Valley – Tal der Wächter

Stroud, Jonathan
Valley – Tal der Wächter

cbj
ISBN 978-3-570-40041-8
Kinder & Jugend / Fantasy
Paperback
Übersetzt von Jung, Gerald / Orgaß, Katharina
Seiten/Umfang: 496 Seiten

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Stroud war mir von der Bartimäus-Saga bekannt. Von daher habe ich mich geradezu auf seinen Roman „Valley, Tal der Wächter“ gestürzt!

Um es gleich vorweg zu sagen: Bartimäus-Fans werden enttäuscht sein. Der Klappentext verspricht mehr, als das Buch hält. Übernatürliches ereignet sich erst auf den letzten 50 der 500 Seiten umfassenden Taschenbuch-Ausgabe, die CBJ drei Jahre nach Erscheinen des Hardcovers herausgebracht hat. Und wenn es keine Fortsetzung gibt, bleibt das Geheimnis um die Trolde und das Land jenseits der Grenze ungelöst. Wenn man aber die Genre-Erwartung einmal beiseite lässt, hat man eine sehr schöne und spannende Geschichte, die – horribile dictu – ganz ohne Magie funktioniert. Die trotz der Tatsache, dass sich die alten Legenden um ein Haar als Märchen erweisen, das Zeug zu einer eigenen, neuen Legende in sich trägt.

Straud wählt zur Entfaltung der Heldensaga um den sehr jungen Hal Svensson ein Setting, das dem isländischen bzw. norwegischen Sagenkreis entlehnt ist. Das titelgebende Valley ist seit Menschengedenken unter die zwölf Häuser aufgeteilt, die sich auf zwölf Helden als Ahnherren berufen, die einstmals mit den ersten Siedlern über die hohen Berge rings umher gekommen waren, das Tal von den Trolden (= Trollen) befreit hatten und die noch immer in ihren Hünengräbern die Grenze zum Troldland bewachen.

Die Geschichte des jungen Hal, Zweitgeborener des Hauses Sven und damit zum Schatten-Dasein als Pächter seines großen Bruders verdammt, ist durchsetzt mit Anekdoten von Heldentaten seines Stammvaters Sven aus der Zeit, als die Clan-Streitigkeiten noch mit dem Schwert ausgetragen wurden. Inzwischen herrscht Friede und vergleichsweise Wohlstand, regiert von Vernunft und Ratssitzungen. Man könnte auch sagen: Kleinkariertheit und Krämertum einer festgefügten Ordnung, in der für Heldentaten kein Platz mehr ist.

Von seinem Onkel dazu ermutigt orientiert sich Hal am alten Ehrbegriff und an den bauernschlauen, dreisten, selbstherrlichen Geschichten seines Vorbildes Sven. Als der Onkel feige ermordet wird, kann sich Hal nicht mit den Intrigen um Entschädigung und Land abfinden, sondern bricht selber, klein, kurzbeinig, hässlich und kaum den Kinderschuhen entwachsen, aber mit wachem Verstand und dem Silbergürtel des Großen Sven auf zu einem Rachefeldzug gegen das übermächtige Haus Hakon.

Was jetzt beginnt, nennt man wohl literarisch einen Entwicklungsroman. Die Figuren sind vom Charakter her und in ihren Motiven differenziert gezeichnet und kommen ohne ein gut-böse Schema aus. Die Entwicklung ist durchweg psychologisch plausibel. Bis auf Hals unglaubliches Glück verzichtet sie auf übernatürliche Kraftmeierei a la Sven und Kumpane. Hal sieht sich durch den Lauf der Ereignisse einer Überprüfung seiner Motive und seines Heldenvorbildes ausgesetzt, nicht zuletzt durch Aud Arnetochter, in der er eine ihm ebenbürtige Gefährtin findet, was Mut und Geisteskraft angeht. Auch Aud sieht keine Zukunft für sich als Verhandlungsmasse bei Eheverträgen, und so sprengen die beiden den zu enggesteckten Rahmen und brechen auf ins Land jenseits der Berge, aus dem die Siedler einst kamen.

Und die alten Legenden? Nun sie bedeuten das, was sie eigentlich immer bedeuten, ohne dass man sie deswegen als historisch wahr nehmen müsste: Inspiration aus alten Bahnen auszubrechen und sein Schicksal selber in die Hand zu nehmen und den Mut, die Herausforderungen des Weges als Schritte zur Reifung anzunehmen!

Eine schöne Geschichte also, auch ohne Magie… wenn die alten Legenden nicht doch wahr wären! Aber das sollte man selber lesen. Hoffentlich mit Fortsetzung!

Copyright © 2012 by Richard Toellner

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