Die Frau im grünen Mantel

Andrea Rottloff
Die Frau im grünen Mantel

Verlag Philipp von Zabern, Mainz, 02/2010
HC mit Schutzumschlag, History
ISBN 978-3-8053-4087-8
Titelmotiv: Reenactment, polnische Kriegerin, 13. – 15. Jh.;
Foto von gettyimages/Aaron Ansarov
Autorenfoto von N. N.

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Titel erhältlich bei Buch24.de
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Ende des 12. Jhs.: Nach dem Tod ihrer Eltern und dem Eintritt ihres Bruders in ein Kloster begibt sich die Engländerin Margret von Beverley auf eine Pilgerreise nach Jerusalem. Sie ist eine kluge Frau, die sogar lesen und schreiben kann, neugierig auf die Welt ist und bezweifelt, dass sie zur Nonne berufen ist, egal was sie ihrem Bruder einst versprach. Der Aufenthalt im Heiligen Land steht unter keinem guten Stern, denn die Kriegswirren des dritten Kreuzzugs verschonen niemanden. Als Jerusalem in die Hand der Sarazenen fällt, müssen Margret, ihre Freunde und viele andere die Stadt verlassen. Ihre Karawane wird überfallen, die Überlebenden werden als Sklaven verkauft und müssen in einem Bergwerk Zwangsarbeit leisten. Wie durch ein Wunder werden die Frauen von einem einflussreichen Medicus, der durch gute Taten für ein schweres Vergehen sühnen will, frei gekauft. Jonas Thorgilsson pflegt die schwer verletzte Margret gesund. Schon bald wird sie zu seiner Gehilfin und schließlich auch zu seiner Gefährtin. Doch der Krieg holt das nicht mehr junge Paar wieder ein …

Die Archäologin Andrea Rottloff befasste sich intensiv mit dem Zeitalter der Kreuzzüge, was sich in ihrem Roman „Die Frau im grünen Mantel“ wiederspiegelt. Sie legt großen Wert auf historische Fakten, korrekte Schilderungen der verschiedenen Kulturen, der Glaubenswelt und Konventionen der Menschen. Die durchaus spannende Handlung ist schmückendes Beiwerk und vermittelt die Informationen auf unterhaltsame Weise. Der Anfang des Buchs liest sich etwas zäh, doch schon nach wenigen Seiten wird man von den realistischen, atmosphärisch dichten Beschreibungen in den Bann gezogen. Überwiegend werden die Geschehnisse aus weiblicher Sicht (vor allem aus Margrets Perspektive) beleuchtet. Dabei werden manche Klischeevorstellungen von der Rolle der Frau unaufdringlich korrigiert:

Zwar hatten sie es schwer, in einer von den Männern und der Kirche dominierten Welt eigene Wege zu gehen, doch die eine oder andere gebildete und mutige Zeitgenossin schaffte es, sich in einem gewissen Rahmen durchzusetzen und z. B. eine Pilgerreise zu unternehmen, sich Wissen anzueignen und es anzuwenden, in einer eheähnlichen Gemeinschaft zu leben oder ein uneheliches Kind aufzuziehen, ohne gesellschaftliche Ächtung zu erfahren. Auch die Sarazenen werden nicht, wie so oft in der westlichen Belletristik, als eindimensional ‚böse‘ Feinde im Kontrast zu den ‚guten‘ Kreuzfahrern dargestellt. Stattdessen wird darauf hingewiesen, wie fortschrittlich die Kulturen des Morgenlandes bereits waren und dass Saladin durch erstaunliche Toleranz zu überraschen wusste, während die Eindringlinge aus Europa ungebildet, stur und nicht selten ehrlos wirken, von der Bigotterie der Kirchenfürsten ganz zu schweigen. Dass es solche und solche auf beiden Seiten gab, verdeutlichen entsprechende Einzelschicksale.

Wie so oft sind es die einfachen Menschen, die Unbeteiligten, die zwischen die Fronten geraten und viel Leid erdulden müssen. Hunger, Krankheit, Gewalt, Krieg und Tod gehören zu ihrem Leben und werden ungeschönt, aber nicht zum Selbstzweck eingebunden. Margret, Jonas und ihre Freunde müssen so manchen Verlust beklagen – aufgrund der Selbstsucht, des Gewinnstrebens und des Fanatismus‘ dritter. Die Tragödien rühren den Leser, und er stimmt den Schlussfolgerungen der Protagonisten von Herzen zu, dass die Konflikte und Gräuel absolut sinnlos sind. Statt einander zu verachten und zu bekämpfen, könnte man voneinander lernen zum Wohle aller. Die Religionen trennen nicht, da sie die gleichen Wurzeln haben, auf ähnlichen Grundlagen basieren und derselbe Gott lediglich mit verschiedenen Namen angerufen wird. Dass die Autorin mit ihrem Buch die aktuelle Situation in Nahost und den ewigen Konflikt zwischen Juden, Christen und Moslems kritisiert, liegt auf der Hand. Obwohl fast 1000 Jahre vergangen sind, haben die Menschen nichts gelernt, wieder sind Zivilisten und Unschuldige die Opfer …

„Die Frau im grünen Mantel“ ist ein historischer Roman, der vor allem jene Leser anspricht, welche eine hieb- und stichfeste geschichtliche Aufbereitung zu schätzen wissen, die mit einer kurzweiligen Erzählung Hand in Hand geht.

Copyright © 2010 by Irene Salzmann (IS)

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