Sebastian und der Wettlauf mit dem Schwarzen Tod

Harald Parigger
Sebastian und der Wettlauf mit dem Schwarzen Tod

Arena Bibliothek des Wissens
Arena Verlag, Würzburg, 8/2008
PB, Jugendbuch 5583, Sachbuch, Geschichte,  978-3-401-05583-1, 142/895
Titel- und Innenillustrationen von Klaus Puth
www.arena-verlag.de
www.haraldparigger.com
www.klausputh.de/klausputh.html

Schon viele Eltern und Lehrer haben sich die Frage gestellt, wie man Kindern am besten Geschichte vermittelt, denn trockene Fakten und Zahlen sprechen auch manche Erwachsene nicht besonders an. Dann machte man die Erfahrung, dass Wissen am eindringlichsten haften bleibt, wenn es mit Einzelschicksalen verbunden ist – sei es nun der Lebensweg eines Kindes oder eines Erwachsenen in einer bestimmten Epoche und Situation. Indem der Leser durch die Augen des Protagonisten blickt, werden die seelenlosen Daten plötzlich verständlich und nachvollziehbar.

Deshalb erscheinen auch seit Jahren Bücher, die Wissen in Form einer Erzählung vermitteln und durch Sachartikel ergänzen. So ist auch „Sebastian und der Wettlauf mit dem Schwarzen Tod“ weder Roman noch Sachbuch, sondern liegt genau dazwischen.

Eine Krankheit, deren Ursachen unbekannt sind, befällt immer mehr Bewohner der Stadt. Der junge Sebastian und sein Vater, ein studierter Arzt, versuchen alles, um die Menschen zu heilen, doch sie wissen bald auch keinen Rat mehr. Dann das Wissen über die guten und schlechten Körpersäfte scheint hier zu versagen. Weder Einläufe noch Aderlässe können helfen. Wenn sich auf der Haut eitrige und dunkel verfärbte Beulen zeigen und das Fieber immer weiter steigt, sind die Menschen verloren. Und die Seuche macht vor niemandem Halt, weder Arm noch Reich, Jung noch Alt werden verschont. Die beiden können nicht mehr tun, als Schmerzen zu lindern und zu versuchen, das Fieber zu senken. Auch wenn sie selbst noch nicht betroffen sind, so leiden sie doch mit den Familien und Kranken mit.

In seiner Verzweiflung sucht Sebastians Vater selbst bei den Juden Rat, aber die können auch nicht mehr viel helfen, denn sie müssen um ihr eigenes Leben fürchten. Längst hat sich die Wut der Überlebenden gegen sie gerichtet, weil die Ursachen für den „Schwarzen Tod“ unentdeckt bleiben. Sie sind der ideale Sündenbock, um an ihnen Wut, Schmerz und Verzweiflung loszuwerden. Denn tiefe Depression hat die Menschen befallen, die nicht mehr durch Alkohol betäubt werden kann, und Weltuntergangsstimmung macht sich breit.

Selbst Sebastian bekommt das zu spüren. Er erlebt die Folgen der Epidemie hautnah mit und erleidet einen schweren Verlust. Und dann bekommt auch er hohes Fieber.

In lebendigen Spielszenen zeichnet Harald Parigger ein eindringliches und leicht zu verstehendes Bild der Zeit, das von Klaus Puth in passenden Bildern untermalt wird. Sachtexte unterbrechen die einzelnen Kapitel und ergänzen oder vertiefen die im Storyteil geschilderten Ereignisse.

Nach und nach erfährt man so, woher der „Schwarze Tod“ kam, wie die Pest nach und nach Europa erfasste und blühende Landschaften in unbewohnte Wüsteneien verwandelte. Die Krankheit ließ auch das Denken und Fühlen der Menschen nicht unverändert. So wie sie für ihre Angst ein Ventil in den Angriffen gegen die Juden und andere Randgruppen suchten, so veränderte sich auch die Kunst, als man sich der eigenen Vergänglichkeit mehr als früher bewusst wurde.

„Sebastian und der Wettlauf mit dem Schwarzen Tod“ richtet sich in erster Linie an Kinder zwischen zehn und vierzehn Jahren. Durch die Übertragung der historischen Fakten auf ein Einzelschicksal wird die Geschichte begreifbarer und verständlicher. Dem Autor und Zeichner gelingt das auf eine unspektakuläre, aber dennoch spannende Art und Weise, die die Vergangenheit zu einem nachspielbaren Abenteuer macht. Das Ziel, Wissen auf leichte Art zu vermitteln, wird damit mehr als erreicht. (CS)

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Sebastian und der Wettlauf mit dem Schwarzen Tod: Die Pest überfällt Europa

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