Die Bewegung

John Ajvide Lindqvist
Die Bewegung

Originaltitel: Rörelsen. Den andra platsen (2015).
Übersetzung: Thorsten Alms.
Deutsche Erstauflage (Paperback): August 2018 (Bastei-Verlag/Allgemeine Reihe 17711)
Cover: Kirstin Osenau unter Verwendung eines Motivs von © Alexander Jansson.
332 Seiten
ISBN-13: 978-3-404-17711-0

von Gunther Barnewald

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Der vorliegende Roman des schwedischen Schriftstellers John Ajvide Lindqvist besticht wie seine Vorgängerwerke durch den prägnanten Stil des Autors. Zudem überzeugen die phantastischen Einfälle, die der Autor immer wieder produziert.

Dagegen fällt der Spannungsbogen in der zweiten Hälfte der Geschichte leicht ab, und die krassen und exzessiven Gewaltschilderungen der letzten 100 Seiten wirken manchmal extrem verstörend. Ob dies nun gut oder schlecht ist, hängt freilich von der Beurteilung des einzelnen Lesers ab.

Ebenfalls verstört, dass der Autor sich selbst zum Protagonisten dieser erschreckenden Geschichte macht und sein Leben mit den ungeheuerlichen Vorgängen, die hier geschildert werden, scheinbar verquickt. Also berichtet ein Protagonist namens John Lindqvist, wie er mit 19 Jahren in ein düsteres Stockholmer Hinterhaus zieht, in dem seltsame Dinge vor sich gehen. Manchmal fallen die Vögel über dem Gebäude einfach vom Himmel. Im Waschraum gehen seltsame Dinge vor sich, und eine geheimnisvolle dunkle Substanz, die eine Art Leben darzustellen scheint, zieht alle Bewohner in ihren Bann und macht sie in einer Art und Weise von sich abhängig, die dazu führt, dass die Anwohner sich immer unmenschlicher benehmen. Zudem liegt das düstere Haus in der Nähe des Brunkebergtunnels, der schon seit seiner Erbauung verflucht sein soll und in dem ebenfalls immer wieder Unheimliches vor sich geht.

Als der junge John Lindqvist im September 1985 dort einzieht, spielt er mit der Idee Bühnenmagier zu werden. Zuerst übt er fleißig, hat erste Erfolge als Straßenzauberer und bekommt auch bald Auftritte in einem Restaurant vor Publikum, was recht ansprechend anläuft.

Doch die seltsamen Vorgänge in dem und um das Haus greifen immer stärker die labile Psyche des jungen Mannes an. So setzt er sich hin und bringt eine grausame Geschichte aus seiner Jugend zu Papier, die sich wohl wirklich so abgespielt haben soll in Johns Leben. Gleichzeitig dringen verwirrende und beängstigende Elemente immer tiefer in sein Leben ein, seine Wahrnehmung wird immer psychotischer und schließlich wird der junge Mann zur Gefahr für sich und seine Mitmenschen …

Der Autor hat sich, sein Werk (und auch einzelne frühere Werke) mit eingebracht, schafft es sogar, den spektakulären Mord am schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme in die Erzählung zu integrieren, und erschafft so ein rätselhaftes, fast überbordendes Buch voller Horror.

Nicht ganz so spannend und ideenstark wie der Vorgänger „Himmelstrand“, ist „Die Bewegung“ trotzdem wieder ein Highlight literarischer Gruselliteratur und voller wunderbarer Beschreibungen und interessanter Charakteren. Vor allem die konsequent düstere und durchgängig bedrohliche Atmosphäre überzeugt.

Wäre der Spannungsbogen geschickter erbaut und die geschilderten Schockelemente weniger ekelhaft, plump und den Leser völlig erschlagend, könnte der Roman zweifellos noch tiefer beeindrucken. So bleibt das vorliegende Buch eine tolle Horrorgeschichte, lesenswert und brillant geschrieben (und übersetzt – trotz der beiden grausamen Fehler auf Seite 45, die garantiert alle Fans der Band Depeche Mode vor Wut aufheulen lassen), aber leider kein Meisterwerk. Das genial verwirrende Konstrukt und die überzeugend mit der Realität verknüpfte Erzählung sorgen dafür , dass der Leser selbst psychotisch zu werden droht, wenn er sich zu sehr auf die scheinbare Realitätsverankerung der Geschichte einlässt. Aber Gott sei Dank: Manchmal ist es ja nur Literatur!

Copyright © 2018 by Gunther Barnewald

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Das sechste Erwachen

Das dunkle Herz

Midnight, Texas

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