Zeitflut

Will McCarthy
Zeitflut

Originaltitel: Antediluvian (2019)
Deutsche Erstausgabe: März 2021 (Heyne Verlag/Paperback Nr. 32076)
Übersetzung: Norbert Stöbe
Cover: DAS ILLUSTRAT, München (unter Verwendung eines Motivs von Serg036/Shutterstock)
447 Seiten
ISBN 978-3-453-32076-5

von Gunther Barnewald


Titel bei Amazon.de

Die Wissenschaftler Harv Lionel und Tara Mukherjee haben eine Methode entdeckt, über genetische Stimulation Erinnerungen längst verstorbener Vorfahren zum ‚Leben‘ zu erwecken. Harv lässt sich auf ein gefährliches Test-Experiment ein, denn es zeigte sich, dass bereits die einmalige Stimulation immer neue Erinnerungen weckt, was den Geist immer weiter in die Vergangenheit zurückschleudert, während der Körper in der Gegenwart zu kollabieren droht.

Dieser Plot gibt dem Autor die Gelegenheit, mit vier unterschiedlich langen Geschichten in die Vergangenheit der Menschheit zurückzukehren. So landet Harvs Geist in der Zeit einer berühmten Sintflut, die zur Grundlage des Mythos um die Arche Noahs wird. Er ‚wird‘ zum Bootsbesitzer Manuah Hasis, der als reicher Händler mit großer Familie in einer recht fortschrittlichen Stadt in der Nähe großer Ströme lebt.

Manuah ist misstrauisch: Würden die Mauern der Stadt einer Flut standhalten? Was ist mit der gewaltig leuchtenden Himmelserscheinung, die immer größer wird? Als ein Meteor einschlägt, ist Manuah der erste, der sich über die Folgen klar ist. Er versammelt seine Familie, Freunde, Seeleute und andere Menschen um sich und lässt möglichst viele Boote zusammenbinden. Als die gigantische Flutwelle dann kommt, gehören er und seine Leute zu den wenigen, die eine kleine Überlebenschance haben.

Daraus macht McCarthy eine unglaublich spannende und toll erzählte Novelle von etwa 130 Seiten, welche die Handlung vor den Augen des Lesers lebendig werden lässt und großes Lesevergnügen bereitet.

Es folgt eine ebenfalls etwas längere Novelle von etwa 110 Seiten: Cro-Magnon-Menschen und Neandertaler bevölkern gemeinsam die Erde. Harv erlebt die Jagdabenteuer eines primitiven Jägers, der in einer Art Holzhüttenfestung lebt. Bei einem Jagdausflug stößt seine Gruppe auf Neandertaler, die Dorfbewohner entführt haben. Diese sollen befreit werden, was aber nicht wie geplant funktioniert.

Diese Episode ist schon deutlich schwächer als die erste Novelle, jedoch immer noch recht spannend und, bis auf das kryptische und unbefriedigende Ende gut lesbar.

Danach folgen noch zwei kürzere Geschichten aus noch fernerer Vergangenheit, die leider stark abfallen. Schade, dass der Autor sich schon mit der ersten Episode so tief in die Vergangenheit gewagt hat; es hat ihm womöglich eine ausführlichere historische Recherche erspart.

Die Grundidee der Hintergrundgeschichte ist zudem schwach und unglaubwürdig. Sollten irgendwo in der Hirn-DANN wirklich vollständige Erinnerungsmatrizen unserer Vorfahren gespeichert sein, die sich durch ‚Stimulation‘ abrufen lassen? Keine sehr glaubhafte Hypothese!

„Zeitflut“ ist ein lesbares Buch. Die erste Novelle ragt qualitativ deutlich heraus und lohnt beinahe die Anschaffungskosten. Die zweite Erzählung ist ebenfalls noch empfehlenswert, während die beiden kürzeren Geschichten sowie die karge Rahmenhandlung deutliche Mängel offenbaren.

Copyright © 2021 by Gunther Barnewald

Titel bei Amazon.de

Doktor Maxwells skurriles Zeitexperiment

Split Second – Zurück in der Zeit

Der Ursprung der Welt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.