The Chill – Sie warten auf dich

Scott Carson
The Chill – Sie warten auf dich

Originaltitel: The Chill (2020)
Deutsche Erstausgabe: Juni Juni 2021 (Heyne Verlag/Heyne Tradepaperback 44111)
Übersetzung: Marcel Häußler
Cover: Das Illustrat, München (unter Verwendung von Motiven von Shutterstock.com/Paper Street Design, sakdam)
494 Seiten
ISBN 978-3-453-44111-8

von Gunther Barnewald


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Einst wurden in der näheren und weiteren Umgebung von New York viele Staudämme gebaut. Sie sollten die Wasserversorgung der riesigen Stadt sichern. Manche wurden irgendwann nicht mehr oder nie benötigt. So wurde der Fluss Chill am Chilewaukee-Stausee oberhalb des Städtchens Torrance einst zu einem See aufgestaut.

Wo sich dieser heute erstreicht, lebten einst Menschen in der kleinen Stadt Galesburg, Viele Bürger weigerten sich den Ort zu verlassen, und es wurden sogar einige Männer getötet, die den Bau der Staumauer beschlossen hatten. Doch es half nicht. Der Stausee wurde verwirklicht, Galesburg versank in den Fluten.

Im Jahr 2019 ereignet sich Merkwürdiges rund um den Stausee. Der für Torrance County zuständige Sheriff Steve Ellsworth (und sein mit Problemen belasteter Sohn Aaron) werden in übernatürliche Ereignisse verwickelt. Manche schon lange tote Galesburger sind noch ‚lebendig‘ und auf Rache aus. Mit einem perfiden Plan wollen sie der verhassten Metropole New York den Garaus machen.

Die vorliegende Geschichte schrieb der US-amerikanische Autor Michael Koryta unter dem Pseudonym Scott Carson. Sie ist von großer atmosphärischer Dichte und steckt voller wirklich guter Ideen, krankt jedoch am nachlassenden kreativen Output des Autors im letzten Drittel der Geschichte.

Während der Spannungsbogen hoch bleibt, verschwinden die Gruselelemente leider sang- und klanglos. Man bedauert als Leser, nicht wirklich Näheres über die mysteriösen Geheimnisse von Galesburg, die dortigen Geister und deren Macht erfahren zu haben.

Wer ist der scheinbar unsterbliche Fotograf Haupring, dessen menschlichen ‚Motive‘ kurz nach dem Schnappschuss sterben? Woher bezieht der Anführer des alten Galesburg seine Macht? Woher wissen seine rachsüchtigen Bewohner von ihrer Bestimmung, wer koordiniert ihr Wirken?

Zu viele Fragen bleiben offen, die Geschichte verlässt sich zu sehr auf das sich Schreckensszenario. Befriedigender wäre es gewesen, die Gruselelemente mehr in den Mittelpunkt des letzten Drittels zu stellen, vom unterirdischen Wirken der Toten, aus der Vergangenheit Galesburgs und über die Besonderheiten dieses Ortes zu berichten. Die Vorgeschichte wird nur ansatzweise preisgegeben, die Hintergründe bleiben völlig schleierhaft,

Trotzdem macht die Lektüre großen Spaß, die Atmosphäre ist (zumindest bis zur einsetzenden Katastrophe) eine Wucht,, und spannend bleibt es bis zum Schluss, getragem von der Frage, ob die Rache nun vollzogen werden kann oder einer der Handelnden noch in letzter Minute dazwischen grätschen kann (um mal diese Metapher aus dem Fußball zu bemühen).

„The Chill“ ist ein durchaus lesenswerter und recht innovativer Horrorroman, nicht perfekt, aber gut. Vielleicht gibt es ja irgendwann mal eine Fortsetzung, in der man mehr über die unheimlichen Besonderheiten des Tals, die ‚untoten‘ Bürger und deren Vergangenheit erfährt.

Copyright © 2021 by Gunther Barnewald

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