Die Jesuitin von Lissabon

Titus Müller
Die Jesuitin von Lissabon

Rütten & Loening
ISBN 978-3-352-00782-8
Historischer Roman
1. Auflage 2010
Schutzumschlaggestaltung Mediabureau Di Stefano Berlin
unter Verwendung von iStockphoto Motiven © Joachim Angeltun, © sx70
und einer Karte Lissabons von Joris Hoefnagel, © bridgemanart.de
Hardcover, 453 Seiten

www.ruetten-und-loening.de
www.aufbau-verlag.de
www.titusmueller.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Zum Autor:

Titus Müller, 1977 in Leipzig geboren, studierte Neuere deutsche Literatur, Mittelalterliche Geschichte und Publizistik in Berlin. Er erhielt den Würth-Literaturpreis und den C.S. Lewis-Preis. „Das Mysterium“ wurde 2008 mit dem Sir Walter Scott-Preis als bester historischer Roman des Jahres ausgezeichnet. Titus Müller lebt in München. Bisher erschienen von ihm: „Der Kalligraph des Bischofs“, „Die Priestertochter“, „Die sieben Häupter“, „Der zwölfte Tag“, „Die Brillenmacherin“ und „Die Todgeweihte“.

Zur Handlung:

Lissabon erlebt eine furchtbare Katastrophe im 18.Jahrhundert: Die Stadt wird von einem schwerwiegendem Erdbeben heimgesucht und zerstört diese fast vollständig und begräbt viele Einwohner unter den Trümmern. Der Orden der Jesuiten verurteilt die Katastrophe als Handeln Gottes die Menschen zu strafen. Alleine der Schmuggler, Naturwissenschaftler und ehemalige Ordensangehörige Antero Moreira de Mendonca kämpft mit allen Mitteln gegen die Macht des Ordens mit ihrem grausamen Führer und Erzfeind Gabriel Malagrida. Doch ein Netz aus Intrigen und unübersichtlichen Seilschaften behindern ihn in seiner Arbeit, das Erdbeben als natürliche Katastrophe nachzuweisen.

Auch in der jungen Frau Leonor scheint er sich getäuscht zu haben, da sie im Geheimen für die Jesuiten arbeitet. Doch auch sie beginnt an ihrer Gesinnung zu zweifeln. Denn obwohl der Orden der Jesuiten seither im Bereich Forschung vieles geleistet hat, versuchen sie zunehmend ihre Macht unter dem christlichen Glauben zu stärken, auszubauen und für ihre Zwecke zu missbrauchen. Leonor beginnt zunehmend, Antero und seine kleine Tochter vor den gefährlichen Fängern zu schützen. Doch es scheint nicht einfach, Antero zu überzeugen…   

Mein Fazit:

Titus Müller ist es gelungen, einen interessanten historischen Roman über eine Naturkatastrophe zu schreiben, die das Leben einer Stadt im 18.Jahrhundert grundlegend verändert. Interessant ist hier eindeutig der authentische historische Hintergrund. Der Schreibstil ist anspruchsvoll aber gut lesbar, das Buch selbst ist in viele kurze Kapitel eingeteilt, die ich als Leser sehr mag. Sie gliedern den Roman sehr überschaubar und gut nachvollziehbar.

Die gute Recherche der geschichtlichen Ereignisse bilden das Grundgerüst dieser Geschichte um die Frage nach dem Sinn des Übernatürlichen, die Angst und Beeinflussbarkeit der Menschen  und einer anbahnenden Liebesgeschichte. Das Bild der zerstörten Stadt Lissabon und die Handlungen werden mir als Leser sehr deutlich sichtbar. Dies bietet mir eine gute und nachvollziehbare Unterhaltung im schon anspruchsvollen Bereich der historischen Romanen. Denn auch der religiöse und politische Hintergrund spielt eine wichtige Rolle im Verlauf der Entwicklungen. In allem wird hier der frühere eher langweilige Geschichtsunterricht hier sehr lebendig durch den Autor vermittelt!

Da dies mein erster Roman von Titus Müller ist, bin ich auf seine weiteren schon veröffentlichten Romane (siehe oben) sehr gespannt.

Copyright © 2010 by Sandra Stockem

Und hier eine weitere Rezension zum Buch:

Titus Müller entführt den Leser in seinem Buch „Die Jesuiten von Lissabon“ in das Jahr 1755. Antero Moreira de Mendonca ist auf dem Schiffweg zurück in seine alte Heimatstadt Lissabon unterwegs. Was zunächst als eine Art Abenteuergeschichte anmutet, da Antero mit Schmugglerware unterwegs ist, entpuppt sich dann als etwas ganz Anderes. Antero kehrt nach Lissabon zurück, zu seiner Geliebten Leonor, einer Kaufmannstochter. Mit deren Hilfe will er den Kampf gegen den Ordensführer der Jesuiten, Gabriel Malagrida, aufnehmen. Antero ahnt nicht, dass Leonor ihre eigene Zukunft bei den Jesuiten sucht und bereits seit Jahren für diese arbeitet. Im Hause Leonors besucht Antero auch seine kleine Tochter Samira, die aus einer vorangegangenen Liebesbeziehung hervorgegangen ist. Julia, Samiras Mutter, musste sterben, und die Schuld hieran trägt einzig und allein Malagrida. Anteros Hass gegen den Jesuitenführer und dessen Orden ist daher groß, aber auch verständlich.

Während Anteros Aufenthalt in Lissabon vermehren sich die Anzeichen, dass eine Naturkatastrophe bevorsteht. Antero ist Wissenschaftler und als solcher merkt er schnell, dass plötzlich die Quellen nach Schwefel riechen, und dass sich die Tierwelt auffällig verhält. Kurze Zeit später ist es bereits zu spät. Ein katastrophales Erdbeben sucht die bis dahin reiche Hauptstadt heim und vernichtet innerhalb kürzester Zeit Reichtümer und Leben ungeahnten Ausmaßes. Antero weiß, dass Malagrida dieses Unheil für seine Zwecke nutzen will. Umso mehr ist ihm daran gelegen, die Hintergründe und Ursachen der Entstehung von Erdbeben aufzuklären. Dies ist von da an sein einziges Tun und Bestreben.

Der Autor bindet in seine Geschichte auf  ansprechende Weise historische Ereignisse und Figuren ein und macht sie neben der Handlung zum Hauptbestandteil des Romans. Hier geht es weniger um die Liebesgeschichte zwischen Leonor und Antero, sondern viel mehr um das schreckliche Erdbeben und die politischen und religiösen Interessen unterschiedlicher Gruppierungen. Auf dieser Grundlage erlebt die Handlung selbst nur wenige Höhen und Tiefen. Die Charaktere sind sehr detailliert beschrieben und es ist faszinierend mitzuerleben, wie Menschen innerhalb kürzester Zeit eine solch große Änderung durchleben können wie beispielsweise Leonor. Nicht  nur die Stadt Lissabon, sondern auch ihre Bewohner und damit auch die Protagonisten dieses Romans stehen vor einem Neuanfang.

Geschichte für jedermann, gekonnt verpackt.

Besonders zu erwähnen ist das Zusatzmaterial, welches dem Buch am Ende beigefügt ist. Hier findet der Leser neben Ausführungen zum Erdbeben und zum Leben Malagridas auch noch ein Interview mit dem Autor.

Copyright © 2010 by Iris Gasper

Titel erhältlich bei Buch24.de
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