Der letzte Atemzug

Robert Brown
Der letzte Atemzug

Originaltitel: The Last Blade of Grass (Hobart/Tasmania : Severed Press 2015)
Deutsche Erstausgabe (eBook): Juni 2017 (Luzifer Verlag)
Übersetzung: Andreas Schiffmann
Cover: Mark Freier
2596 KB (Kindle)
ISBN-13: 978-3-95835-213-1

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Das geschieht:

Die USA pfeifen wirtschaftlich auf dem letzten Loch. Aufstände wütender Bürger will die unfähige Regierung mit Gewalt niederschlagen. Um die Soldaten zu enthemmen, damit sie gegen die eigenen Landleute vorgehen, werden sie mit einem Medikament namens „Zeus“ geimpft, das sie außerdem unempfindlich gegen Verletzungen und Schmerzen machen soll. Doch stattdessen verwandelt „Zeus“ die Soldaten in tollwütige, geistlose Killer und Kannibalen, die über ihre Mitbürger herfallen. Wer gebissen wird, verwandelt sich ebenfalls in einen Zombie.

Binnen kurzer Zeit versinken erst die USA – gefolgt vom Rest der Welt – im blutigen Chaos. Auch in Medford, einer Kleinstadt im südlichen Oregon, bricht das Inferno aus. Für Eddie Keeper ist dies die Stunde der Wahrheit: Bisher wurde er als „Prepper“ verlacht, der sich und seine Familie auf die Apokalypse vorbereitete, Vorräte und Waffen hortete und sich auf seiner zur Festung umgebauten Ranch verschanzte. Jetzt kann Eddie auftrumpfen! Die Ranch wird zum Rückzugsposten weniger, aber entschlossener Überlebender, die hier auf bessere Zeiten warten.

Doch nicht nur die Zombies sorgen für gefährliche Zwischenfälle. Neidische Mitbürger, die nicht so gut wie Eddie für den Tag X vorgesorgt haben, gieren nach den Vorräten der Prepper. Kriminelle Zeitgenossen streifen durch das Land und fangen Frauen. Die Ranch sticht den Strolchen in die Augen. Sie locken gezielt Zombies an, um sie im Schwarm über die Farm herfallen zu lassen. Sind alle Verteidiger tot, wollen sie Beute machen. Aber das Gesindel unterschätzt Eddie und die Feuerkraft seiner Gefährten. Zwar gibt es Opfer, aber man wehrt die Zombies ab, um anschließend zum Gegenangriff überzugehen. Wehe den Unholden, denn Eddie kennt keine Gnade, zumal er sich um Gesetze, Moral u. ä. liberalen Schwachsinn nicht mehr kümmern muss …

Blütezeit für Dumpfbirnen

Propheten, notorische Rechthaber und Möchtegern-Herrscher stehen seit jeher vor dem Problem, dass man in guten Zeiten mehrheitlich über sie lacht und nicht auf sie hört, sondern sie gebührend – d. h. mit kräftigen Arschtritten – in den Pferch zurücktreibt, dem sie allzu gern entweichen würden: Der Drang, den Mitmenschen ihren Willen nicht nur zu verkünden, sondern aufzuzwingen, ist charakteristisch für solche Kleingeister. Die Krise ist ihr Schlupfloch. Wenn Not und Hunger regieren, löst sich die Zivilisation – so jedenfalls ihre Erwartung – praktisch augenblicklich und rückstandslos in Nichts auf. Stattdessen kehrt der Höhlenmensch zurück, der seit jeher im Unterbewusstsein auf seine Chance lauert.

In den USA kann es jeden Moment soweit sein. So denken jedenfalls die „Prepper“, die den Zusammenbruch nicht nur erwarten, sondern auch herbeisehnen, denn er wird ihnen die Möglichkeit bescheren, eine neue Welt nach ihren Vorgaben zu schaffen – ihr Paradies, in der sie dafür sorgen werden, dass sich die Fehler und Schwächen der Gegenwart nicht wiederholen! Bis dahin drillen sie ihre Familien, damit sie später mit Messer und Knarre jene niedermachen, die ihnen rauben wollen, was sie in weiser Voraussicht gehamstert haben: Waffen, Vorräte, Waffen, Medikamente und Waffen, gelagert in selbsterrichteten Burgen und Bunkern; damit ist übrigens die Handlung dieses Werkes zusammengefasst.

Den Glauben an die Regierung und ihre Institutionen haben die Prepper verloren, falls sie ihn jemals besessen haben. Korrupte Schwächlinge, Perverse und weichliche Menschenfreunde haben ihrer Ansicht nach das Sagen, während die wahren Werte vernachlässigt und verhöhnt werden. Solange sie in der Unterzahl sind, glucken die Prepper möglichst außer Sicht zusammen und reagieren auf Kontrollen ablehnend bis offensiv feindselig. Dass das System einfach nicht zusammenbrechen will, schürt ihren Zorn, verlängert aber die Zeit, die ihnen bleibt, um sich über die Zähne hinaus zu bewaffnen.

Fantasien vom gewalttätigen Neustart

Robert Brown lässt uns tief ins Prepper-Hirn blicken, was paradox klingt, da dieses eher eindimensional ist. Eddie Keeper („ to keep“ = „bewahren“) ist, wenn man die wenigen Hintergrundinformationen über den Verfasser richtig deutet, Browns Alter Ego, das er in sein Sprachrohr verwandelt. Dies kann man wörtlich nehmen, denn Eddie liebt es zu reden oder besser: zu predigen, um auch nach der Katastrophe weiterhin allzu weichherzigen Zeitgenossen deutlich zu machen, dass die Zeit der Degeneration und Rücksicht vorüber ist. Das muss offensichtlich begründet werden; die Gruppe auf Eddies Farm scheint den echten Prepper-Geist jedenfalls noch vermissen zu lassen, was Eddie im Keim ersticken muss.

Allerdings sitzt in Eddies Mund keine Engelszunge. Was er von sich gibt, ist fundamentalistisch-brutaler Bullshit. Unfreiwillig entlarvt sich Eddie immer wieder selbst als Psychopath, dem endlich die Zügel in Gestalt von Gesetzen und Moralvorgaben abgenommen wurden. Anfänglich ist er noch entsetzt und zögerlich, den besessenen Kranken in die Schädel zu schießen. Wenig später nimmt Eddie das Gesetz weniger alttestamentarisch als krankhaft in die eigenen Hände, mit denen er einige Lumpen, die für den Tod „guter Menschen“ – die Definition obliegt Eddie – verantwortlich sind, volle drei Tage und mit zunehmend guter Laune grausam foltert; erst dann lässt er Gnade walten und schneidet seinen verstümmelten Opfern die Hälse durch. Furcht vor der Konsequenz solchen Handelns ist ihm fremd, denn das geschriebene Gesetz existiert nicht mehr. Zudem Eddie Atheist. In diesem Punkt unterscheidet er sich von den gern frömmelnden ‚wahren‘ Amerikanern. (Übrigens erklärt sich so der merkwürdige O-Titel: Da nach dem Tod nichts kommen wird, genießt Eddie das Leben – und böte es ihm nur noch einen frischen Grashalm!)

Ansonsten ist Eddie ein echter Gemütsmensch. So hat er lange nach seiner Simone gesucht. Sie ihm Gefährtin im Geiste und Muttertier, was einen weiteren Vorteil generiert: Wenn schon die Welt nicht nach seiner Pfeife tanzen will, dann wenigstens seine möglichst kopfstarke Familie. Eddie kann zufrieden sein. Wer von seiner Brut alt genug ist, einen Abzug zu betätigen, ist nach der Apokalypse mit Feuereifer an seiner Seite, wenn es gilt, Zombies oder Kriminelle zu killen. Sollte Eddie schwächeln, feuert ihn Simone (hölzern übersetzt) so an: „Redlich oder lauter zu sein gewährleistet aber leider niemandes Überleben in einer Welt wie dieser. Unsere Freunde hier auf der Ranch müssen deshalb wissen, dass andere dich fürchten sollten. Du bist gezwungen, diese Männer zu foltern, bis sie sterben, Tu es langsam und so, als ob du es genießen würdest …“ Eddies Entgegnung zeigt, dass er weiß, was er an der Gattin hat: „Du bist eine wirklich tolle Frau, Simone. Danke, dass du mich immer wieder auf den richtigen Weg bringst.“

Eddies Welt: das Heim der Nützlichen

Wer Aufnahme in Eddies Gang begehrt, muss in der einen Hand eine Waffe und in der anderen ein Werkzeug halten können. Ein netter Bilanzbuchhalter, der ihm über den Weg läuft, wird auf Abstand gehalten: Solche Menschen braucht die neue Welt nicht mehr. Bürokratie u. a. Unsinnigkeiten gehören der Vergangenheit an. Ein besonders intensiv zerfolterter Bösewicht gehörte der Presse an, die Eddie und den Preppern vor dem Tag X viele Scherereien gemacht hat. Das hat er jetzt davon …

Mitleid hat Eddie mit den armen Teufeln in Mitteleuropa: Dort verbot das Gesetz mündigen Bürgern den Besitz von Waffen, weshalb die Zombies diese Pechvögel nach Belieben fangen und fressen konnten. (Eddies Gruppe hat vorgesorgt und ist deshalb in der Lage, 20000 die Ranch attackierende Zombies über den Haufen zu schießen.) Auch in den USA wollte man die Waffenlobby zügeln. Dabei ist nach Eddies Ansicht gerade die Waffe der Schlüssel zu einer besseren Welt: Kriminelle steckt man nicht in Gefängnisse, sondern legt sie um!

Deshalb ist es völlig in Ordnung, dass Widerlinge (plus ihre automatisch vertierten Nachkommen) als Versuchskaninchen eingesetzt werden, um die Wirkung der Zombie-Seuche zu überprüfen. Eddie hat Glück: Ihm steht ein echter Fachmann zur Seite: Eduard Fleischer hat „Zeus“ nicht nur erfunden, sondern ist auch Bürger jenes Landes, in dessen Konzentrationslagern entsprechende Experimente einst alltäglich waren! Eduard wird Eddies Truppe tatkräftig zur Seite stehen und reiht sich freudig ein, nachdem letzte, gar zu hartnäckige Kritiker und Menschenfreunde prophylaktisch umgebracht wurden.

Browns reaktionäre Brechreiz-Vision endet offen und wurde zumindest in den USA bereits fortgesetzt: Sumpfgasblasige Visionen finden dort nicht erst seit Donald Trump Leser, die sich wohlig in menschenrechtsverachtenden Fantasien aalen. Hierzulande ist man offenbar noch nicht so weit; jedenfalls blieben Browns weitere Werke bisher ohne Übersetzung und unveröffentlicht. Womöglich sind seine inbrünstigen Horror-Hirnfürze doch ein wenig zu unappetitlich; dies wäre jedenfalls die optimistisch-hoffnungsvolle Interpretation …

Autor

Robert Brown geizt mit biografischen Fakten bzw. passt seine Vita seinen Überzeugungen an. Daher wissen wir, dass er in San Diego (US-Staat Kalifornien) geboren wurde, seit 1999 verheiratet ist und bis 2006 vier Kinder gezeugt hat. Brown ist keine faule Couch-Kartoffel, sondern bereist eifrig die ganze Welt, wie er sie definiert: Texas, Colorado, Hawaii, Oregon, Illinois, Hawaii, Nevada, New Hampshire, South Dakota sowie – muss man sich deswegen Sorgen machen? – Deutschland.

Als Hobbys nennt Brown außer Reisen „seine Familie, Fotografie, Vorbereitung (auf den Zusammenbruch der verrotteten Zivilisation), Lesen, Feuerwaffen und Gartenarbeit“.

Copyright © 2019 by Michael Drewniok (md)

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The End – Die neue Welt

Apokalypse Z – Zorn der Gerechten

World War Z. Operation Zombie

Zombie-Apokalypse

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