Untot mit Biss

Karen Chance
Untot mit Biss

Cassie Palmer 1
Touch the Dark, USA, 2006
Piper Verlag, München, dt. Erstausgabe: 10/2008
TB, Romantic Fantasy, Urban Fantasy, Horror, 978-3-492-29183-5, 398/895
Aus dem Amerikanischen von Andreas Brandhorst
Titelgestaltung von Zero, München und HildenDesign, München unter Verwendung eines Motivs von Larry Rostant

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Cassie Palmer ist Hellseherin und kann mit Geistern kommunizieren. Diese Gaben machen sie zu einer wertvollen Helferin des skrupellosen Vampirs Antonio, der sogar ihre Eltern ermorden ließ, um das damals kleine Mädchen in seine Gewalt zu bekommen. Schließlich gelingt es Cassie, ihrem Gefängnis zu entkommen und unterzutauchen – bis eine geheimnisvolle Botschaft, die ihren Tod verkündet, sie aufschreckt.

Da Cassie nicht möchte, dass ihrem Mitbewohner Tomas ein Leid geschieht, versucht sie, ihn zu warnen, bevor sie die Flucht ergreift, doch ehe sie ihm die Situation erklären kann, werden sie von einer Gruppe Vampire entdeckt. Cassie ist sich sicher, dass sie beide nicht mehr lebendig aus dem Club heraus kommen. Plötzlich wird das Pentagramm auf ihrem Rücken aktiv, einige Geisterfreunde greifen ein, und Tomas lässt die Maske fallen: Auch er ist ein Vampir und mächtiger als die Gegner.

Als Cassie wieder zu sich kommt, befindet sie sich in relativer Sicherheit. Allerdings ist sie sich dessen bewusst, dass alles seinen Preis und der Vampirsenat triftige Gründe hat, sie zu retten. Tatsächlich könnten Cassies immer stärker werdenden Kräfte das Zünglein an der Waage sein in der sich anbahnenden Auseinandersetzung zwischen dem abtrünnigen Vampir Rasputin und dem Senat. Außerdem interessieren sich der schwarze und der silberne Zirkel der Magier ebenfalls für Cassies Talente.

Der attraktive Mircea, in den Cassie bereits als Elfjährige verknallt war, unterbreitet ihr ein verlockendes Angebot: Wird sie seine Geliebte, erlischt der Anspruch der anderen Gruppen auf Cassie, sie darf Rache an ihren Peinigern nehmen und die Seele ihres Vaters befreien – aber dadurch verliert sie ihre Unabhängigkeit und wird ein Werkzeug des Senats…

„Untot mit Biss“ ist der erste Band der „Cassie Palmer“-Serie, von der in den USA bereits drei Bände erschienen sind und ein vierter für Frühjahr 2009 angekündigt ist.

Wie in so vielen Vampir-Reihen, die momentan in keinem Verlagsprogramm fehlen dürfen, ist die Heldin auch hier eine mehr oder minder normale Frau, die es mit den faszinierenden Blutsaugern zu tun bekommt, von denen einer schöner ist als der andere – und natürlich verliebt sie sich in eines dieser Prachtexemplare. Anders jedoch als die meisten Protagonistinnen verfällt Cassie nicht sofort ihren extrem gut gebauten, unermüdlichen und unglaubliche Freuden schenkenden Verehrern, sondern bemüht sich (fürs Erste) einen kühlen Kopf zu bewahren, um ihre persönliche Freiheit zu erhalten. Sie wird auch (noch) nicht in eine Vampirin verwandelt, um sich verteidigen zu können, für immer jung zu bleiben und den Sex bis in alle Ewigkeiten genießen zu können; das ist auch nicht notwendig, denn sie verfügt bereits über allerlei Talente, die ihr helfen, in einer gefährlichen, magischen Welt zu überleben und sich durchzusetzen.

Zunächst ist Cassie ‚lediglich’ eine Seherin, die außerdem mit Geistern sprechen kann. Im gleichen Maße, wie ihre Fähigkeiten zunehmen, wird auch aus der Verfolgungsjagd erheblich mehr. Es geht bald nicht mehr um persönliche Motive wie Rache: Der Vampirsenat fühlt sich bedroht, da er bereits etliche Mitglieder durch einen Verräter verlor, so dass man Cassie für sich einspannen will. Dass sie etwas Besonderes ist, wissen aber auch andere Gruppen, die versuchen, die junge Frau entweder auf ihre Seite zu ziehen oder zu ermorden. Nach und nach werden die Geheimnisse, die Cassie umgeben, enthüllt.

Parallel dazu erfährt man mehr über die attraktiven Vampire, mit denen der Senat Cassie ködert. Wem ihr Herz tatsächlich gehört, wird nach einer Weile klar, und so darf man schließlich an der einen oder anderen erotischen Szene erfreuen, die jedoch nicht zu sehr ins Detail gehen und die Dinge überdies mit ausgesuchten Worten umschreiben. Das ist keineswegs selbstverständlich, denn andere Autorinnen des Genres bringen ihre Protagonisten sehr früh zusammen und sparen nicht mit grafischen und oft auch deftigen Schilderungen. Was gefällt, ist letztlich Geschmackssache.

Die intimen Momente werden sehr sparsam eingesetzt und würzen eine komplexe Handlung, die im Vordergrund steht. Cassie ist praktisch immer auf der Flucht, sie kann niemandem völlig vertrauen. Selbst jene, die es an sich gut mit ihr meinen, müssen Befehlen folgen oder haben noch einen persönlichen Grund, sie als Verbündete zu wünschen, bzw. entpuppen sich als etwas anderes, als sie zu sein vorgaben.

Es wird Leserinnen ab 15 Jahren leicht gemacht, sich mit der Hauptfigur zu identifizieren. Die Autorin wählt die erste Person und erzählt die Geschichte aus Cassies Perspektive. Dabei erscheint die Protagonistin als sympathische Figur mit der einen oder anderen kleinen Macke, dank derer sie – trotz ihrer Talente – nachvollziehbar ist. Man empfindet Verständnis für ihre Rachepläne und für ihre Skepsis gegenüber den so genannten Freunden. Ein starker Frauencharakter, der sich nicht sofort zum erstbesten Super-Vampir ins Bett wirft und prompt zum hilflosen Heimchen am Herde mutiert, ist eine wirklich angenehme Abwechslung.

Karen Chance schreibt flüssig und flott, kommt stellenweise aber auch immer mal ins Schwafeln. Vor allem wenn sie die Regeln der Vampire, Magier und Gespenster erklärt, wird das Tempo aus der Handlung genommen, was in schnellen, spannenden Szenen immer ein wenig stört. Etwas Humor ist auch dabei, vor allem wenn die schrägen Gespenster die Initiative ergreifen. Sie tragen ihren Teil dazu bei, dass die Handlung Wendungen erlebt und die Vampire nicht zu überlegen erscheinen.

Man findet sich leicht hinein in diese Welt und begleitet Cassie gern von der ersten bis zur letzten Seite. Natürlich wird nicht jedes Rätsel befriedigend gelöst, denn die offenen Fragen liefern der Autorin die Aufhänger für die nächsten Bände.

„Untot mit Biss“ ist ein vergnüglicher Vampir-Roman, der Action und Romantik miteinander gelungen verknüpft und die Protagonistin bis zum Schluss eine starke, selbständige Frau bleiben lässt. Das gefällt vor allem einem reiferen Publikum, das Freude an einer richtigen Handlung mit interessanten Figuren hat und softe Erotik als zusätzliche Würze empfindet, dabei auf deftige Ausdrücke lieber verzichtet. Fans von Titeln wie Barb & J. C. Hendees „Dhampir“, Lori Handelands „Wolfskuss“ (beide LYX) oder Ulrike Schweikerts „Nosferas“ (cbt), die etwas anspruchsvoller als viele vergleichbare Titel sind, haben gewiss auch an dieser Lektüre großen Spaß. (IS)

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