Doktor Maxwells skurriles Zeitexperiment

Jodi Taylor
Doktor Maxwells skurriles Zeitexperiment
(Die Chroniken von St. Mary’s 3)

Originaltitel: A Second Chance (The Chronicles of St. Mary´s Book 3)
Deutsche Erstausgabe: Februar 2021 (Blanvalet Verlag/TB-Nr. 6272)
Übersetzung: Marianne Schmidt.
Cover/Artwork: Isabelle Hirtz/Incraft (unter Verwendung mehrerer Motive von Shutterstock.com)
489 Seiten
ISBN 978-3-7341-6272-5

von Gunther Barnewald


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Doktor Madeleine „Max“ Maxwell ist angehende stellvertretende Leiterin ihres Forschungsinstituts, das Zeitreisen in die Vergangenheit unternimmt. Sie hat mindestens ebenso einen an der Waffel wie ihre Kollegen, die sich wieder mit besonderem Irrwitz austoben, als Max einen Tag abwesend ist. Wegen einer verlorenen Wette ‚müssen‘ sich alle Forscher blau anmalen, wobei niemand auf die Idee kommt, dafür wasserlösliche Farbe zu nehmen.

So muss Max bei ihrer Rückkehr einspringen, als es darum geht, einen älteren und ehrbaren Professor auf seiner Reise zu Isaac Newton zu begleiten; schließlich kann man keine Schlümpfe in die Vergangenheit schicken, ohne dort einen Skandal mit Festnahme auszulösen. Max und ihr Begleiter kommen natürlich trotzdem in Teufels Küche und entkommen nur mit Mühe und Not.

Kurz darauf steht für Max und ihre Kollegen die lang ersehnte Reise nach Troja an. Statt dem legendären Untergang der sagenumwobenen Stadt beizuwohnen, läuft auch hier nichts wie erwartet. So gibt es weder eine entführte Helena noch ein hölzernes Pferd. Stattdessen wird Max von blutrünstigen, beutehungrigen Griechen umringt und glaubt, ihr letztes Stündlein habe geschlagen …

Erneut sorgt Doktor Maxwell mit skurrilen Sprüchen, markigem Auftreten und bekloppten Handlungen für Erheiterung beim Leser. Sie und ihre Kollegen lassen keine kindsköpfige Peinlichkeit aus, um die eigene geistige Unreife unter Beweis zu stellen. Sei es die absurde Teilnahme an einem selbstmörderischen Käserennen einen steilen Abhang hinab oder der Besuch der berühmten Schlacht bei Azincourt 1415 zwischen dem englischen König Heinrich V. und den Franzosen unter König Karl VI. – stets riskieren diese Verrückten mutwillig ihr Leben, um im Getümmel Aufzeichnungen zu machen.

So geschieht es wie schon erwähnt auch während der Belagerung Trojas, wobei die Autorin ganz eigene Ideen zum Fall der Stadt einbringt, die keineswegs zutreffen müssen, aber recht innovativ den Verlauf der Geschichte variieren: Kurzerhand schreibt Taylor die Homers Vorlage um. Er war als Grieche natürlich parteiisch und hat voreingenommen über seine kriegerischen Landsleuten berichtet.

Ihnen stattdessen einen genialen Plan zu unterstellen, der sie nach zehn vergeblichen Jahren der Belagerung endlich hinter die Mauern bringen konnte, ist ebenso genial wie unbeweisbar („Man hüte sich vor Griechen, die Geschenke bringen“ – dies vor allem wenn es hölzerne Pferde sind!). Hier hat die Autorin ganz eigene Ideen, warum Troja fiel.

Auch der Renegat aus der Zukunft, der den Zeitreisepod Nummer 9 entführte, taucht wieder auf, entführt Max und lässt sie beinahe in der Kreidezeit stranden … Neue Gefahren für die abenteuerlustige Max, als ein einziger Mensch überleben kann, weshalb … aber mehr soll hier nicht verraten werden!

Erneut ist die Lektüre dieses durchgeknallten Zeitreiseabenteuers und seiner irren Forscherin das pure Vergnügen, weil einfach umwerfend komisch. Der dritte Band dieser Serie hat die üblichen Schwächen (schlecht recherchiert, kaum historisch glaubwürdige Details, Figuren manchmal klischeehaft) und Stärken (geniale Gags, herrlich bescheuerte Charaktere und Handlungen, hoher Spannungsgehalt der Erzählung, beeindruckende Atmosphäre) der beiden Vorgängerbände und hält mühelos das Niveau der Serie. Hoffentlich macht die Autorin nahtlos so weiter!

Fieser Fun-Fakt am Rande: Der Gestalterin des Titelbildes (Isabelle Hirtz) ist es wie schon im zweiten Band gelungen, das Wort „Corona“ – hier beim hölzernen Pferd – auf dem Cover unterzubringen. Chapeau!

Copyright © 2021 by Gunther Barnewald

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