Flug und Angst

Stephen King und Bev Vincent (Hrsg.):
Flug und Angst

Originaltitel: Flight or Fright (2018)
Dt. Erstausgabe: Juni 2019 (Heyne Verlag/TB-Nr. 43980)
Übersetzung: Kathrin Bielfeldt, Jürgen Bürger, Gisbert Haefs, Julian Haefs, Marcel Häußler, Bernhard Kleinschmidt, Kristof Kurz, Gunnar Kwisinski, Friedrich Mader, Alfred Scholz, Friedrich Sommersberg, Violeta Topalova, Sven-Eric Wehmeyer
Cover: Hauptmann & Kompanie, Zürich, unter Verwendung eines Fotos von © plainpicture/Cavan Images
447 Seiten
ISBN 978-3-453-43980-1

von Gunther Barnewald

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Die Anthologie enthält 17 Texte zum Thema Flugangst sowie ein Vor- (Stephen King) und ein Nachwort (Bev Vincent). Neben einer ultrakurzen Vignette von Ambrose Bierce (7 Sätze!!!) und einem arg pathetischen lyrischen Gedicht von James Dickey sind es vor allem einige Klassiker, die den Ton bestimmen. Darüber hinaus haben Stephen King und sein Sohn Joe Hill gut lesbare Erstveröffentlichungen beigesteuert. King Senior leitet jede Story ein. Zudem gibt es eine kurze Biografie zu jedem Autor.

Herausragend ist natürlich Richard Mathesons großer Klassiker (laut King vielleicht die „größte Flugangstgeschichte, die je geschrieben wurde“) „Albtraum auf 20000 Fuß“ („Nightmare at 20.000 Feet“), der bereits zweimal für die TV-Serie „Twilight Zone“ verfilmt wurde: einmal Anfang der 1960er Jahre mit William „James T. Kirk“ Shatner als Bob Wilson in Folge 123 der 5. Staffel (in Deutschland mit dem kruden Titel „Portrait eines ängstlichen Mannes“ versehen), und dann für den Kinofilm von 1983 mit John Lithgow in der Hauptrolle des „John Valentine“.

Hierzu etwas zu sagen, verbietet sich beinahe; erwähnt sei aber, dass der Autor das Ende recht offen lässt, während die Verfilmungen nur einen möglichen Ablauf vorgibt. Hier lässt Matheson dem Leser die Wahl: Psychose oder erschreckende Realität? Befremdlich für viele Leser wird sicherlich sein, dass man in den 60er Jahren tatsächlich nicht nur im Flugzeug rauchen konnte, sondern sogar Schusswaffen im Handgepäck transportieren durfte.

Ebenfalls Klassiker sind Bradburys elegische Kurzgeschichte „Die Flugmaschine“ („The Flying Machine“), in der sich der Autor mit der Frage beschäftigt, ob Dinge, die in die Welt kommen (z. B. neue Erfindungen), wieder ungeschehen gemacht werden können, und John Varleys „Luftangriff“ („Air Raid“), eine Story, die durch ihre Verfilmung bekannt wurde und zeigt, dass nicht alle Entführungen böse gemeint sind.

Stephen King überrascht die Leser mit einer ausnahmsweise positiven Flugangsterzählung, während sein Sohn Joe Hill einen stilistisch packenden Parforceritt abliefert, von dem wir alle nur hoffen können, dass diese Geschichte nie wahr wird (Donald Trump hin oder her).

Darüber hinaus gibt es allerdings zu viele Kriegsgeschichten, die den Horror in den vergangenen Weltkriegen suchen (David J. Schow und Roald Dahl, wobei letzterer wie immer hinreißend fabuliert) oder auf ausgelutschten Themen herumreiten (Bev Vincent und ihre Zombies und Cody Goodfellow und die Voodoo-Maske).

Lichtblicke bieten dagegen die herrlich antiquierte Erzählung von Sherlock-Holmes-Schöpfer Arthur Conan Doyle, die clevere Story von E. C. Tubb – auch wenn man die Auflösung schon nach wenigen Seiten kommen sieht, lässt er einem doch das Blut in den Adern gefrieren – und die politische, bittere Kurzgeschichte von Tom Bissell, während der ansonsten zuverlässige Dan Simmons leider nur Mittelmaß abliefert. Ebenfalls atmosphärisch sehr dicht, glaubhaft, packend und emotional überwältigend ekelhaft ist die Geschichte von E. Michael Lewis, mit der der vorliegende Band startet.

Alles in allem eine empfehlenswerte Anthologie mit einigen prächtigen Geschichten, von denen keine so schlecht ist, dass man sie nicht lesen könnte, und deren besten einen wahrlich mit kalter Hand am Schlafittchen packen und aufs Schauerlichste durchschütteln. Dazu kommt, dass viele der hier gesammelten Erzählungen so weit weg von unserer aktuellen Realität sind, dass man nicht wirklich in Flugangst verfallen muss, wenn man empfänglich dafür ist. Mag dies ein Manko sein oder ein Plus, ich weiß es nicht. Aber eines weiß ich: Die Lektüre hat Spaß gemacht!

Copyright © 2019 by Gunther Barnewald

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