Miss Maxwells kurioses Zeitarchiv

Jodi Taylor
Miss Maxwells Kurioses Zeitarchiv

Originaltitel: Just One Damned Thing After Another (The Chronicles of St. Mary´s Book 1) (2013)
Deutsche Erstausgabe: August 2019 (Blanvalet Verlag/TB-Nr. 6208)
Aus dem Englischen von Marianne Schmidt
510 Seiten
ISBN 978-3-7341-6208-4

von Gunther Barnewald


Buch bei Amazon.de
Buch bei Buch24.de
Buch bei eBook.de
Buch bei Booklooker.de

Madeleine „Max“ Maxwell ist eine dickköpfige Unruhestifterin und ein Pechvogel par excellence. Deshalb ist sie umso überraschter, dass sie nach der Beendigung ihres Archäologie-Studiums an der Thirsk-Universität ein interessantes Jobangebot bekommt. Im Laufe des Ausbildungsprozesses, der nicht nur aus geschichtlichen Studien besteht, wird sie in Technikwissen und vor allem handfester körperlicher Ertüchtigung und Selbstverteidigung ausgebildet: Max soll mit anderen Historikern in die Vergangenheit reisen, um dort ‚vor Ort‘ wichtige Erkenntnisse zu sammeln.

Bald zeigt sich, dass diese Missionen viel gefährlicher sind als gedacht. Wenn ein Reisender aus Versehen oder mit Absicht ein wichtiges historisches Ereignis zu manipulieren droht, ereilt ihn oder sie der Tod, denn die Zeitlinie schützt sich vor Veränderungen. Deshalb müssen alle sehr vorsichtig agieren.

Zudem gibt es an den jeweiligen historischen Schauplätzen mehr als genug Gefahren, sodass die Historiker dezimiert werden wie die Fliegen. Ohnehin bestehen nur wenige Ausbildungskandidaten den harten Ausleseprozess, weshalb sich Max bald in einer immer kleiner werdenden Gruppe wiederfindet. Als dann auch noch konkurrierende Zeitreisende auftauchen, die nur des Gewinnes und der Macht wegen die ‚Kollegen‘ sabotieren, entspinnt sich in der fernen Kreidezeit ein erbitterter Machtkampf, der allen das Leben kosten könnte…

Wie so oft in Zeitreisegeschichten ist nicht alles wirklich logisch, was die Autorin zusammenphantasiert. So bleiben die Motive der ‚Konkurrenz‘ doch sehr nebelhaft. Der Besitz einer Zeitmaschine bietet mehr als genug Möglichkeiten reich und mächtig zu werden, sodass der Kampf der beiden Gruppen rätselhaft bleibt. Auch die Rettung von altem Kulturgut – z. B. vor einem verheerenden Brand – wäre viel müheloser, würde man alte Aufzeichnungen einfach per Mikrokamera abfilmen (versteckt etwa in Kopfschmuck), anstatt alten Papyrus zu konservieren (ein echter Dummfug).

Sieht man von solchen Logiklöchern ab, hat die Autorin eine äußerst spannende und unterhaltsame Geschichte entworfen hat, die sie mit viel Geschick und Verve erzählt. Wunderbar gelungen sind auch die Protagonisten, allen voran die querköpfige, tollpatschige und sehr selbstbestimmte Max, die ihre Mitmenschen schnell zur Verzweiflung bringen kann. Aber auch ihre Kollegen wirken lebendig und sympathisch. Dazu gibt es viele zwischenmenschliche Verwicklungen, die der Geschichte viel Energie und Drive geben, auch wenn der Alkohol zu oft in exzessiven Strömen fließt.

Wer Spaß an Connie Willis Meisterwerken um Mr. Dunworthy und seine zeitreisenden Kollegen hat („Die Jahre des schwarzen Todes“, „Die Farben der Zeit“, „Dunkelheit“, „Licht“ und die Story „Brandwache“), kann auch hier nichts falsch machen, obwohl sich Taylor weder stilistisch noch inhaltlich = bezüglich der historischen Recherchen mit Willis messen kann. (Wer kann das schon!). „Miss Maxwells Kurioses Zeitarchiv“ dürfte auch die Leser von David Gerrolds „Die Bestie“ oder Jack Finneys grandiosen Werk „Das andere Ufer der Zeit“ locken.

Ungeachtet der Fehler und Schwächen bietet dieser erste Band der Abenteuer von Fr. Maxwell einen extrem hohen Spaß- und Unterhaltungsfaktor. Das Buch liest sich weg, wie Butter in der heißen Sonne schmilzt. Bitte unbedingt mehr davon!

Copyright © 2019 by Gunther Barnewald

Buch bei Amazon.de
Buch bei Buch24.de
Buch bei eBook.de
Buch bei Booklooker.de

Der Stern von Granada

Split Second – Zurück in der Zeit

Das Experiment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.