Monsieur weilt nicht mehr unter uns

Claude Izner (Liliane Korb und Laurence Lefèvre)
Monsieur weilt nicht mehr unter uns
Victor Legris 4

Le Secret des Enfants-Rouges, Frankreich, 2004
Piper Verlag, München, 01/2015
TB, Paris-Krimi, Histo-Krimi
ISBN 978-3-492-30637-9
Aus dem Französischen von Gaby Wurster
Titelgestaltung von Mediabureau Di Stefano, Berlin unter Verwendung
von Abbildungen von Linda Stewart, Eric Gagnon, beide iStockphoto

www.piper.de
http://claudeizner.free.fr

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1892: Der Forscher Antoine du Houssoye reist nach England, um Lady Fanny Hope Pebbles zu bitten, ihm einen aus Knochen geschnitzten Kelch, den ihr verstorbener Bruder aus Indonesien mitgebracht hatte, für Untersuchungen zu überlassen, denn er vermutet, Beweise für die Verwandtschaft von Affe und Mensch finden zu können. Zu seinem Bedauern muss er mit nichts anderem als einer Adresse nach Paris zurückkehren. Er erfährt nicht, dass Lady Pebbles unmittelbar nach diesem Gespräch erschossen wurde.

Die Adresse führt du Houssoye zu dem Buchhändler Kenji Mori, der von Lady Pebbles den Kelch zur Erinnerung an die Freundschaft mit ihrem Bruder erhalten hatte. Allerdings weilt Kenji gerade nicht in Paris, und so gerät die Visitenkarte, die der Angestellte Joseph Pignot in Empfang nahm, in Vergessenheit. Erst nach einem Einbruch, bei dem Kenjis Wohnung durchwühlt wurde, gelangt die Notiz in die Hände von Victor Legris, Kenjis Adoptivsohn und Geschäftspartner. Er sucht du Houssoye auf, doch auch dieser wurde unlängst erschossen. Kenji stellt nach seiner Rückkehr das Verschwinden des gesuchten Kelches fest, woraufhin die Jagd nach dem Artefakt beginnt, das noch mehr Menschen das Leben kostet. Es scheint, als gäbe es den Fluch tatsächlich, der jedem Unglück bringt, der das Objekt besitzt …

Bereits zum vierten Mal betätigt sich der Pariser Buchhändler Victor Legris als Hobby-Detektiv. Der mysteriöse Kelch, der seinem väterlichen Freund Kenji Mori gestohlen wurde, macht die ganze Sache zu einer persönlichen Angelegenheit. Ihm zur Seite steht erneut sein Angestellter und zugleich hoffnungsvoller Jungautor von Kriminalgeschichten Joseph Pignot. Auch Kenji beteiligt sich aktiv an den Ermittlungen, aktiver sogar als im vorherigen in sich abgeschlossenen Roman „Mademoiselle muss heute sterben“, als es schien, Iris, seine Tochter und Victors Halbschwester, wäre in Gefahr. Nebenbei gibt er einige seiner Geheimnisse preis und wirkt dadurch sogleich sehr viel lebendiger.

Während eine wahre Schnitzeljagd nach dem Kelch entbrennt, der durch etliche Hände wandert und so manche Leiche zurücklässt, entwickeln sich die Protagonisten und ihre Beziehungen untereinander weiter: Victors Gefährtin, die Malerin Tasha Kherson, ist verärgert, weil sie ahnt, dass sich Victor wieder einmal in Gefahr begibt, er ihr jedoch sein Vorhaben verschweigt. Umgekehrt lässt sie ihn im Glauben, wegen einer Ausstellung zu verreisen, trifft sich jedoch heimlich mit einem Mann, dessen Brief von Victor gefunden wird und der den Unbekannten für einen früheren Liebhaber Tashas hält, welcher die intime Freundschaft erneuern will. Schließlich springen beide über ihren Schatten, denn ihnen ist klar, dass die vielen Geheimnisse ihre Liebe nur belasten.

Kenji hat Tasha endlich akzeptiert. Nun muss er sich auch damit arrangieren, dass sich Joseph und Iris ineinander verliebt haben, was ihm besonders schwerfällt, ähnelt doch die Situation seiner eigenen, als er vor Jahren das Herz von Daphné gewann, der verstorbenen Mutter von Iris und Victor. Zwar gibt es mittlerweile auch eine neue Frau an Kenjis Seite, doch will er weiterhin zwischen Gefühlen – Daphné war seine große Liebe – und Bedürfnissen trennen. Die Tänzerin Eudoxie Allard ist klug genug, ihn nicht zu drängen. Zudem sieht es ganz danach aus, als würde diese ‚kleine Familie‘ Zuwachs erhalten, denn die vielen Todesfälle ziehen unvorhersehbare Konsequenzen nach sich.

Das Rätsel um den Kelch kann auf logische gelöst werden. Das Motiv des Mörders überzeugt, waren und sind doch viele tief religiöse Menschen oft nicht mit den Erkenntnissen der Wissenschaft einverstanden, wenn diese in Konflikt mit den Aussagen der „Bibel“ geraten und somit als Blasphemie erachtet werden. Dabei nimmt Claude Izner alias die Schwestern Liliane Korb und Laurence Lefèvre Bezug auf reale Geschehnisse, die im Nachwort erläutert werden. Ferner findet sich wieder eine Liste jener Bücher, die im Roman erwähnt werden, falls der Leser sich ein Bild von der Literatur des ausgehenden 19. Jahrhunderts machen möchte.

Wie zuvor weiß das Autoren-Duo spannend zu unterhalten. Die Handlung ist verschlungen und abwechslungsreich, die Charaktere sind sympathisch-schrullig, und die realistische Atmosphäre, die durch das unauffällige Einflechten geschichtlicher Fakten entsteht, zieht das Publikum in den Bann. Auf weitere „Victor Legris“-Krimis darf man gespannt sein!

Copyright © 2014 by Irene Salzmann (IS)

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