statt einen Kampf zu beginnen, flirtet er mit ihr und gibt ihr im Rahmen des Erlaubten sogar einige Hinweise auf diejenigen, die hinter allem stecken. Um die Angelegenheit aus der Welt zu schaffen, begibt sich Thessaly, natürlich auch die Regeln einer Queste beachtend, auf die Suche nach den vier Göttern der Unterwelt, denn wer es wagt, die Hexe zu bedrohen, wird ohne viel Federlesen beseitigt …

Thessaly ist eine von vielen faszinierenden Figuren aus dem „Sandman“-Universum, das von Neil Gaiman, Sam Keith und Mike Dringenberg geschaffen wurde. Bill Willingham, geistiger Vater der „Fables“, setzte die thessalische Hexe in einer achtteiligen Mini-Serie in Szene, die nun von Panini in zwei Bänden veröffentlicht wird. In der ersten Graphic Novel, die aufwändig als Paperback mit Klappbroschur und auf Kunstdruckpapier produziert wurde, finden sich die Episoden 1 – 4 unter dem Titel „Die Hexe lässt das Morden nicht“. Dieser ist eigentlich etwas irreführend. Der Handlung lässt sich entnehmen, dass die Titelfigur sich stets den Zeitaltern und Lebensbedingungen anzupassen pflegte. Um nicht von anderen getötet zu werden, tat sie lediglich das Notwendige. Auch diesmal reagiert sie bloß: Sie wehrt sich und geht in die Offensive, um dem Feind zuvorzukommen. Hätte sie jemals gezögert, wäre sie schon lange nicht mehr am Leben.

Mit ihren Gegnern rechnet Thessaly gnadenlos ab. Auch Unschuldige können schon einmal zu Opfern werden, denn die Hexe ist nur an sich und ihrer eigenen Sicherheit interessiert. Dabei sieht sie die Dinge aus ihrer ganz persönlichen Perspektive, der einer nahezu unsterblichen, mächtigen Person, die an keine ethischen Grundsätze nach menschlichem Maßstab gebunden ist. Zwar gelten auch für sie bestimmte Regeln der Magie – womit die üblichen drei Prüfungen auf einer Queste, die kryptischen Andeutungen der wohl meinenden, mehr wissenden Helfer u. ä. Standardhandlungen innerhalb der phantastischen Literatur auf die Schippe genommen werden -, denen sie sich unterwirft und die sie geschickt für ihre Zwecke einzusetzen weiß. Was eigentlich ein Hemmschuh sein sollte, kehrt sie in einen Vorteil um, genauso wie der Autor die Klischees parodiert und so zu einer vertraut-skurrilen Handlung formt.

Nur vordergründig geht es um Action und Splatter. Wer zwischen den Zeilen liest, erkennt, dass das Gemetzel überhaupt nicht auf schwarzhumorige Weise verharmlost wird. Stattdessen versucht der Autor, eine völlig andere, nicht-menschliche Einstellung zum Leben zu beschreiben und gleichzeitig die gängigen Motive, die von vielen Autoren nach dem Bauskasten-Prinzip zusammengesetzt werden, als vorhersehbar und darum abgedroschen zu entlarven.

In Folge wendet sich „Sandman präsentiert“ an ein reiferes Publikum, das sich nicht nur von schönen Zeichnungen und einer spannend-makabren Story befriedigen lässt, sondern vor allem eine intelligente Handlung wünscht und fähig ist, tiefer zu blicken. Ihnen bietet „Thessaly 1“ einen kleinen Streifzug durch die Mythologie und den Superhelden-Kosmos, eine Parodie auf Genre-Klischees und schlichtweg eine unkonventionelle Hauptfigur, die allen Erwartungen ein Schnippchen schlägt.

Copyright © 2010 by Irene Salzmann (IS)
 
Titel erhältlich bei Buch24.de
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